Deutsch-finnisches Unternehmen in Not Nokia Siemens Networks streicht 2900 Jobs in Deutschland

Nokia Siemens Networks versucht sich zu retten - und setzt auf Kahlschlag: Das Unternehmen baut in Deutschland fast 3000 Arbeitsplätze ab, das ist jede dritte Stelle. Die meisten Jobs werden in München wegfallen.

Für die Krise des Netzwerkbauers Nokia Siemens Networks werden fast 3000 Angestellte in Deutschland mit ihrem Job bezahlen. Das finnisch-deutsche Unternehmen streicht im Zuge seines weltweiten Stellenabbaus etwa 2900 seiner hiesigen 9000 Arbeitsplätze. Der Großteil des Abbaus ist bis Ende des Jahres geplant.

Das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia teilte mit, sich künftig auf fünf Standorte zu konzentrieren: Berlin, Bonn, Bruchsal, Düsseldorf und Ulm. Alle weiteren 30 deutschen Standorte würden geschlossen. Das wird besonders den Hauptsitz München treffen, wo der Großteil der Verwaltung angesiedelt ist. Noch arbeiten in der bayerischen Landeshauptstadt 3600 Menschen für das Unternehmen. Davon sollen mehr als 2000 Stellen wegfallen. Auch in Finnland streicht das Unternehmen 1200 Stellen.

Nicht alle Mitarbeiter in Deutschland verlören dabei ihre Jobs, einige bekämen die Chance, an andere Standorte umzuziehen, sagte Finanzvorstand Marco Schröter in einer eigens einberufenen Telefonkonferenz. Insgesamt werde man in Deutschland 1600 Stellen verlagern. Dennoch bleibe Deutschland ein "beschäftigungsstarkes Innovationszentrum" für das Unternehmen. NSN halte einen traurigen Rekord, sagte Schröter. Es habe "praktisch jedes Quartal seit der Unternehmensgründung mit Verlust abgeschlossen".

Für Nokia und Siemens hat sich das Geschäft mit Telefonnetzen zu einem Milliardengrab entwickelt. Seit langem macht das gemeinsame Unternehmen Verluste und findet immer weniger Kunden. NSN will mit den Plänen jährlich etwa eine Milliarde Euro einsparen und dafür ganze Geschäftsbereiche eindampfen. Erst im vergangenen Jahr hatten Nokia und Siemens zusammen eine Milliarde Euro in ihr kriselndes Joint-Venture gesteckt.

"Uns ist bewusst, dass dies eine erhebliche Reduzierung der Mitarbeiterzahl ist und wir möchten diese mit Respekt und unter Einhaltung aller rechtlichen Rahmenbedingungen umsetzen", sagte NSN-Deutschland-Chef Hermann Rodler. "Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist."

Das Unternehmen hatte im November angekündigt, weltweit 17.000 Stellen zu streichen, aber noch keine Details für Deutschland genannt. Damit sollen eine Milliarde Euro gespart werden. Damals hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sich bei NSN-Chef Rajeev Suri für den Erhalt eines kleineren Standortes in München eingesetzt.