Frankfurt Kurioser Postentausch bei der Deutschen Bank

  • Still und heimlich hat die Deutsche Bank auf ihrer Homepage einen neuen Vize-Chefausseher eingetragen.
  • Stefan Rudschäfski steigt mit sofortiger Wirkung zum zweitwichtigsten Mann im Aufsichtsrat des Instituts auf.
Von Andrea Rexer

So geräuschlos kann ein Wechsel an der Spitze über die Bühne gehen: Still und heimlich hat die Deutsche Bank auf ihrer Homepage einen neuen Vize-Aufsichtsratschef eingetragen - ohne Pressemitteilung, ohne offizielles Statement. Ein erstaunlicher Vorgang, schließlich ist der Vize-Aufsichtsratschef kein unbedeutender Posten.

Stefan Rudschäfski heißt der Neuling, der mit sofortiger Wirkung zum zweitwichtigsten Mann im Aufsichtsrat des Instituts aufsteigt. Er ersetzt Alfred Herling, der sein Mandat überraschend niedergelegt hat. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass sich Herling erst nach der Hauptversammlung im Mai in die Rente verabschiedet, doch er hat sich anders entschieden: "Ich wollte eine ordentliche Stabübergabe ermöglichen", sagte Herling der SZ. Rudschäfski gehört wie Herling der Gewerkschaft Verdi an.

Erstaunlich ist, dass eine solch wichtige Personalie nicht mit entsprechend freundlichen Worten - etwa vom Aufsichtsratschef Paul Achleitner - eingeführt wird. In informierten Kreisen heißt es, Herling habe Achleitner im Herbst mit seinem vorzeitigen Rückzug völlig überrascht. Und ob der Nachrücker für Herling automatisch auch dessen Posten als Aufsichtsratsvize übernehmen musste, wurde durchaus diskutiert. Schließlich wären auch andere, erfahrenere Mitglieder des Gremiums in Frage gekommen. Die Deutsche Bank bestätigte die Personalie, wollte sie jedoch nicht weiter kommentieren.

Auch an anderen Stellen dreht sich das Personalkarussell beim größten deutschen Geldhaus derzeit schnell. So wurde bekannt, dass Henry Ritchotte die Bank verlassen hat und sein eigenes Start-up gegründet hat: den Wagniskapitalgeber RitMir Ventures. Er war bis vor einem Jahr Organisationsvorstand. Auch das wurde nicht offiziell verlautbart, sondern Ritchotte selbst teilte es in seinem Profil im Karriere-Netzwerk Linkedin mit. Eigentlich sollte Ritchotte eine Digitalbank für den US-Markt entwickeln, doch das Projekt wurde Mitte vergangenen Jahres gestoppt.

Einen weiteren Abgang gibt es im sensiblen Bereich der Geldwäsche-Bekämpfung: Der erst im Juli angetretene Brite Peter Hazlewood wird seinen Posten wieder abgeben und in eine andere Funktion in der Bank wechseln. Medienberichten zufolge soll es Differenzen mit Compliance-Chefin Sylvie Matherat gegeben haben, der er direkt unterstellt ist.