Stuttgart 21 ist ein immens teures Projekt. Und es wird täglich noch ein bisschen teurer - weil bis zum Volksentscheid über das Mammut-Vorhaben die Arbeit ruht. Doch wer bezahlt das? Die Deutsche Bahn weigert sich.
Die Deutsche Bahn weigert sich, die Kosten für einen längeren Baustopp beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 alleine zu tragen. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Damit wurde die vor allem von Seiten der Grünen geäußerte Hoffnung zunichtegemacht, dass die Bahn alle anfallenden Zusatzkosten übernehmen würde.
Bild vergrößern
Bald könnte es sein, dass nicht einmal die Deutsche Bahn das Projekt Stuttgart 21 noch mag - weil es dann womöglich zu teuer ist. (© dapd)
Anzeige
Die künftigen grün-roten Koalitionspartner in Baden-Württemberg hatten sich vergangene Woche nach zähen Verhandlungen darauf geeinigt, das Volk über den unterirdischen Bahnhof abstimmen zu lassen. Bis zu diesem Volksentscheid, der spätestens im Oktober stattfinden soll, solle die Bahn den Bau ruhen lassen und keine weiteren Aufträge vergeben. Wer die damit verbundenen Kosten tragen soll, blieb offen. Zumindest die Grünen betonten jedoch, dass sie die Bahn als Staatskonzern in der Verantwortung sehen.
Diese Überlegung wies die Bahn nun zurück: Sobald die neue Regierung konstituiert sei, müssten sich alle an Stuttgart 21 beteiligten Vertragspartner in dem dafür zuständigen Gremium - dem Lenkungskreis - zusammensetzen, forderte der Konzern. Bei diesem Treffen sei "die Frage zu klären, wer die ganz erheblichen Zusatzkosten einer neuerlichen Aussetzung von Baumaßnahmen und Vergaben trägt".
Bereits im Herbst hatte die Bahn während der Schlichtungsgespräche einen Baustopp verhängt, seit der Landtagswahl im März ruht das Projekt erneut. Die dadurch angefallenen Zusatzkosten liegen laut Bahn bislang bei weit mehr als 100 Millionen Euro. Für jeden weiteren Baustopp-Monat fallen angeblich jeweils bis zu 15 Millionen Euro an. Die Bahn werde nicht akzeptieren, dass man diese Kosten einfach auf die bislang vereinbarten Projektkosten hinzurechne und Stuttgart 21 dann allein deshalb für zu teuer erkläre, stellte der Konzern klar.
Der designierte grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann war am Nachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar; er verhandelte letzte Details des Koalitionsvertrags, der an diesem Mittwoch vorgestellt werden soll. SPD-Verhandlungsführer Nils Schmid sagte, man wolle nach der Wahl des neuen Ministerpräsidenten schnell mit der Bahn ins Gespräch kommen. "Wir verschließen uns keinem Dialog, aber klar ist auch: Der Bau- und Vergabestopp ist eigentlich Sache der Bahn", sagte Schmid zur Süddeutschen Zeitung.
Ähnlich äußerte sich der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann: Die Bahn habe gewusst, dass Stuttgart 21 "noch nicht komplett planfestgestellt war" und dass Landtagswahlen anstanden. "Trotzdem hat sie mit dem Bau begonnen. Das passierte auf eigenes Risiko, daher ist es nur konsequent, wenn sie jetzt die Kosten für den Baustopp trägt."
Dagegen nannte der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler, früher Sprecher des Bahnhofsprojekts, das Interesse des Unternehmens "klar und nachvollziehbar". Zunächst müsse es jedoch "die Kosten für den Baustopp endlich klar benennen und aufschlüsseln".
- Thema
- Deutsche Bahn RSS
- Stuttgart 21: Dilemma der Grünen Der Ausweg, der keiner ist 21.04.2011
- Grün-Rot in Baden-Württemberg Bürger entscheiden über Stuttgart 21 21.04.2011
- Baustopp bei Stuttgart21 Kein Kuss für Kretschmann 30.03.2011
- Wahl in Baden-Württemberg: Stefan Mappus Nukleus der Angst 24.03.2011
- Einsatz gegen Stuttgart-21-Gegner CDU: Polizei machte Fehler 03.02.2011
- Stuttgart 21: Baustopp Grün, rot und naiv 27.04.2011
- Fragen & Antworten: Überfüllte Züge Pflicht zum Aussteigen 27.04.2011
(SZ vom 27.04.2011/aum)
Rund 15 Jahre nach der Entscheidung fehlt den Grünen ein Wahlthema, Die Katastrophe Japan war ja voriges Jahr nicht in Sicht. Da kam ihnen die Idee mit dem Bahnhof. Ein paar Leute würden schon aufspringen, man muss es nur richtig verkaufen. Siehe da, es wurden genügend Leute gefunden, die nun endlich mal zu irgend etwas ihre Meinung sagen wollten und da sie es allein nicht auf die Reihe bekommen, haben sie eben auch das Thema Bahnhof gewählt. Die Interviews im zeigten Fernsehen zeigten überdeutlich, dass nur Fachleute auf der Straße waren.
Eine gut Inszenierung auch die Profibäumebesetzer. Das wirkt immer, auch wenn sie nicht aus der Gegend sind. Wirkt aber verdammt echt. Dann gab es noch vier zu schützende Regenwürmer, die vom Aussterben bedroht sind. Naja, bis hierher hat es geklappt. Den Rest begleicht der Steuerzahler.
Soll der Bevölkerung doch jemand einmal erklären, wie man überhaupt von "wasser-dichten Verträgen" sprechen kann, wenn wesentliche, nicht ins Konzept passende Gutachten, die doch eigentlich die Grundlage für derartige Verträge sein müssten,
einfach "mir nichts, die nichts" in irgendwelchen Schubladen verschwinden können!!!
Mit gesundem Menschenverstand hat das ganze doch inzwischen nichts mehr zu tun.
Es geht einfach wie immer um die Durchsetzung der Interessen der "Großkopferten" im Lande, koste es was es wolle- aber eben die "kleinen Leute"!
MfG.
hjsbi-nrw
PS.: Wie kann man nur auf die "abstruse" Idee kommen einen derartigen schönen, zu-
dem noch denkmalgeschützen Bahnhof, wie in den in Stuttgart, einfach abzureißen! Die ganze "Schlichtung" hat doch jedem Interessierten gezeigt, daß es durchaus alternative Umbaupläne gibt, die die Leistungsfähigkeit des Bahnhofes deutlich erhöhen und zu-dem noch kostengünstiger sind!
Dafür geht er doch jeden Tag arbeiten und hat die gewählt, die mit Geld nicht umgehen können, übers Regieren nur aus der Ferne etwas wissen, von Planung und Veträgen gar nichts wissen, Demokaratisch ernährt werden und nur von Panik leben.Nichts hat in igend einer Weise noch etwas mit ursprünglichen grünem Gedankengut zu tun.
... wäre zutreffender: denn die "DB" ist in Bundesbesitz, eine Weisung wäre also durchaus denkbar aber der Bau gilt ja als "alternativlos" unter den Betonköpfen.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging