Deutsche Bank im Kirch-Prozess Triumph aus dem Jenseits

Angesichts der absehbaren Niederlage gegen seine Erben sind ihre Chefs Jain und Fitschen gefordert. Sie müssen entscheiden, ob sie ein Urteil in Kauf nehmen, das ihre Vorgänger auf die Anklagebank bringen könnte - oder ob sie einen Vergleich vorziehen.

Von Klaus Ott, München

Die Welt muss wieder einmal gerettet werden, zumindest die globale Wirtschaft; und so jetten dieser Tage führende Politiker und Manager nach Tokio zur Tagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Darunter auch Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Vorstandschefs der Deutschen Bank. Sie sollen helfen, die Schuldenkrise zu bewältigen. Eine große Aufgabe.

Im eigenen Konzern sind freilich auch einige Hausaufgaben zu erledigen. Dazu zählt ein altes Problem, das die Bank neuerdings in große Nöte bringt. Die vom Medienmagnaten Leo Kirch angestrengte und nach seinem Tod von seinen Erben und Anwälte weiter betriebene Schadensersatzklage.

Jain und Fitschen reisen alles andere als unbeschwert nach Japan. Denn das Oberlandesgericht (OLG) München ist drauf und dran, das führende Geldinstitut im Lande und dessen Ex-Chef Rolf Breuer zu verurteilen. 800 Millionen Euro könnte das nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens die Bank kosten.

Noch schlimmer wäre das Image-Desaster, sollten die vormaligen Bank-Chefs Josef Ackermann und Rolf Breuer, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und ein weiterer Altvorstand, Tessen von Heydebreck, wegen versuchten Prozessbetrugs auf der Anklagebank landen. Die Banker sollen als Zeugen beim OLG falsch ausgesagt haben, was sie vehement bestreiten. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt mit Hochdruck.

Nun sind Jain und Fitschen gefordert. Viel Zeit bleibt nicht mehr für einen Vergleich mit den Erben von Leo Kirch, der sich als Kreditkunde von der Deutschen Bank hintergangen fühlte und das Institut für die Pleite seines Medienimperiums im Jahr 2002 verantwortlich machte. Das OLG München hat Fitschen für einen der nächsten Verhandlungstage, den 16. November, persönlich vorgeladen.

Das Gericht wird dann bestimmt wissen wollen, ob noch eine einvernehmliche Lösung möglich sei. In Münchner Justizkreisen wird angedeutet, dass man dort großes Interesse an einem Vergleich habe und dass dies auch für die Staatsanwaltschaft gelte. Die könne im Falle eines "Täter-Opfer-Ausgleichs" doch von einer Anklage gegen Ackermann & Co. absehen, sagt einer der Prozessbeteiligten.

Noch lassen sich Jain und Fitschen nicht in die Karten schauen. Sie lassen derzeit offen, ob die Bank lieber das Verfahren beim OLG durchzieht, selbst auf die Gefahr einer schmählichen Niederlage hin. Oder ob man zum wiederholten Male Vergleichsgespräche führt. Der Mitte 2011 verstorbene Kirch, später dann seine Familie, waren schon mehrere Male nah dran gewesen an einer Einigung, zuletzt vor gut einem halben Jahr.

Doch immer wieder machte die Bank einen Rückzieher, auch aus Angst vor den Aktionären. Die könnten ja eine Lösung zu den aufgerufenen Tarifen von teilweise fast einer Milliarde Euro als zu teuer anfechten, lautete die Befürchtung in der Konzernzentrale, den beiden Bank-Türmen in Frankfurt.