Von Klaus Ott

Die 240.000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn dürften bald Post vom Chef bekommen - Hartmut Mehdorn will sich bei jedem Beschäftigten mit einem "persönlichen Schreiben" für den Datenskandal entschuldigen.

Dieses Zugeständnis haben die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA nach eigenen Angaben von Mehdorn erhalten. Der Konzernchef hatte am Freitag gegenüber dem Betriebsrat erklärt, der Vorstand bedauere, dass es bei dem Abgleich von Adressen und Bankverbindungen der Belegschaft mit den Daten von Lieferanten zu Verstößen gekommen sei. Transnet und GDBA genügt das nicht.

Bahn: Späte Post vom Chef

Bahn-Chef Mehdorn gibt nach - und entschuldigt sich bei seinen Mitarbeitern. (© Foto: AP)

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Kontrollgremium prüft selbst

Die Gewerkschaftschefs Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel verlangten, dass Mehdorn sich bei den Mitarbeitern "direkt und unmissverständlich" entschuldige. Das wolle der Bahnchef laut Transnet und GDBA nun tun.

Auch sonst haben die Gewerkschaften Mehdorn weitere Zugeständnisse abgetrotzt. Der Aufsichtsrat der Bahn, dem zehn Arbeitnehmervertreter angehören, untersucht den Skandal nun selbst. Dazu bildet das Kontrollgremium einen eigenen Ausschuss. Der wiederum beauftragt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und eine Anwaltskanzlei mit Nachforschungen. Das geschieht mit Hilfe von Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) und der ehemaligen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Die beiden Juristen sind bereits in der Spitzelaffäre bei der Telekom tätig, als Anwälte für die Gewerkschaft Verdi. Beide sollen nun dem Aufsichtsrat zuarbeiten.

Auf späteren Termin verständigt

Bereits in dieser Woche soll das Kontrollgremium zahlreiche Informationen vom Bahnvorstand bekommen. Mehdorn hat nach Angaben aus Konzernkreisen zugesagt, die Antworten, die der Verkehrsausschuss des Bundestags auf 119 Fragen erhält, "zumindest zeitgleich" auch dem Aufsichtsrat vorzulegen. Der trifft sich in neun Tagen am 18. Februar. Ursprünglich hatten die Gewerkschaften eine Sitzung bereits an diesem Dienstag (10.Februar) verlangt. Nun einigten sich Transnet und GDBA mit Aufsichtsratschef Werner Müller auf den späteren Termin.

Post bekommen dieser Tagen bereits die Mitglieder des Verkehrsausschusses im Bundestag. Angebliche Informanten schildern in Briefen und Emails, wie es zu den Missständen bei der Bahn gekommen sein soll. Bei den Abgeordneten ging unter anderem ein anonymes Schreiben ein, das von Mitarbeitern der Revisionsabteilung der Bahn stammen soll. Darin wird behauptet, die Leitung der Revision habe Konzernchef Mehdorn wiederholt über die Zusammenarbeit mit der Privatdetektei Network informiert, die in den Skandal verwickelt ist. Network soll mehrere Datenabgleiche vorgenommen haben. Das könnte bedeuten, dass Mehdorn - anders als er selbst sagt - schon früher von der Spähaktion gewusst habe.

Der SPD-Abgeordnete Uwe Beckmeyer sagte, da es sich um anonyme Hinweise handele, werde man mit diesen Vorwürfen "sehr vorsichtig umgehen".

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(SZ vom 09.02.2009/mel)