Deutsche Bank Aktienkurs der Deutschen Bank ist so niedrig wie seit dem Mauerfall nicht

Historisch schlechter Aktienkurs: Die Deutsche Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Mehrere europäische Banken leiden derzeit. Bei der Deutschen Bank ist das Bild allerdings besonders desaströs.
  • Unter den verbliebenen Investoren formiert sich dem Vernehmen nach erstmals Widerstand gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner.
Von Andrea Rexer, Stephan Radomsky und Meike Schreiber, Frankfurt/München

In Katar läuft es derzeit nicht rund. Vor allem der Verfall des Ölpreises ist schuld daran, dass das Emirat sparen muss, statt weiter im Luxus zu schwelgen. In einigen Behörden streicht man dort jetzt tatsächlich Stellen.

Auch die Deutsche Bank dürfte zur neuen Bescheidenheit am Golf beitragen. 2013 und 2014 hatte sich die Herrscherfamilie mit knapp sechs Prozent an dem Institut beteiligt. Ein guter Zeitpunkt zum Einstieg, so schien es. Die Finanzkrise war überstanden, der Aktienkurs noch nicht enteilt. Ex-Vorstandschef Anshu Jain soll damals selbst nach Katar geflogen sein, um Scheich Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani die Vorzüge des Instituts zu erläutern. Gut 2,5 Milliarden Euro investierte der Scheich damals und avancierte zum zweitgrößten Aktionär der Bank nach der US-Fondsgesellschaft Blackrock. Heute jedoch dürfte das Aktienpaket des Scheichs allenfalls noch 1,2 Milliarden Euro wert sein. Ob und wann er jemals wieder seinen Einstandskurs sehen wird, ist ungewiss.

Bei der Deutschen Bank ist das Bild besonders desaströs

Tatsächlich erlebt die Deutsche Bank unter ihrem neuen Chef John Cryan eine tief greifende Transformation, die mit einem beispiellosen Ausverkauf ihrer Aktie einhergeht. Freilich, auch die Kurse aller anderen europäischer Großbanken leiden derzeit unter den niedrigen Zinsen, dem schwachen Ölpreis und den fallen Kursen an den Leitbörsen. Aber bei der Deutschen Bank ist das Bild besonders desaströs. Allein seit Jahresbeginn steht das Kursminus bei gut 35 Prozent. Am Mittwochabend fielen die Papiere im späten Handel kurzzeitig auf 14,61 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit dem Fall der Mauer. In den besten Zeiten, im Mai 2007 kur vor der Finanzkrise, waren es noch 103 Euro.

SZ-Grafik; Quelle: Bloomberg

Weniger als 21 Milliarden Euro ist die Deutsche Bank damit aktuell an der Börse wert. Sogar die Danske Bank - außerhalb der Landesgrenzen Dänemarks völlig unbekannt - wird inzwischen um vier Milliarden Euro höher bewertet.

Kein Wunder also, dass die Unruhe unter den Anteilseignern wächst. Normalerweise stünde bei solch einem Kursdesaster unmittelbar ein Chefwechsel bevor. Doch Cryan ist erst seit Sommer im Amt. Frühestens 2018 werde der Konzern wieder eine "normale Bank" sein, hatte der Brite Ende Oktober gesagt, als er sich der Öffentlichkeit vorstellte. Bis dahin will er die hohen Kosten des Konzerns drücken und die Postbank verkaufen. Eine neue Strategie brauche das Institut nicht, dafür aber mehrere Milliarden Abschreibungen. Am Aktienmarkt jedoch verfing seine Botschaft bislang allerdings nicht. Viele Aktionäre fürchten, dass die Bank nochmals das Kapital erhöhen muss, was ihre Aktien weiter entwerten würde.

Die Unruhe ist deutlich

Unter den verbliebenen Investoren formiert sich nun dem Vernehmen nach erstmals Widerstand gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der 2012 zusammen mit Jain und Co-Chef Jürgen Fitschen ins Amt kam. Auch wenn sich niemand namentlich zitieren lassen will: Die Unruhe ist deutlich. Die Aktionäre fragen vor allem nach Achleitners Mitverantwortung für die Krise des Instituts und die unzureichende Aufarbeitung der Skandale der Vergangenheit. Außerdem habe Achleitner wohl zu lange an Anshu Jain festgehalten, heißt es von einem maßgeblichen Investor. Es sei zwar durchaus möglich, dass Achleitner seinen Vertrag noch bis 2017 erfüllen könne, denn auch ein Machtvakuum sei gefährlich. Würde aber früher ein geeigneter Nachfolger gefunden, wäre es gut, wenn der Chefaufseher sein Amt zur Verfügung stellt, sagte der Investor.

Rückendeckung erhält Achleitner derweil noch von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat, die nach SZ-Informationen geschlossen hinter ihm stehen. Entspannt sind sie dabei aber auch nicht. Denn neben dem Verkauf der Postbank stockt auch der Umbau des Privatkundengeschäfts. Gut neun Monate ist nun her, dass die Deutsche Bank groß ankündigte, auch 200 ihrer blauen Filialen schließen zu wollen - immerhin mehr als ein Viertel der bisherigen Standorte. Seitdem sei allerdings nicht mehr viel Konkretes gefolgt, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Noch immer werde über die Rahmenbedingungen des Personalabbaus verhandelt. Welche Filialen geschlossen würden, sei weiter unklar. Das verunsichere die Mitarbeiter, vor allem in den Ballungsräumen. Die Stimmung dort sei angespannt.

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