Deutsche Bahn Nächster Halt: Landratsamt

  • Die Deutsche Bahn will mehr Kunden gewinnen - und will deshalb bundesweit 350 neue Haltestellen im Regionalverkehr einführen.
  • Sämtliche Standorte liegen an Strecken, auf denen die Bahn bereits fährt, sind aber bislang keine Haltestellen.
  • Ob der Plan wirklich umgesetzt wird, entscheiden die Länder. Mit Bayern hat die Bahn schon 20 neue Haltepunkte vereinbart.
Von Daniela Kuhr, Berlin

Die Deutsche Bahn schlägt bundesweit 350 neue Haltepunkte für den Regionalverkehr vor. Das ist das Ergebnis der "Stationsoffensive", die der Konzern vor einiger Zeit ins Leben gerufen hatte. Im Zuge der Initiative hatte die Bahn ihr gesamtes Streckennetz auf mögliche Standorte abgesucht, an denen eine größere Zahl von Kunden das Interesse haben könnte, ein- oder auszusteigen. Am Ende wurden die besten 350 potenziellen Haltepunkte herausgegriffen. Sie liegen zum Teil auf dem Land, zum Teil in kleinen und mittelgroßen Städten. Überwiegend befinden sie sich bei Wohngebieten, Hochschulen, Einkaufszentren, Schwimmbädern, Krankenhäusern oder auch in Gewerbegebieten.

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Sämtliche Standorte liegen an Strecken, auf denen die Bahn bereits fährt, sind aber bislang keine Haltestellen. Ob die Züge dort tatsächlich in Zukunft halten werden, liegt nicht allein in ihrer Hand. Der Regionalverkehr wird seit der Bahnreform von den Ländern bestellt. Sie bestimmen, auf welchen Strecken die Bahn oder einer ihrer Konkurrenten wie oft fahren und an welchen Haltestellen die Züge halten sollen.

Allein Bayern bekommt 20 neue Haltestellen

Mit Bayern habe man schon Anfang März eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, wonach bayernweit 20 neue Haltepunkte entstehen sollen, sagte ein Sprecher der Bahntochter Station & Service. Dazu zählen etwa das Landratsamt Aschaffenburg, Würzburg-Heidingsfeld Ost, Bad Reichenhall Nord oder Oberreitnau.

An den 20 ausgemachten Stationen sollen allerdings keine neuen Bahnhöfe entstehen, sondern lediglich Bahnsteige samt einem Wetterschutz angelegt werden. Es seien durchweg kleine Stationen, an denen man mit 100 bis maximal 2000 Fahrgästen täglich rechne, sagte der Sprecher. Die Baukosten von etwa zwei Millionen Euro pro Haltepunkt wollen sich Land und Bahn teilen. Mit anderen Bundesländern würden nun erste Gespräche geführt, um sich am Ende ebenfalls auf eine Rahmenvereinbarung zu einigen, so der Sprecher.

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Die Bahn erhofft sich davon mehr Kunden. Durch jeden zusätzlichen Halt wird eine Fahrt zwar um 90 bis 120 Sekunden verlängert. Wenn dabei aber mehr Fahrgäste einsteigen als durch die Fahrtzeitverlängerung abgeschreckt werden, lohnt sich der Halt nach kurzer Zeit. Die Stationen sind so ausgewählt, dass dabei bundesweit zwei Millionen Menschen einen neuen Zugang zur Bahn bekommen - zwar nur zu Regionalzügen, diese fahren aber im Anschluss häufig auch zu größeren Bahnhöfen, wo man in einen Fernzug umsteigen kann. Das Unternehmen schätzt, dass die 350 neuen Haltepunkte täglich 200 000 zusätzliche Bahnfahrer bringen würden. Und die könnte die Bahn dringend brauchen.

Streiks, Unwetter und die Fernbusse haben die Bilanz vermiest

Das Geschäft läuft nämlich nicht mehr rund. Streiks, Unwetter und die wachsende Konkurrenz durch die Fernbusse haben der Bahn im vergangenen Jahr die Bilanz vermiest. Zwar legte der Umsatz nach Angaben von Reuters leicht auf 39,7 Milliarden Euro zu, damit lag er aber immer noch um ganze 1,8 Milliarden Euro unter Plan. Auch der Betriebsgewinn (vor Zinsen und Steuern, Ebit) verfehlte erneut das Ziel und sank um fast 130 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro. Vor allem der Fernverkehr schwächelt. Der Betriebsgewinn dieser Sparte brach um gut ein Drittel ein und verfehlte die Planzahlen um mehr als 40 Prozent.

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