Fahrplanwechsel Die Bahn wird schneller - und teurer

Wer auf schnellen Strecken unterwegs ist, muss dafür oft extra zahlen: Auf der neuen Strecke zwischen Berlin und München erhöht die Bahn den Fahrpreis um mehr als 13 Prozent.

(Foto: dpa)
  • Zum Fahrplanwechsel wird Bahnfahren teurer. Besonders hoch sind die Aufschläge auf der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München.
  • Gleichzeitig füllt die Bahn immer mehr Plätze mit Billigtickets. Das soll im Wettbewerb mit den Fernbussen helfen und die Auslastung der Züge verbessern.
Von Jan Schmidbauer

Es sind ambitionierte Ziele, die die Deutsche Bahn da kürzlich ausgegeben hat: "Schneller" soll das Reisen mit dem Zug werden, "komfortabler" und "verlässlicher". Von der "größten Angebotsverbesserung in der Geschichte" sprach das Unternehmen, als es vor wenigen Wochen seinen neuen Fahrplan vorstellte, der von Sonntag an gelten soll. An diesen Versprechen wird sich die Bahn erst noch messen lassen müssen.

Eine andere Sache ändert sich dagegen ganz sicher: Bahn fahren wird mit dem Fahrplanwechsel teurer. Im gesamten Netz sollen die Preise diesmal um durchschnittlich 0,9 Prozent steigen. Im Fernverkehr beträgt der Aufpreis im Standardtarif durchschnittlich 1,9 Prozent (in der 1. Klasse 2,9 Prozent).

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Was Bahnkunden wirklich für ihr Ticket bezahlen müssen, lässt sich jedoch schwer beziffern. Ähnlich wie beim Fliegen hängen die Ticketpreise des Staatsunternehmens immer stärker von anderen Faktoren ab als nur von der zurückgelegten Distanz. Neben der tagesabhängigen Nachfrage ist es auch die Geschwindigkeit, die einen zunehmenden Einfluss auf den Ticketpreis hat. Bestes Beispiel ist die neue Trasse zwischen Berlin und München.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Planungs- und Bauzeit wurde die Schnellfahrstrecke am Freitag eröffnet. In weniger als vier Stunden verbindet der ICE-Sprinter die Städte nun und soll damit Flugzeug und Auto Konkurrenz machen. Den Zeitvorteil von gut zwei Stunden lässt sich die Bahn allerdings gesondert bezahlen - und das, obwohl die Verbindung im Vergleich zu anderen europäischen "Rennstrecken" nicht übermäßig schnell ist (siehe Grafik). Mit 13,6 Prozent steigt der Fahrpreis zwischen Berlin und München deutlich schneller als im Gesamtnetz. 150 Euro kostet ein Ticket im sogenannten Normaltarif, bei dem der Kunde nicht an einen bestimmten Zug gebunden ist. Damit ist die Fahrt immerhin zehn Euro teurer als auf der ähnlich langen Strecke zwischen München und Hannover. Tempo kostet also.

Fraglich ist allerdings, wie viele Passagiere wirklich den vollen Preis bezahlen werden. Vielfahrer nutzen in der Regel die Bahncard und erhalten damit Rabatte. Hinzu kommt, dass die Bahn immer mehr Billigtickets auf den Markt wirft, um ihre Züge zu füllen. Den Anteil der sogenannten Sparpreise hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Hochrechnungen zufolge werden in diesem Jahr 46 Millionen Passagiere mit den ermäßigten Tickets fahren, teilt die Bahn auf Anfrage mit - so viele wie noch nie. Und auch die Billigtickets selbst werden von Jahr zu Jahr billiger. Ein Sparticket der 2. Klasse kostet durchschnittlich 31 Euro, fünf Euro weniger als 2013. Dass die Bahn ihre Züge mit immer billigeren Tickets füllt, hängt vor allem mit dem starken Wettbewerb zusammen.

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Bis die Pkw-Maut kommt, bleibt Autofahren in Deutschland vergleichsweise günstig. Und neben den Fluggesellschaften hat die Bahn mit den Fernbussen seit 2013 einen neuen Gegner. Die Busse sind zwar langsamer unterwegs, fahren aber auch für deutlich weniger Geld.

Das Staatsunternehmen hat auf die neue Konkurrenz reagiert. Ähnlich wie ihre Waggons teilt die Bahn auch ihre Passagiere in verschiedene Kategorien ein: Wer sich früh auf einen Zug festlegt oder zu wenig gefragten Zeiten fährt, zahlt meist erheblich weniger als Pendler, die am Wochenende auf frequentierten Routen unterwegs sind. Wer freitags von München nach Hamburg reist, wird nur im Ausnahmefall ein Sparticket bekommen. Geht die Bahn von einer hohen Nachfrage aus, beschränkt sie das Kontingent für Billigtickets deutlich.

Technisch gesehen ist der ICE nie wirklich "ausgebucht"

Und selbst bei den stornierbaren Normalpreis-Fahrkarten gehen die Zeiten der fixen Konditionen langsam zu Ende. Zu besonders stark nachgefragten Zeiten erhebt die Bahn seit einem Jahr zusätzliche Aufschläge auf das stornierbare Flexticket. Wenig gefragte Verbindungen können dafür entsprechend billiger sein. Die Bahn testete das Modell zunächst mit Abweichungen von 2,9 Prozent nach oben oder unten.

Von Sonntag an kann das Ticket nun 4,9 Prozent teurer oder günstiger sein als der Standardtarif. Und die Bahn schließt nicht aus, dass die Unterschiede künftig noch größer ausfallen. "Wir testen uns da ran", sagt Bahn-Manager Hans-Joachim Luhm. Auch eine Ausweitung auf weitere Reisetage hält das Unternehmen für denkbar.

Die Bahn will mit den flexibleren Preisen auch die Auslastung ihrer Züge verbessern. Anders als etwa in Frankreich müssen Kunden in deutschen Schnellzügen nicht zwingend einen Platz reservieren. Weil die Bahn einige Plätze für Spontanreisende freihält, sind die Fernzüge technisch gesehen nie wirklich "ausgebucht". Die Folge: Zu den begehrten Abfahrtszeiten sind viele ICEs so voll, dass Fahrgäste stehen müssen. Zu anderen Terminen sind die Waggons dafür umso leerer. Mit den Auf- und Abschlägen will die Bahn den Kunden einen Anreiz bieten, stark nachgefragte Züge zu meiden. Das Unternehmen muss nun herausfinden, was den Kunden eine attraktive Verbindung wert ist. Die bisherigen 2,9 Prozent fielen jedenfalls zu gering aus, sagt Bahn-Manager Luhm. "Mit den bisherigen Preisunterschieden konnten wir noch nicht sehr viele Kunden auf andere Reisetage lenken."

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