Im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der Bahn wurden bislang eher Aspekte diskutiert, die zu den Glaubensfragen zählen. Welch Wohltat, dass sich der Bund nun endlich den ganz pragmatischen Fragen zuwendet.
Selten wurde in dieser Republik so viel Papier verschwendet, um doch immer wieder nur dasselbe zu sagen. Seit Monaten dreht sich die gesamte Debatte um die Zukunft der Deutschen Bahn darum, wem nun die deutschen Schienenwege gehören sollen - als gäbe es keine anderen Fragen bei der Privatisierung des letzten großen Staatseigentums.
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Gut nur, dass nun Pragmatismus ins Spiel kommt. Die Zukunft des Netzes ist neuerdings nicht mehr nur Gegenstand von Glaubensfragen - etwa der, ob es nun dem Wettbewerb schaden wird oder nicht, sollte die Bahn mitsamt Schienennetz privatisiert werden; und ob die Bahn dieses Eigentum missbrauchen könnte.
Beschleunigung möglich
Viel leichter lässt sich beantworten, ob der Bund für das Netz nur annähernd so viel bekommt, wie er reinsteckt. Sicherlich wird das nicht der Fall sein. Damit ist wahrscheinlicher geworden, dass das Netz beim Staat bleibt. Auch könnte sich der Verkauf der übrigen Unternehmensteile an Einzelinvestoren leichter bewerkstelligen lassen als ein Börsengang - und das ganze Geschäft beschleunigen.
Die neueste Wendung mag der Bahnspitze nicht gefallen, aber sie zeigt: Die Debatte kommt vorwärts. Vor allem aber gewinnt sie endlich an Rationalität. Für eine der wichtigsten Privatisierungs-Entscheidungen des Landes kann das nur von Vorteil sein.
(SZ vom 19.05.06)
Demonstrationen in Hamburg