Angela Merkel will nicht in den Tarifstreit zwischen Bahn und Lokführern eingreifen. Einen Bittbrief von Bahnchef Mehdorn wies die Kanzlerin kühl zurück - und verpasste zugleich der Gewerkschaft GDL einen Seitenhieb.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Forderung von Bahnchef Hartmut Mehdorn zurückgewiesen, die Bundesregierung solle in den Tarifkonflikt bei dem bundeseigenen Unternehmen eingreifen.

Die Bahn will den Lokführern nicht weiter entgegenkommen Bild vergrößern

Eskalation: Die Bahn will den Lokführern nicht weiter entgegenkommen. (© Foto: dpa)

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"Ich habe Herrn Mehdorns Brief zur Kenntnis genommen, aber ich teile seine Meinung nicht", sagte Merkel der Berliner Zeitung. "Obwohl die Bahn zu hundert Prozent im Besitz des Bundes ist, muss sie sich als Wirtschaftsunternehmen verhalten."

Sie halte an dem breiten politischen Konsens fest, dass sich die Politik in die Tarifautonomie nicht einmischen sollte, sagte die Kanzlerin. "Die Bahn und die GDL müssen sich der gesamtwirtschaftlichen Schäden bewusst sein, die auf dem Spiel stehen, und konstruktiv verhandeln."

Die CDU-Vorsitzende ging zugleich auf Distanz zur Hauptforderung der Lokführer nach einem exklusiven Tarifvertrag. "Ich habe meine Zweifel, ob jede Berufsgruppe in jedem Unternehmen ihren eigenständigen Tarifvertrag haben sollte. Das würde die Tariflandschaft völlig verändern, und das kann nicht in unserem Interesse sein", sagte Merkel.

Die Lokführer entscheiden über Streiks

Derweil rücken Streiks im Güterverkehr bei der Bahn näher. Schon am Donnerstag könnte es Arbeitsniederlegungen geben, wenn der Hauptvorstand und die Tarifkommission der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) dies am Mittwoch in Frankfurt beschließen. GDL-Vize Claus Weselsky sprach vom "stärksten und härtesten Arbeitskampf", den die Bahn bisher erlebt habe.

Nachdem das Landesarbeitsgericht Chemnitz in der vergangenen Woche Streiks auch im Güter- und Fernverkehr erlaubt hatte, wollen die Lokführer nun vor allem den Güterverkehr lahmlegen. Der Regional- und S-Bahnverkehr, in dem die GDL bereits mehrmals gestreikt hat, soll zunächst ausgenommen werden.

Die Bahn trommelt für ihr Angebot

Die GDL hatte am Dienstag ihre Kernforderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter bekräftigt. Die Deutsche Bahn lehnte die Forderung der GDL nach einem neuen Angebot nochmals ab und rief die Gewerkschaft erneut zu Verhandlungen auf.

Personalvorstand Margret Suckale sagte, die GDL müsse ihrer "Verpflichtung zum Verhandeln" nachkommen. "Wer streikt, ohne verhandelt zu haben, handelt unverantwortlich."

Sie warb für das vorliegende Angebot der Bahn, in dem die Übernahme des Abschlusses mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA mit 4,5 Prozent Einkommensplus sowie 600 Euro Einmalzahlung angeboten wird.

Durch Mehrarbeit könnten am Ende bis zu 10 Prozent mehr Geld zusammenkommen. Zudem könnten einmalig 1400 Euro für bereits geleistete Überstunden ausgezahlt werden.

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(dpa/AP/sms/bosw)