Deutsche Bank Ehemaliger Chefvolkswirt Walter ist tot

Noch im Juni hatte der streitbare Professor vor einer Verschärfung der Krise gewarnt. Jetzt ist Norbert Walter, der langjährige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im Alter von 67 Jahren gestorben.

Auch nach seinem Ausscheiden als Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank im Jahre 2009 hat sich Norbert Walter regelmäßig zu Wort gemeldet. Zum Beispiel im Juni, in einem seiner regelmäßigen Interviews für den Nachrichtensender n-tv. Eindringlich warnte Walter vor einer Rezession. Das Urteil anderer Experten, dass es 2013 wieder aufwärts gehe, teile er nicht. Jetzt ist Walter im Alter von 67 Jahren gestorben. Wie seine Familie bekanntgab, starb er an diesem Freitag.

Der Wirtschaftswissenschaftler begann seine berufliche Laufbahn 1971 am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 1987 ging Walter zur Deutschen Bank, deren Chefvolkswirt er von 1990 bis zu seinem Ausscheiden Ende 2009 war. Während seiner Amtszeit war er - neben den Vorstandschefs Josef Ackermann und Rolf Breuer - das Gesicht des größten deutschen Geldinstituts.

Der streitbare Professor sagte 2009 als einer der ersten den historischen Konjunktureinbruch in Deutschland voraus. Damals war die Wirtschaft im Zuge der weltweiten Finanzkrise eingebrochen. Mit seiner Prognose handelte sich Walter den Ärger der Bundesregierung ein. Doch Walter blieb unbeirrt - und lag richtig. Fünf Prozent Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt hatte er vorausgesagt, genauso kam es.

Nach seiner Zeit bei der Deutschen Bank gründete Walter eine Beratungsfirma, die er zusammen mit seinen beiden Töchtern führte. Thomas Meyer, Walters Nachfolger als Chefvolkswirt, war nur etwas mehr als zwei Jahre im Amt und trat im Mai zurück. Walter zeigte sich damals irritiert, weil die Bank die volkswirtschaftliche Abteilung mit dem Bereich Market Research zusammenlegte. Das passe nur zu einer Investmentbank, die keine unabhängige Denkfabrik wolle, sondern nur am Verkauf von Finanzprodukten interessiert sei.

Walter galt als überzeugter Europäer und entschiedener Verteidiger des Euro. Auch wenn er sich häufig vor einer Verschärfung der Euro-Krise warnte, am Ende zeigte er sich optimistisch: "Ich gehe davon aus. dass die Europäer um fünf nach zwölf das Richtige tun", sagte Walter vor einigen Wochen bei n-tv.

Auch in der katholischen Kirche war der Volkswirt engagiert. Walter war Mitglied des Bundes Katholischer Unternehmer und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Linktipp: Im November 2011 hat Norbert Walter der Süddeutschen Zeitung ein ausführliches Interview gegeben: "Man muss die Klugheit des Marktes bezweifeln".