Von Nina Bovensiepen

Nach Angaben der Deutschen Bahn haben die Lokführer bei den geplatzten Tarifgesprächen kein Entgegenkommen gezeigt - ganz im Gegenteil. Jetzt steht der Showdown bevor.

Mitten in der Ferienzeit droht durch unbefristete Streiks der Lokführer ein Bahn-Chaos in Deutschland. Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL erzielten in entscheidenden Tarifgesprächen am Donnerstag keine Einigung. Die GDL kündigte Urabstimmungen an, die bis zum 3. oder 6. August dauern sollen. Danach beginne der Arbeitskampf.

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GDL-Chef Manfred Schell. (© Foto: ddp)

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Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen in Berlin kündigte der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Manfred Schell, für die nächsten Tage die Urabstimmung an.

Das Ergebnis erwartet Schell frühestens in zwei Wochen, was ungewöhnlich lange ist. Bis dahin sei er für Angebote der Bahn offen. Danach werde entschieden, wie der Arbeitskampf aussehen werde. Bahn-Kunden sollen mindestens 24 Stunden vor Streiks informiert werden.

Der Gewerkschaftschef wies die Schuld an einem möglicherweise bevorstehenden Chaos im Zugverkehr dem Vorstand der Bahn zu. "Wir wollen nicht gegen Reisende vorgehen'', sagte er. Mit Bahnchef Hartmut Mehdorn sei aber keine Einigung zu erzielen gewesen.

Bahn: "Wir haben uns bewegt"

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale erklärte hingegen: "Wir haben uns heute bewegt.'' Sie sei aber "erschüttert und erstaunt'' darüber, dass die Lokführer bei ihren Forderungen noch draufgesattelt hätten.

Tatsächlich verlangt die GDL laut einem Schreiben an Mehdorn einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer sowie eine Lohnerhöhung "für das Fahrpersonal um mindestens 31 Prozent''.

Um die 31-Prozent-Forderung hatten Gewerkschaft und Bahn in den vergangenen Wochen heftig gestritten. Die Bahn hatte mit dieser Zahl Stimmung gegen die Lokführer gemacht. Die GDL hatte sich dagegen mit dem Argument verwehrt, dass es in Wahrheit um deutlich weniger Geld gehe.

Gewerkschaftschef Schell sagte nach den gescheiterten Gesprächen, man habe der Bahn nun "den Gefallen getan, die 31 Prozent zu unserer Forderung zu erheben''. Suckale sagte, dieses Verhalten der Gewerkschaft mache sie "ratlos''.

Die Atmosphäre in den knapp dreistündigen Verhandlungen am Donnerstag war von Beginn an angespannt gewesen. Schell hatte ein Vorgespräch vor den eigentlichen Verhandlungen kurzfristig abgesagt.

Mehdorn hatte erklärt, ein Kompromiss mit der Gewerkschaft sei möglich, "aber vielleicht ist die Stimmung so aufgeheizt, dass man keinen mehr sucht''. In die Gespräche brachte der Bahnchef ein Einigungsangebot ein, das von den Forderungen der GDL allerdings weit entfernt ist.

"Schnee von gestern"

Dem Vorschlag zufolge könnten die Lokführer einen eigenen Tarifvertrag über die Berufs- und Ausbildungsbedingungen ihres Personals erhalten. Für die Verhandlungen über die Löhne wäre die GDL damit aber weiterhin nicht zuständig. Genau dies will Verhandlungsführer Schell jedoch verändern.

Die Bahn bietet der Gewerkschaft hingegen die Übernahme des Tarifvertrages an, den sie vor kurzem mit den zwei anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart hat.

Er sieht für 140.000 Beschäftigte ein Lohnplus von 4,5 Prozent vor. Schell hatte dies als Ergebnis bezeichnet, "mit dem wir niemals werden leben können''. Der GDL-Chef sagte, seine Gewerkschaft wolle "wegkommen von einem Lokführer, der nur 1500 Euro verdient''.

Andere Angebote der Bahn bewertete Schell als "Schnee von gestern''. Etwa den Vorschlag, dass die GDL mit Transnet und GDBA ein neues Vergütungssystem entwickelt, das stärker an Leistung und Qualifikation der Mitarbeiter ausgerichtet ist.

Weiter schlug der Konzern vor, einen externen Sachverständigen zu berufen, um die Tätigkeiten des Fahrpersonals zu bewerten. Diese Idee bewertete Schell als sinnvoll, allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

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(SZ vom 20.07.2007)