Deutsche Bank gegen Kirchs Erben Es war einmal ein Deal

Josef Ackermann wollte den Rechtsstreit der Deutschen Bank mit den Erben Leo Kirchs wohl beenden - mit einer Zahlung von 812 Millionen Euro. Jetzt heißt es, der Deal sei so gut wie ausgeschlossen. Der scheidende Chefbanker wollte ein sauberes Haus hinterlassen, doch es meldeten sich kritische Stimmen. Es geht auch um Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer, der die Prozesswelle einst ausgelöst hatte.

Von Hans-Jürgen Jakobs, Harald Freiberger und Klaus Ott

Vielleicht hatte das Triumphgeheul zu früh eingesetzt. Vielleicht hatten die Erben und Freunde des verstorbenen Münchner Medienunternehmers Leo Kirch zu trickreich das Meinungsklima beeinflusst. Vielleicht war es einfach kontraproduktiv, dass in der Öffentlichkeit das Fell des Bären schon verteilt wurde - die schöne Gabe von 812 Millionen Euro an Kirchs Erben und den Insolvenzverwalter, zahlbar durch die Deutsche Bank.

Es mehren sich die Zeichen, dass der Rechtsstreit zwischen den Erben Leo Kirchs und der Deutschen Bank auch nach der Ablösung von Josef Ackermann weitergeht.

(Foto: Joerg Koch/dapd)

Deren Ex-Chef Rolf Breuer hatte 2002 per TV-Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt - was die Vertreter der Mediengruppe zum Anlass nahmen, hierin den Grund für Kirchs Pleite zu sehen. Sie klagten sich durch 40 Prozesse.

Doch jetzt, knapp zwei Wochen nach einem Treffen von Bankchef Josef Ackermann mit den Kirch-Leuten, wird immer klarer: Der Deal ist extrem gefährdet - manche sagen, daraus werde nichts. "Die Zustimmung der Deutschen Bank zu einem Vergleich mit Kirch in Höhe von 800 Millionen Euro ist so gut wie ausgeschlossen", heißt es in Frankfurter Finanzkreisen.

Personen, die sich mit der Sache gut auskennen, fragen mit aufgerissenen Augen: Warum jetzt eine Einigung? Warum so viel Geld? Warum überhaupt zahlen für ein Interview, das eher umschreibt - und überhaupt, Kirch sei doch schon vorher de facto pleite gewesen.

Das alles ist keine schöne Geschichte für Josef Ackermann, den Noch-Deutschbankier. Ende Mai verlässt er das Haus, nach zehn Jahren an der Spitze, und er wollte ein sauberes Haus hinterlassen, gut gekehrt, und somit ohne eine lähmende juristische Auseinandersetzung mit der Kirch-Seite über uralte Vorgänge.

Der ausgefuchste Jurist Peter Gauweiler

Zumal auf der anderen Seite mit dem Anwalt Peter Gauweiler ein ausgefuchster Jurist steht, der als CSU-Politiker in allen möglichen Kämpfen gestählt wurde. Ackermann hatte sich dem Vernehmen nach auf einen Friedensschluss mit der Fraktion Kirch gut vorbereitet. Er soll vier juristische Gutachten in Auftrag gegeben haben - und drei dieser Experten empfahlen die Einigung, einer war dagegen.

Am vorvorgehenden Sonntag kam es dann zum Treffen der Kontrahenten. Ackermann signalisierte dabei wohl, sich in seinem Haus für die 812-Millionen-Sache einzusetzen. Die Summe orientiert sich an einem Vergleichsvorschlag des Münchner Richters über 775 Millionen Euro, zuzüglich Zinsen. So kam es zu den 812 Millionen.

Doch kaum war der Deal bekannt geworden, meldeten sich die Experten in der Bank. Viele äußerten Bedenken. Da sind die Aktionäre, von denen die wichtigsten eingebunden werden müssten, damit sie nicht später auf der Hauptversammlung den Aufstand gegen den Vergleich proben oder sogar dagegen klagen. Da ist der Aufsichtsrat, der eingebunden werden mus. Und da ist Ex-Chef Rolf Breuer, mit dem man sich irgendwie über einen Schadenersatz für sein TV-Interview über Kirch einigen müsste. Wenn die Bank ihm gegenüber nicht Regressansprüche einfordern würde, dann bekäme das Geldinstitut Probleme.

"Kein Vergleich zu Lasten Breuers"

Das sei eine "heikle Geschichte", sagt einer aus der Bank, der Breuer bestens kennt und eng mit ihm zusammengearbeitet hat. Die Bank könne nicht mit den Kirch-Erben einen "Vergleich zu Lasten Breuers" schließen. Aus Breuers Umfeld verlautet, man werde den Ex-Chef "in den Vergleich einbinden müssen, sonst ist der ganze Vergleich nichts wert". Einer auch für ihn akzeptablen Lösung werde sich Breuer nicht verschließen, sondern mit seinem einstigen Arbeitgeber "solidarisch sein". Auch Breuer wolle seine Ruhe haben. Der Streit mit Kirch gehe ihm "schon lange an die Nieren".

Ein großes Interesse an einem Agreement hat Dieter Hahn, der langjährige Streiter an der Seite Kirchs und dessen Stellvertreter. Er soll einiges von den gut 400 Millionen bekommen, die nach Ausbezahlung der Gläubiger für die Kirch-Seite übrig bleiben - um das Geld dann offenbar in Sportsenderechte zu investieren. Und er sei auch schon im Gespräch mit Fußball-Managern gesichtet worden. Die Bundesliga versteigert derzeit wieder einmal ihre Senderechte für Fernsehen und Internet.

Doch irgendwie hat sich die Stimmung gedreht. Sicher, bei einem Vergleich wären all die Gerichtsverfahren erledigt, die Kirch gegen die Deutsche Bank begonnen hat. Und es gäbe keine lästigen Attacken und Einsprüche mehr von den Kirch-Juristen auf den Aktionärsversammlungen. Und auf mittlere Sicht wäre aus dem Strafverfahren in München gegen Ackermann, Breuer und andere Banker wohl die Luft raus. Aber in der Deutschen Bank reifte in vielen Gesprächen die Überzeugung, so sollte die Sache nach zehn Jahren Streit nicht zu Ende gehen.