Ein Kommentar von Klaus Ott

Ansteckendes Missmanagement: Nicht nur Bahn-Chef Mehdorn hat Fehler gemacht, auch die Politik verzettelt sich bei der Bewältigung des Bahn-Skandals.

Na also, jetzt hat Hartmut Mehdorn doch noch bereut. Zehn Tage nach Bekanntwerden der konzernweiten Spähaktion bei 173.000 Beschäftigten kam dem Vorstandschef der Deutschen Bahn endlich das eine Wort über die Lippen, auf das viele Mitarbeiter gewartet und auf das die Gewerkschaften gepocht haben: "Entschuldigung".

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn darf erst einmal weitermachen. (© Foto: ddp)

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Zehn quälend lange Tage, in denen der Betriebsfrieden gestört war, weil übereifrige Manager vor Jahren wissen wollten, ob Lokführer, Schaffner und viele andere Mitarbeiter Schmiergeld kassiert oder die Bahn irgendwie sonst betrogen haben könnten. Mitarbeiter, die keine Aufträge vergeben und keine Etats verwalten.

Törichtes Ansinnen

Zehn Tage lang hat sich Mehdorn gewunden, hat immer absurdere Erklärungen abgegeben und zuletzt sogar versucht, von den Gewerkschaften Absolution zu erhalten. Deren Chefs sollten dem Bahnvorstand bescheinigen, dieser sei in die Spähaktionen "nicht eingebunden" gewesen und habe erst vor kurzem erfahren, was vor Jahren im eigenen Unternehmen passiert ist. Das war ein törichtes Ansinnen, das die Gewerkschaftschefs zu Recht zurückgewiesen haben. Zuerst muss aufgeklärt werden, dann wird sich hoffentlich zeigen, wer wann was angeordnet beziehungsweise gewusst hat. Mit seinem Missmanagement in der Datenaffäre hat sich Mehdorn fast um den Job gebracht.

Dieses Missmanagement ist offenbar ansteckend. Inzwischen machen auch die Bundesregierung und die schwarz-rote Koalition Murks bei der Bahn. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee will Mehdorn absägen, offenbar aus Rache für einige Wunden, die ihm der Bahnchef zugefügt hat. Tiefensees Genossen in der SPD-Spitze schauen zu, Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenfalls. Mehdorns Autorität ist so gut wie dahin, trotzdem darf er vorerst Bahnchef bleiben. Aber nur, weil sich die Union gute Chancen ausgerechnet, den Spitzenposten bei dem Staatsunternehmen nach der Bundestagswahl im September mit einem parteinahen Manager zu besetzen.

Mitten in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten soll Mehdorn als Konzernchef auf Abruf eines der größten und bedeutendsten Unternehmen im Lande leiten. Das kann nicht gutgehen. Man mag sich gar nicht vorstellen, was geschieht, wenn Spitzenjobs bei den Großbanken zu vergeben sind, bei denen der Staat nun einsteigt oder die er demnächst ganz übernimmt. Was zählt denn dann? Ob einer richtig rechnen kann, oder ob er das richtige Parteibuch hat?

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(SZ vom 07.02.2009/tob)