Spitzelei im großen Stil: Die Deutsche Bahn, ein hunderprozentiger Staatsbetrieb, hat den Staat zu hundert Prozent desavouiert. Mehdorn trägt dafür die politische, betriebliche und wohl auch die strafrechtliche Verantwortung.
Hartmut Mehdorn bleibt sich selbst treu: Er bleibt uneinsichtig, selbstgerecht und stur. Einige Jahre lang war das sein Erfolgsrezept; da beschrieb man diese Eigenschaften oft als Willensstärke und als rustikale Resolutheit. Aber nun, in der sich verschärfenden Bahnaffäre, zeigt Mehdorn eine Art von Selbstüberhebung, die auch seine letzten Freunde von ihm abrücken lässt: Er überhebt sich an den Fakten. Sie sind erdrückend. Seit Monaten beteuert der Bahnchef, es sei nichts wirklich Schlimmes passiert; und wenn wirklich, dann habe er davon nichts gewusst. Doch die Spitzelpraktiken der Bahnzentrale übertreffen in Umfang, Intensität und im Ausmaß ihrer kriminellen Energie alle Befürchtungen.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn beteuert in der Datenaffäre seine Unschuld. (© Foto: dpa)
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Die Bahn hat nicht nur ihre Mitarbeiter peinlich überwacht; zuletzt wurden 173. 000 Leute unter Bruch des Datenschutzes gerastert und durchleuchtet. Die Bahn hat auch drei Jahre lang den E-Mail-Verkehr in ihrem Haus gefiltert, hundert- bis hundertfünfzigtausend E-Mails am Tag. Die Mails wurden umgeleitet, gelesen, gegen Mitarbeiter verwendet, manche Mails gar gelöscht. Es galt, Kritiker auszuschalten: Journalisten, Gewerkschafter, Politiker. Das Spitzelsystem war anscheinend so verzweigt wie das Streckennetz der Bahn; es hatte Weichen zur Umleitung des elektronischen Verkehrs. Der wurde quasi nach einem geheimen Fahrplan abgeschöpft.
Mündlich und schriftlich hatte Mehdorn in den vergangenen Wochen beteuert, Journalisten und Aufsichtsräte seien nicht bespitzelt worden. Es war dies eine grob fahrlässige, womöglich vorsätzliche Unwahrheit - eine Lüge. Die Aktionen sollen von der rechten Hand des Bahnchefs veranlasst worden sein. Mehdorn trägt dafür die politische und wohl auch die strafrechtliche Verantwortung. Drei Jahre lang Spitzelei im Großmaßstab - man blickt in einen Abgrund von Rechtsmissachtung: Die Bahn hat das Postgeheimnis, das Fernmeldegeheimnis, die Pressefreiheit und das Betriebsverfassungsrecht systematisch verletzt. Ein Betrieb, der zu hundert Prozent im Besitz des Staates ist, hat den Staat zu hundert Prozent desavouiert.
Mehdorn hat, das muss man ihm lassen, die Korruption bei der Bahn zu bekämpfen versucht. Er tat dies aber mit maßlosen Mitteln. Das war der erste Teil der Mehdorn-Affäre: Mit einer riesigen privaten Rasterfahndung sollte herausgefunden werden, ob Mitarbeiter Scheinfirmen unterhalten. Indes: Der gute Zweck, die Korruptionsbekämpfung, erlaubt nicht die rechtswidrigen Mittel. Und schon gar nicht sind kriminelle Mittel erlaubt, um Kritiker auszuschalten. Das ist nun der Tragödie zweiter Teil.
Natürlich hatte Mehdorn viele Gegner. Bei ihrer Bekämpfung hat er sich zuletzt das Recht zum Gegner gemacht. Diesem Gegner ist auch eine Rabauken-Natur nicht gewachsen. Fast zehn Jahre lang hat Mehdorn nun sein Unternehmen nach dem Motto regiert: Die Bahn bin ich. Diese Zeit des Schienen-Absolutismus geht nun zu Ende.
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(SZ vom 28./29.03.2009/mel)
Machtkampf in der Linken
Ein kleiner Kick in den deutschen Hintern von ausserhalb: Interessant, wie sich die deutsche Öffentlichkeit, von ganz oben bis hinuter auf die Strasse, Medien inbegriffen, über das illegale Vorgehen bei der Deutschen Bahn AG entsetzt. Interessant deshalb, weil im Gegensatz dazu es alle, von aganz oben bis hinunter auf die Strasse, völlig OK fanden, auch die Medien, als der Deutsche Geheimdienst illegal für illegal (also kriminell) beschaffene Bankkundendaten aus Lichtenstein einem Kriminellen 2 Mio. Euro bezahlten. Interessantes Rechtsverständnis, nicht?!
Ach ja, hab ich ganz übersehen, das ist ja was gaaaanz anderes!
Wer versucht, den Verdacht auf illegales Verhalten und Rechtsmissbrauch mit illegalem Verhalten und Rechtsmissbrauch zu bekämpfen, hat menschlich, rechtlich und unternehmerisch absolut versagt, ganz abgesehen davon, dass er sich strafbar gemacht hat. Aufgrund welcher Prinzipien wollte er dann später agieren und den Konzern leiten? In Wildwestmanier? In Stasi oder schlimmer N.a.z.iManier? In einer Demokratie (auch wenn es nur eine so rudimentäre wie die unsere ist) gelten Gesetze sollte man glauben. Mehdorn glaubt das offenbar nicht, und findet es wohl ganz normal, sich wie selbstverständlich über diese Gesetze zu stellen und zu lügen, bis es nichts mehr zu leugnen gibt. Gibt es keine Rechtsmittel, einen derart selbstgefälligen und selbstherrlichen "Manager" seiner gerechten Strafe zuzuführen? Warum hat das überhaupt so lang gedauert? Wie viel Willkür hält unsere Gesellschaft noch aus? Wo bleibt die Absetzung dieses "Herrn"? Hat die Staatsanwaltschaft keine Handhabe gegen so ein Handeln oder muss man/frau schlimmere Gründe vermuten? Wie viele Millionen erhält er jetzt als Bonus?
Ohne Ansehen der Person . . . es darf gelacht werden.
Ethik, Moral, Gesetzestreue das sind doch inzwischen nur noch lästige und wertlose Worthülsen, in Anbetracht unserer so genannten "Manager" und Politiker: Teile und herrsche. Das Stimmvieh kümmert sich nur um Abwrackprämie und neueste Handymodelle: Brot und Spiele.
Jedes Volk hat die Demokratie, die es (aktiv) gestaltet.
Viel Kraft für Erkenntnis wünscht uns allen Brigtte-Sabina
Wo sind die ganzen Kommentare vom Freitag von vor 17 Uhr hingekommen? Gelöscht?
Schlimm ist, dass jeder weiß, dass er bespizelt wird, doch keiner findet die richtige Antwort darauf. Die verantwortlichen sind nicht nur Mehdorn und Konsorten, sondern eben
auch unsere Politiker, die es in ausreichendem Maße tun, nur tarut sich keiner diese
zur Verantwortung zu ziehen. Es ist kein Wunder, adss sich viele in der Privat-Wirtschaft ermuntert sehen das gleiche zu tun zumal sie dabei moralisch unterstützt werden.
Nur wenn etwas an die Öffentlkichkeit gelangt, ziehen die Politiker ihren stinkenden Schwanz ein. Dann will es keiner gewesen sein. Verantwortliche gibt es viele, aber zu Verantwortung wird nur der gezogen, der aufgrund des öffentlichen Drucks nicht mehr gedeckt werden kann. Alle anderen gehen leer an Sanktionen aus. Nicht anders war es bei Zumpwinkel. Nicht anders bei vielen anderen. Morgen schon läßt der Druck nach und schon ist alles vergessen , nur weil die Schlagzeilen nicht mehr aktuell und nicht mehr interressant genug sind. Es gibt massenhaft an vermeintlichen Tätern, die gewollt
untergehen und wovon die Öffentlichkweit nichts mehr hört. Aber dickes Geld bekommen Sie alle . Es spricht sehr viel dafür, das Mehdorn eine schwere Straftat begangen hat, wie ich unsere Polituik und unsere politische Justiz kenne, bekommt dieser Herr aber noch ein dankeschön anstatt eine gerechte Strafe. Woran sollen sich also normale Straftäter orientieren. Vielleicht sind ihre begangenen Delikte zu klein für ein dankeschön. Soviel zur Strafgerechtigkeit und unserer Justiz.
Hans-Karl Biehl
Mähdorn hat zu Mitteln gegriffen, die rechtlich nicht in Ordnung waren. Und Tiefensee hat es entweder gewußt oder aber er hat in grenzenloser Unfähigkeit seine Aufgaben nicht erfüllt. In jedem Falle muss Flachpfütze mit Mähdorn gehen.
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