Deutsche Bank "Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus"

Treibt den Sparkurs der Deutschen Bank mühevoll weiter voran: Vorstandschef John Cryan.

(Foto: dpa)
  • Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat in einem Interview bekräftigt, auch in Zukunft weitere Stellen streichen zu müssen.
  • Er vergleicht die Beschäftigtenzahl seiner Bank mit der Konkurrenz und kommt zu dem Schluss: Es sind noch immer zu viele.

Es will einfach nicht richtig aufwärts gehen bei der Deutschen Bank: 4000 Stellen hat das größte deutsche Geldinstitut im Zuge des laufenden Sparprogramms bereits gestrichen, 188 Filialen mussten schon schließen. Doch das wird wohl nicht reichen: In einem Interview mit der Financial Times spricht Vorstandschef John Cryan nun offen an, dass er die Stellenzahl des Hauses für zu hoch hält. "Wir beschäftigen derzeit 97 000 Menschen", sagt er, "die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus."

Die Bank hatte sich erst Ende Oktober mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2021 auszuschließen. Das hindert das Geldhaus aber nicht daran, über Abfindungen weitere Stellen zu streichen. "Es werden mehr als 6000 Stellen wegfallen", sagte ein Insider. "Alles andere reicht nicht".

Bei der Postbank dürften weitere Stellen wegfallen

Im Interview spricht Cryan davon, vor allem durch eine höhere Automatisierung von Prozessen künftig Stellen einzusparen. Zudem sei das Verhältnis von Buchhaltern und Schaltermitarbeitern im Vergleich zu Umsatz generierenden Angestellten "aus dem Gleichgewicht geraten", so der Bank-Chef.

Genau wie andere Geldinstitute leidet die Deutsche Bank unter den extrem niedrigen Zinsen, die das klassische Geschäft der Banken kaum noch profitabel machen. Zwar sind die jüngsten Quartalszahlen der Bank überraschend positiv ausgefallen, die Langfristzahlen setzen Cryan jedoch nach wie vor unter Druck: Der Aktienkurs der Bank hat sich unter seiner Amtszeit fast halbiert, Kritiker verweisen zudem darauf, dass auch Cryan Mitschuld am wachsenden Einnahmerückgang habe und die von ihm angestrebte Neuausrichtung zu schleppend vorangehe.

Kernstück dieser Neuausrichtung ist die Integration der Bonner Tochter Postbank. Dies war zwar schon einmal gescheitert, nun aber soll es klappen. Und tatsächlich ist die Bank dabei offenbar einigermaßen im Plan. "Wir sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit in den kommenden Quartalen und Jahren Schritt für Schritt sichtbarer werden", sagt Cryan. Das Privat- und Firmenkundengeschäft werde im zweiten Quartal 2018 verschmolzen. Dann sollen die 13 000 Beschäftigten der "Blauen" und 17 000 der "Gelben" unter einem rechtlichen Dach arbeiten.

Für die zusammen fast 20 Millionen Kunden ändert sich zunächst nicht viel: Die Markennamen bleiben erhalten, geführt wird die neue Einheit von einem gemeinsamen Führungsteam von Frankfurt und Bonn aus. Das IT-System der Postbank wird fast vollständig abgeschaltet. Ab 2022 soll das Ganze rund 900 Millionen Euro pro Jahr an Synergien bringen. Im Gegenzug fallen für Umbau und IT-Investitionen insgesamt 1,9 Milliarden Euro Kosten an. Wie viele der insgesamt gut 30 000 Arbeitsplätze der fusionierten Einheit wegfallen, um die Ziele zu erreichen, ist bislang jedoch nicht nach außen gedrungen.

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