Deutsche Bank Ackermanns Breitseite gegen Jain

Als die Deutsche Bank Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Frühjahr die Führung des Instituts anvertraute, hofften viele auf ruhigere Zeiten in dem Geldhaus. Doch daraus wird nun erstmal nichts. Ihr Vorgänger Josef Ackermann stellt seinen Nachfolger Jain in aller Öffentlichkeit bloß. Im Frankfurter Geldhaus herrscht Irritation.

Zu gern stichelt der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gegen seinen Nachfolger Anshu Jain: Es gilt als offenes Geheimnis, dass er Jain nicht an der Spitze der Deutschen Bank sehen wollte. Nun nutzte Ackermann ein großes Publikum zu öffentlicher Kritik an dem Neuen. Dem Schweizer missfällt, dass Investmentbanker Jain die Aufklärung der Affäre um Zinsmanipulationen nicht zur Chefsache macht: Fragen des Bundestags-Finanzausschusses zum Libor-Skandal an diesem Mittwoch lässt Jain den für Rechtsfragen zuständigen Vorstand Stephan Leithner beantworten.

"Es ist bekannt: Ich habe mich immer diesen Fragen gestellt. Ich finde nach wie vor, das ist Aufgabe eines Chefs, sich dieser Verantwortung zu stellen", sagte Ackermann bei einer Handelsblatt-Veranstaltung. "Als Chef nimmt man die Kritik und manchmal auch das Lob. Ich finde schon, dass der Chef hier auf die Bühne gehört", sagte Ackermann unter dem Applaus der etwa 500 Gäste.

In der Bank wurde Ackermanns Schelte mit Irritation aufgenommen. Das Institut hatte schon früher erklärt, es sei üblich, zu solchen Anhörungen einen Vertreter, der sich im Details mit dem Fall beschäftigt habe, zu schicken.

Aus den Archiven kramten die Verteidiger der seit Juni 2012 amtierenden Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen zudem einen Fall aus dem Mai 2009: Damals bat der Bundestags-Finanzausschuss Ackermann, Auskunft zu Geschäften des Dax-Konzerns mit Steueroasen zu geben. Ackermann schickte Medienberichten zufolge nicht einmal einen Vertreter.

Die "London Interbank Offered Rate" (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe, auch Kredite orientieren sich daran. Großbanken sollen den Libor über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen.

Inflation? Aber nicht doch

Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden wegen der Tricksereien gefeuert. "Der Libor-Fall ist kriminell, absolut nicht entschuldbar. Jeder, der Verantwortung getragen hat, muss die Konsequenzen ziehen", sagte Ackermann. Es ist nicht die erste öffentliche Rüge Ackermanns für Jain: Bei einer Spiegel-Veranstaltung Ende Oktober in Hamburg nannte er Jains Äußerungen laut Medienberichten "schädlich". Der neue Chef hatte der Welt am Sonntag gesagt, Europa müsse wegen der immensen Kosten der Euro-Rettung mit Inflation rechnen: "Das ist ein Preis, den wir für Europa werden zahlen müssen."

Ackermann bekräftigte am Montag: "Die Inflationsproblematik, die viele so hochstilisieren, ist so nicht gegeben." Aktuell und in den nächsten Jahren sehe er keine Inflationsgefahren infolge der weit geöffneten Geldschleusen. "Die EZB ist sich sehr bewusst, dass sie die Liquidität, die tendenziell entstehen könnte, abschöpfen muss, sobald die Konjunktur anspringt. Aber davon sind wir leider noch einige Jahre entfernt", sagte Ackermann.