Deutsche Bahn 17 Millionen Menschen sollen durch die neue Trasse schneller ans Ziel kommen

Für einige Monate beschleunigen nun noch die Testpiloten auf dem neuen Kernstück zwischen Bamberg und Erfurt. Von Dezember an werden drei Sprinter täglich in beide Richtungen mit den ersten Fahrgästen aufbrechen, jeweils gegen sechs Uhr, zwölf Uhr und 18 Uhr. Die schnellsten Züge unter vier Stunden halten nur in Halle, Erfurt und Nürnberg. Im Stundentakt fahren weitere ICE, die an allen Bahnhöfen halten, aber etwa vier Stunden 15 Minuten brauchen. Nach Angaben der Bahn sollen mit dem neuen Angebot 17 Millionen Menschen schneller ans Ziel kommen. Auch weil Verbindungen, die die neue Trasse auf Teilstücken nutzen, wie die Strecke München-Dresden, schneller werden.

Die Bahn, die zuletzt mit hohen Schulden und schwachen Geschäften kämpfte, hofft auf einen Imagegewinn. Der neue Bahn-Chef Richard Lutz hat sich die Wende im zuletzt immer schwächeren Geschäft vorgenommen. Mit mehr Kundenfreundlichkeit, mehr Fahrgästen und mehr Pünktlichkeit.

Doch in diesen Tagen wird allzu deutlich, dass der Konzern nach wie vor in einem Land mit zwei Geschwindigkeiten unterwegs ist. Abseits der Prestigestrecken und -bahnhöfe herrscht vielerorts Tristesse. Eine Rekordzahl von 1000 Baustellen in diesem Sommer bremst die Kunden aus. Industriekonzerne verschicken Brandbriefe an die Zentrale in Berlin wegen der einfach nicht endenden Probleme bei der Güterbahn. Seit nun schon fast drei Wochen herrscht auch noch auf der Rheintalbahn bei Karlsruhe Stillstand. Ausgerechnet beim Versuch, ein Nadelöhr im Fernverkehrsnetz mit Gleisen in einem Tunnel endlich zu beseitigen, erreichte die Bahn das Gegenteil. Die Erde gab nach, eine der wichtigsten Strecken Europas wurde gesperrt. Hunderte Züge müssen seither täglich umgeleitet oder mit Bussen ersetzt werden. Noch fünf Wochen geht das so.

Im Anschlusszug fällt dann die Klimaanlage aus

Abhilfe ist auch langfristig nicht in Sicht. Weitere Hochgeschwindigkeitsprojekte im größeren Stil sind derzeit nicht in Planung. Anders als etwa in Frankreich, ist in Deutschland kein vollständiges Hochgeschwindigkeitsnetz vorgesehen. Die Bahn hatte sich zuletzt wieder darauf konzentriert, mehr Städte besser an das Netz anzubinden, also vor allem große Metropolen immer schneller erreichbar zu machen.

Der neue Stolz der Bahn und seine Macken

Siemens entwickelt für die Deutsche Bahn den neuen ICE 4. Schon im Dezember soll der reguläre Betrieb starten. Bis dahin müssen noch viele Details geändert werden. Reportage von Caspar Busse mehr...

Auch die Premierengäste spürten am Mittwoch, dass da wohl doch keine neue Ära bei der Bahn beginnt. Im Anschlusszug nach Berlin fielen Klimaanlage und Sitzplatzreservierungen aus. Das Tempo wird angesichts solcher Durchsagen zur Nebensache: "Wir müssen erst mal prüfen, ob wir wegen der Überfüllung überhaupt weiterfahren können."