Der weltweite Musikmarkt steht vor einer Großfusion. Der deutsche Medienriese Bertelsmann und der japanische Elektronik-Konzern Sony wollen ihre Musiksparten zusammenlegen. Gut jede vierte CD käme dann von dem neuen Branchenführer. Die Kartellbehörden müssen dem Geschäft aber noch zustimmen.

(SZ vom 7.11.03) — Bertelsmann und Sony ist es gelungen, die Musikwelt zu überraschen. Die beiden international tätigen Unternehmen haben nach nur siebenwöchigen, streng vertraulichen Gesprächen eine Absichtserklärung unterzeichnet, die zu einer nachhaltigen Neuordnung der kriselnden Tonträger-Industrie führen kann.

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Demnach wollen die beiden ungleichen Konzerne ihre Töchter Bertelsmann Music Group (BMG) und Sony Music zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammenlegen.

Popstars wie Michael Jackson, Jennifer Lopez, Bruce Springsteen, David Bowie oder Sarah Connor (Sony) werden dann zum selben Musikkonzern gehören wie Carlos Santana, Whitney Houston, Britney Spears, Eros Ramazzotti oder Peter Maffay (BMG).

"Reibungslose Gespräche"

Mit den Verhandlungen waren in beiden Unternehmen nur die höchsten Ebenen betraut, was auf die Bedeutung des Zusammenschlusses hinweist.

Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen und BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz trafen sich mehrfach mit Sony-Chef Nobuyuki Idei und Sony-Music-Chef Andrew Lack. "Das waren reibungslose Gespräche", sagte ein Insider.

Rasche Einigung

Die Spitzenmanager haben sich rasch in den wesentlichen Punkten geeinigt. Demnach werden die Deutschen und die Japaner jeweils die Hälfte der Anteile halten und das neue Unternehmen unter dem Namen Sony BMG mit Hauptsitz in New York gleichberechtigt führen. An die Firmenspitze rücken dann Schmidt-Holtz und Lack.

Ausgleichszahlungen von Bertelsmann, deren Musiktochter (Umsatz 2002: 2,7 Milliarden Euro) etwas kleiner ist als die von Sony, soll es nicht geben. Zudem werden allein das Musikgeschäft, also die BMG-Labels wie RCA, Zomba oder Arista und Epic oder Columbia von Sony zusammengeführt werden.

Musikverlage kein Bestandteil

Die Musikverlage, die CD-Herstellung (Presswerke) und die Plattenauslieferung seien kein Bestandteil der Gemeinschaftsfirma, teilte Bertelsmann mit.

Diese Geschäfte, die immerhin 30 bis 40 Prozent zum jeweiligen Musikumsatz beitragen, sollen aus zwei Gründen ausgegliedert bleiben. "Es geht um die Konzentration auf den kreativen Kern, um die wichtigen Künstler und um neue Absatzchancen", sagte ein Insider.

Zudem wollen Bertelsmann (Weltmarktanteil rund zwölf Prozent) und Sony (14 Prozent) damit den Kartellbehörden entgegenkommen. Die Wettbewerbshüter in Washington und in Brüssel müssen das Vorhaben, das die Konzentration in der Musikbranche spürbar verstärken wird, genehmigen.

Fusion Warner/ EMI scheiterte

Daran scheiterte einst die Fusion der Plattenriesen Warner Music und EMI, die unter dem Druck der Ereignisse nun ebenfalls wieder über einen Zusammenschluss verhandeln. EMI-Chef Eric Nicoli will den Amerikanern am Wochenende ein Kaufangebot vorlegen.

Noch ist offen, wann der Zusammenschluss von BMG und Sony Music vertraglich besiegelt wird. Eine Anmeldung bei den Kartellbehörden liege daher noch nicht vor, verlautete aus Unternehmenskreisen.

Hoffnung auf Kosteneinsparungen

Bertelsmann und Sony erhoffen sich durch ihr Bündnis erhebliche Kosteneinsparungen, mehr Schlagkraft beim Marketing und neue Absatzmöglichkeiten.

So plant der japanische Elektronikkonzern ein digitales Abspielgerät für Musik aus dem Internet. Bertelsmann wiederum verfügt über Fernsehsender wie RTL, wo sich Talente als Popstars aufbauen lassen.

Die gesamte Tonträger-Industrie leidet seit Jahren unter Umsatzeinbrüchen; das digitale Kopieren von Musik und die Kaufunlust vor allem der Jugendlichen macht den Konzernen schwer zu schaffen. (Thema des Tages)

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