Ausgespäht: Die Bahn engagiert einen ehemaligen Agenten des britischen Geheimdienstes, um Bankkonten zu prüfen.
Wer die Klingelschilder am Kaiser-Wilhelm-Ring 18 in der Kölner Innenstadt durchgeht, vermutet dort ein normales Geschäftshaus. Da gibt es einen Rechtsanwalt, einen Wirtschaftsprüfer und eine Fondsgesellschaft. Wenig aufschlussreich klingt dagegen Argen GmbH. Wer bei der Firma anruft, wird nicht schlauer.
"Agent 007" - Roger Moore (rechts) und Christopher Lee (links) als Schurke Scaramanga in dem Film "Der Mann mit dem goldenen Colt". (© Foto: dpa)
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Heute ist er Sicherheitsberater
"Wir geben keine Auskunft", sagt eine Mitarbeiterin. Geheimhaltung gehört eben zum Geschäft. Hinter der Firma steht David Cowling, ein ehemaliger Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes Secret Intelligence Service, besser bekannt als MI6.
Schon seit mehr als 30 Jahren ist der gebürtige Rhodesier (Simbabwe) mit britischem Pass mit seiner Sicherheitsberatung aktiv, auch in Deutschland. Dabei dürfte er von seinem früheren Netzwerk profitieren.
"Argen - schnell, diskret, kompetent", verspricht das Unternehmen auf seiner kurz gehaltenen Homepage. Dort bietet sich das Sicherheitsunternehmen als "Problemlöser" für multinationale Gesellschaften, Banken und Anwälte mit deren Mandanten an. "Jedes Problem ist anders gelagert, aber die Schnelligkeit unseres Handelns, die Gründlichkeit unserer Recherche und die Zuverlässigkeit unserer Ergebnisse bleiben stets gleich", heißt es dort.
Dies muss die Deutsche Bahn überzeugt haben, die im Jahr 2000 die Sicherheitsfirma beauftragte. Damals waren mehrere Mitarbeiter der Tochter DB Regio ins Zwielicht geraten. Beim Einsatz eines Zuges für Sonderveranstaltungen sei es zu Schäden in Millionenhöhe gekommen. Als die Ermittlungen der Bahn im Sande verliefen, schaltete sie die Sicherheitsfirma ein.
Bei Unternehmen beliebt
Das Team des ehemaligen Agenten sollte den Zahlungsverkehr auf Konten einiger Mitarbeiter überprüfen und Bewegungsprofile erstellen. Die Bahn prüft nun, ob es damals zu Verstößen gegen den Datenschutz gekommen ist. Unternehmen griffen bei schwierigen Fällen gerne auf Argen zurück, beispielsweise, um Daten von vermeintlich sicheren Konten zu beschaffen, sagt ein Kenner der Szene.
Ein Aussteiger des Bundesnachrichtendienstes bestätigte der Financial Times Deutschland, dass es enge Verbindungen zwischen Geheimdiensten und Argen gebe. Selbst das Bundeskriminalamt greife auf deren Dienste zurück und lasse die Kölner Firma deswegen gewähren.
(SZ vom 05.02.2009/iko/mel)
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