Von Daniela Kuhr

Mit dem ICE nach London: Der Eurotunnel darf nun auch von der Deutschen Bahn genutzt werden. Dazu mussten ein paar Regeln umgeändert werden.

Die Deutsche Bahn kann womöglich schon bald mit dem ICE bis nach London fahren. Bislang wurde sie daran gehindert, weil ihre Züge nicht durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal fahren durften.

ICE, Foto: dpa

Änderungen in den Brandschutzvorschriften machen eine durchgängige Reise bis nach London möglich. Denn mit diesen darf der deutsche Hochgeschwindigkeitszug ICE den Eurotunnel nutzen. (© Foto: dpa)

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Neue Brandschutzvorschriften

Doch nach einer Änderung der Brandschutzvorschriften würden nun auch die Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn alle Voraussetzungen erfüllen, Personen durch den Tunnel zu befördern, sagte der Chef der Betreibergesellschaft, Jacques Gounon, der Financial Times Deutschland.

Bei der Bahn äußerte man sich noch zurückhaltend: "Es liegt uns noch keine offizielle Bestätigung der Zulassungsbehörde aus Großbritannien vor, dass unsere ICEs die Auflagen erfüllen", sagte ein Bahn-Sprecher. "Deshalb dürfen wir derzeit auch noch nicht durchfahren."

Erwartung: Eine Millionen Kunden

In der Vergangenheit hat die Bahn mehrfach Interesse bekundet. Bahn-Chef Rüdiger Grube hält die Strecke für attraktiv. Seiner Einschätzung nach könnten jährlich mindestens eine Million Kunden von Frankfurt oder Köln über Brüssel nach London reisen.

Derzeit müssen Fahrgäste in Brüssel in die Züge von Eurostar umsteigen, der Bahngesellschaft, die bislang als einzige die Tunnelstrecke befahren durfte. An Eurostar sind der französische Staatskonzern SNCF, die britische London & Continental Railways (LCR) und die belgische Staatsbahn SNCB beteiligt. Die LCR allerdings will ihren Anteil von 40 Prozent verkaufen. An wen, ist offen.

Gelegenheit für Einstieg bei Eurostar

Für die Bahn könnte das eine gute Gelegenheit sein, bei Eurostar einzusteigen. Zu entsprechenden Überlegungen wollte sich der Bahn-Sprecher nicht äußern. "Kein Kommentar", hieß es. Am Vortag hatte SNCF-Chef Guillaume Pépy die Bahn zu einer Beteiligung eingeladen. "Das könnte eine Perspektive sein, wenn es die Aktionäre von Eurostar akzeptieren", sagte er: "Entweder man macht sich gegenseitig Konkurrenz oder man erweitert die Eurostar-Familie." Pépy ist auch Präsident der Eurostar-Gesellschaft. Bislang galt er als Gegner einer deutschen Beteiligung.

Derweil reißt die Diskussion um das Bahn-Projekt Stuttgart 21 nicht ab. Die Grünen fordern wegen der befürchteten Kostenexplosion einen vorläufigen Stopp. "Wir sollten ein Moratorium beschließen, weil die Risiken nicht bezifferbar sind", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck in Berlin. Ein entsprechender Antrag wird im Bundestag beraten.

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(SZ vom 17.12.2009/cmue/hgn)