Von Daniela Kuhr

Bahnkunden können gegen Aufpreis Öko-Tickets ordern. Dafür kauft die Bahn einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien, "um ein Zeichen zu setzen".

Mit neuen Öko-Tickets für Geschäftskunden will die Bahn ab sofort ein kohlendioxidfreies Verreisen ermöglichen. Gegen einen Aufpreis können Firmenkunden künftig Tickets kaufen, bei denen der für die Bahnfahrt benötigte Strom aus erneuerbaren Energien kommt.

Bahn, ddp

Die Bahn will "auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Umweltschutz voranzubringen". (© Foto: ddp)

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Damit wolle die Bahn "ein Zeichen setzen, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Umweltschutz voranzubringen", sagte Ulrich Homburg, Personenverkehrsvorstand bei der Bahn. Verbraucherschützer begrüßen den Vorstoß. "Das ist sicher nicht verkehrt", sagt Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Er sei jedoch gespannt, wie die Kunden das neue Angebot annähmen.

Breiter Energiemix

Bislang bezieht die Bahn ihren Strom aus einem breiten Energiemix. Mit 34,5 Prozent hatte Steinkohle dabei im vergangenen Jahr den größten Anteil, gefolgt von Kernenergie mit 25,9 Prozent und Braunkohle mit 13,1 Prozent. Nur 16 Prozent bezog die Bahn aus erneuerbaren Energien. Dieser Anteil solle sich nun erhöhen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Bahn hat schon seit einiger Zeit das Ziel, bis 2020 den konzernweiten CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2006 um 20 Prozent zu reduzieren.

Bei den neuen Öko-Tickets errechnet die Bahn anhand der Kilometerzahl der jeweiligen Reise den erforderlichen Energiebedarf. Die benötigte Strommenge bezieht sie zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen in Deutschland und speist sie ins konzerneigene Stromnetz ein.

Man werde vorwiegend auf Wasserkraft zurückgreifen, sagte der Bahnsprecher. Der TÜV Süd überprüfe die Herkunft des Stroms sowie die Einspeisung in das Bahnstromnetz. Die Geschäftskunden erhielten am Ende des Jahres eine Bestätigung über die eingesparten CO2-Emissionen. Der Aufpreis für die Öko-Tickets falle moderat aus, sagte der Sprecher. Eine Fahrt von Berlin nach Frankfurt in der zweiten Klasse etwa koste 111,76 Euro - und damit 76 Cent mehr als bei einer normalen Fahrkarte.

Öko-Tickets für Klassenfahrten

Nach Angaben der Bahn haben sich bereits mehrere größere Unternehmen für die Öko-Tickets entschieden, darunter die Deutsche Post DHL, SAP, Generali, McDonalds sowie die Deutsche BP. Auch für Privatkunden gebe es erste Angebote für CO2-freies Reisen.

So könnten die Öko-Tickets beispielsweise für Klassenfahrten gebucht werden, sagte der Bahn-Sprecher. Über Ameropa, den Reiseveranstalter der Bahn, seien sie ebenfalls erhältlich. Man wolle das Angebot bald auf weitere Privatreisen ausweiten. Im Güterverkehr sind ebenfalls CO2-freie Transporte möglich. Die Bahn führt bereits Gespräche mit Unternehmen, zu einem Vertragsabschluss ist es aber noch nicht gekommen.

Lob für die Bahn kam von den Grünen. Man sehe es jedoch "nicht allein als Aufgabe der Kunden an dafür zu sorgen, dass der Bahnstrom-Mix ökologischer wird", sagte der Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, Winfried Hermann. Die Bahn müsse zusätzliche erneuerbare Energiequellen erschließen.

"Ein Programm für Solaranlagen auf Bahnhofsdächern und Windkraftanlagen, auf Bahngeländen und offshore würde das Öko-Engagement wirkungsvoll unterstreichen", sagte Hermann. Auch Verbraucherschützer Krawinkel meint: "Der Vorstoß entbindet die Bahn nicht davon, insgesamt ihre Stromversorgung auf regenerative Energien umzustellen".

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(SZ vom 03.11.2009/hgn)