Deutsche Bahn Konkurrenten geben auf

Wettbewerb? Wenn überhaupt, dann erst später: Die beiden einzigen Bahn-Wettbewerber verzichten auf eigene Fernverbindungen in Deutschland - vorerst.

Von M. Bauchmüller, M. Kläsgen und D. Kuhr

Deutschlands Zugreisende werden sich im Fernverkehr vorerst weiter allein auf die Deutsche Bahn (DB) verlassen müssen. Am Freitag zog auch der zweite der beiden potentiellen Wettbewerber seine Pläne zurück. Eigentlich hatte die private Bahnfirma Locomore von Mitte August an die Strecke von Hamburg nach Köln befahren wollen. Dazu werde es nun frühestens im April 2011 kommen, teilte Locomore am Freitag mit.

Am Donnerstagabend hatte bereits die französische Staatsbahn SNCF bekanntgegeben, dass sie - anders als im vergangenen Jahr angekündigt - der Bahn vorerst doch keine Konkurrenz im deutschen Fernverkehr machen werde. Die bereits bewilligte Verbindung von Straßburg über Frankfurt und Köln nach Hamburg will das Unternehmen nun nicht nutzen - obwohl alle Fahrpläne bereits danach ausgerichtet sind. "Das Verfahren der DB Netz AG hat uns nicht genug Zeit gelassen", sagte eine SNCF-Sprecherin am Freitag. Es sei nicht möglich gewesen, ein seriöses Projekt auf die Beine zu stellen. Die DB Netz AG ist die Tochtergesellschaft der Bahn, die für das Schienennetz zuständig ist.

Damit erhebt SNCF einen Vorwurf, der auch von anderen Konkurrenten häufig geäußert wird. So soll die Bahn Wettbewerber bei der Vergabe der Trassen des öfteren benachteiligen. SNCF kritisiert speziell das Verfahren, mit dem Trassen beantragt werden. Es sei so gestaltet, dass Wettbewerber keine Chance haben, ein ernsthaftes Konkurrenzangebot aufzubauen. So hatten die Franzosen sich innerhalb relativ kurzer Zeit festlegen müssen, wie sie die Strecke Straßburg-Hamburg von 2011 an und dann ganze fünf Jahre bedienen. "Aus Vorsicht", so die SNCF-Sprecherin, sei man nun von dem Vorhaben abgerückt, weil "Strafen in Millionenhöhe" drohten, falls sich das Projekt verzögert hätte. Keinesfalls aber gebe die SNCF ihre Pläne ganz auf, Hochgeschwindigkeitszüge im deutschen Netz anzubieten. Man habe daran weiter "großes Interesse".

Die Entscheidung zieht auch den zweiten Wettbewerber, Locomore, in Mitleidenschaft. Das Berliner Unternehmen, hinter dem ein amerikanischer Investor steht, hatte schon vor der SNCF ein Teilstück der Strecke beantragt, nämlich von Köln nach Hamburg - und dann das Nachsehen gehabt. Weil die SNCF-Trasse länger ist und bis nach Straßburg führte, hätten die Franzosen den Zuschlag erhalten.

Frist endet am Montag

Versuche, noch eine Lösung für die gemeinsame Nutzung der Strecke zu finden, scheiterten. Die Anmeldefrist für die Trassen läuft am Montag ab. "Wir haben dadurch ein halbes Jahr verloren", sagte Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig der Süddeutschen Zeitung. Allerdings mache SNCF der Berliner Firma nun nicht mehr länger die Strecke streitig, sodass Locomore versuchen will, über ein Nachrückverfahren wenigstens von April 2011 von Köln nach Hamburg fahren zu dürfen. Das Unternehmen will gebrauchte Züge aus Österreich einsetzen, das Preissystem soll sich - ähnlich dem von Fluggesellschaften - stark an der Nachfrage orientieren.

Anders als im Nahverkehr ist die Deutsche Bahn im Fernverkehr bislang fast noch Monopolist. Vorwürfe, das gesamte Vorgehen sei mit SNCF abgesprochen gewesen, um den Start von Locomore zu verhindern, wies die Bahn zurück. "Es gibt keinerlei Absprachen mit Wettbewerbern", sagte ein Sprecher. Der Rückzug habe auch keine Konsequenzen auf das Angebot der Bahn im kommenden Jahr. "Wir haben unser Fernverkehrsangebot unabhängig davon geplant und werden es wie geplant fahren."

Verbraucherschützer bedauerten die vorläufige Absage der Konkurrenten. "Je mehr Wettbewerb, umso mehr Auswahl haben die Verbraucher", sagte ein Sprecher des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. "Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern auch um Service und Qualität."