Die Bahn kann mit dem Segen der Bundesregierung an die Börse. Verwirrung gab es kurz vor der Genehmigung durch das Parlament um eine prominente Personalie.

Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen werde als Chef der neuen Bahntochter gehandelt, berichtete die Rheinische Post am Freitag. Der 45-Jährige, der derzeit auf Jobsuche ist, solle nach dem Willen des Bahn-Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller vom Jahr 2010 an die Transportsparte leiten, die in diesem Herbst zu 24,9 Prozent an die Börse gehen soll.

Utz Claassen (© Foto: dpa)

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Müller wies den Zeitungsbericht allerdings noch am Vormittag zurück. Die Personalie Claassen sei frei erfunden, sagte ein Sprecher Müllers. "Es handelt sich noch nicht einmal um ein gutes Gerücht."

Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sagte in der Debatte vor der endgültigen Abstimmung über die Teilprivatisierung im Bundestag: "Diese Information ist zu dementieren, das ist falsch." Ein Bahn-Sprecher sagte, zu Personalien werde grundsätzliche keine Stellungnahme abgegeben.

"Kein Kindergeburtstag"

Claassen war von 2002 bis 2007 Chef des Energieversorgers EnBW und gilt als harter Sanierer. Börsenexperten trauten ihm den Job bei der Bahn in ersten Reaktionen am Freitag durchaus zu. "Eine Teilprivatisierung ist kein Kindergeburtstag", sagte Robert Halver von der Baader Bank dem Fernsehsender N-TV. Claassen sei aber ein Manager, der den Bahnkonzern in Schwung bringen und auf Effizienz trimmen könnte. Doch dann kam das Dementi.

Grüne, FDP und Linke stimmten im Bundestag gegen den Bahn-Börsengang. 24,9 Prozent Anteile an einer Verkehrs- und Logistik-Holding der Bahn sollen an private Anleger verkauft werden. Das 34.000 Kilometer umfassende Schienennetz bleibt voll in Bundeshand.

In einer heftigen Debatte kritisierten die Oppositionsfraktionen nicht nur die Teilprivatisierung, sondern auch das parlamentarische Verfahren. Mit dem Verzicht auf eine förmliche Gesetzgebung und der Beschränkung auf einen Antragsbeschluss statt eines Gesetzes würden die Mitspracherechte der Bundesländer ausgehebelt, sagte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi. Keine Mehrheit fand ein Antrag von Grünen und Linken, die Debatte wegen zu geringer Beratungszeit zu vertagen.

Heftige Oppositionskritik gab es zu den Personalspekulationen, wonach der für die Privatisierung zuständige Verkehrsstaatssekretär Joachim Großmann (SPD) und der Abteilungsleiter Bahn des Ressorts in die zu privatisierende Bahntochter DB Mobility Logistic AG wechseln könnten. Darauf antwortete der verkehrspolitische Sprecher der SPD- Fraktion, Uwe Beckmeyer, mit einem Dementi.

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(sueddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/mel/jkr)