Deutsche Bank Die Deutsche Bank hat ihren Kredit verspielt

Deutsche Bank in der Krise: Finanzvorstand Marcus Schenck Ende Januar 2016 in Frankfurt am Main

(Foto: dpa)

Die Arroganz, mit der die Banker einst auftraten, passt nicht mehr zur Realität. Nun muss die Deutsche Bank erklären: Wer will sie sein?

Kommentar von Andrea Rexer

Für ein paar Jahre tat die Deutsche Bank so, als schwebe sie über den Dingen. Diesen Eindruck zumindest versuchte der frühere Vorstandschef Josef Ackermann mit aller Entschlossenheit zu vermitteln. Er würde sich schämen, Staatshilfe anzunehmen, sagte er zum Höhepunkt der Finanzkrise, kühl kalkulierend, dass ihn der Satz das gute Verhältnis mit der Kanzlerin kosten würde. Zuvor noch hatte die Bank die Bedingungen mitdiktiert, unter denen andere Institute Staatshilfen in Anspruch nehmen sollten. Doch selbst wollte er sie nicht annehmen, um die Bank stark wirken zu lassen. Das Selbstverständnis der Bank beruhte darauf, besser zu sein als alle anderen.

Was für eine Schmach ist es da, wenn nun - nur ein paar Jahre später - auf einmal der Finanzminister der Bank öffentlich beispringen muss. Er mache sich "keine Sorgen" um die Deutsche Bank, sagte Wolfgang Schäuble, nachdem deren Aktienkurs ins Bodenlose gefallen war. Das ist zwar keine Staatshilfe im klassischen Sinne, doch Schäuble zahlt damit auf jene Währung ein, welche die Bank am bittersten nötig hat: Vertrauen.

Das sind die gefährlichsten Banken der Welt

mehr... Bilder

Die Bank ist nun selbst eine Getriebene

Trieb die Deutsche Bank noch vor einigen Jahren die anderen Institute vor sich her, ist sie heute selbst die Getriebene. Vertrauen ist die Grundlage jedes Geldgeschäfts, worauf schon das Wort "Kredit" hindeutet, das übersetzt "glauben" heißt.

Doch die Investoren haben die Geduld mit der Bank nun endgültig verloren. Sie wollen ihre Deutsche-Bank-Papiere loswerden - egal ob Anleihen oder Aktien. Dass sich der Aktienkurs am Mittwoch erholt hat, nachdem bekannt worden war, dass die Deutsche Bank womöglich eigene Schulden aufkaufen wird, ist keine langfristige Lösung. Nach wie vor bauen Investoren Druck auf, indem sie düstere Szenarien über die Zerschlagung der Bank verbreiten oder die Ablösung des Aufsichtsratschefs fordern.