Deutsche Bank Fitschen betrachtet Anruf bei Bouffier als Fehler

Jürgen Fitschen: Anruf bei Volker Bouffier

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Nach der Razzia bei der Deutschen Bank griff der Chef zum Telefonhörer und rief den hessischen Ministerpräsidenten Bouffier an. Fitschens Intervention hat großen Unmut in der Politik ausgelöst. Nun bedauert er seinen Anruf. Die Bankenlobby steht trotz der Ermittlungen zu Fitschen.

Der Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, betrachtet den Telefonanruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier wegen der Razzia in dem Geldinstitut inzwischen als Fehler. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, heißt es aus Fitschens Umfeld, er bedauere den Anruf.

Der Bankchef hatte sich vergangene Woche bei Bouffier darüber beklagt, dass die Bilder von der Durchsuchungsaktion mit bewaffneten Polizisten verheerend für das Image der Bank seien.

Bouffier hatte erwidert, Umfang und Details der Razzia wegen Umsatzsteuerbetrugs seien Sache der Staatsanwaltschaft. Fitschens Intervention hat großen Unmut in der Politik ausgelöst.

In der vergangenen Woche wurden bei einer Großrazzia Räume der Deutschen Bank durchsucht. Es geht um ein sogenanntes Umsatzsteuer-Karussell, bei dem Steuern vom Staat im Voraus an Scheinfirmen erstattet, aber nie zurückgezahlt wurden. Diese Firmen handelten mit Emissionsrechten zum CO2-Ausstoß. Sie kauften umsatzsteuerfrei im Ausland Emissionszertifikate, verkauften diese dann günstig weiter und forderten bei den Finanzbehörden Umsatzsteuer zurück.

Bis das Finanzamt wegen der erstatteten Steuer misstrauisch wurde, existierten diese meist nicht mehr. Abnehmer der Zertifikate soll die Deutsche Bank gewesen sein.

Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug bei der Deutschen Bank richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Manager hätten die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank aus dem Jahr 2009 unterzeichnet.

Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) hält trotz der Ermittlungen daran fest, Fitschen im nächsten Jahr zum Verbandspräsidenten zu wählen. BdB-Präsident Andreas Schmitz sagte der Süddeutschen Zeitung, Fitschen werde wie vorgesehen sein Nachfolger. Die Frage nach einem Abrücken von diesem Plan stelle sich nicht. "Fitschen ist der Richtige an der Spitze des Verbandes."

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