Designierter US-Präsident Trump hat die Autoindustrie im Würgegriff

Donald Trumps Botschaften an die Autoindustrie sind deutlich: Er will, dass die Konzerne in den USA produzieren.

(Foto: REUTERS)
  • Donald Trump droht Autokonzernen mit ernsten Folgen, falls sie nicht in den USA produzieren.
  • Einige US-Unternehmen knicken deshalb bereits ein und investieren statt in Mexiko lieber in den Vereinigten Staaten.
  • Die deutschen Autohersteller geben sich bislang gelassen. Doch auch sie produzieren teilweise in Mexiko.
Von Jan Schmidbauer und Vivien Timmler

Es ist die große Losung, die Donald Trump vor seiner Wahl zum US-Präsidenten ausgegeben hat: "America first", Amerika zuerst. Trump möchte Arbeitsplätze zurückholen in die Vereinigten Staaten. Arbeitsplätze, die etwa in Mexiko entstanden sind. Das Land ist für Autohersteller ein interessanter Standort: Die Produktionskosten sind niedrig und die Handelsbedingungen dank des Nafta-Abkommens günstig. Hinzu kommt eine solide Zulieferkette und die Nähe zum Absatzmarkt USA. 77 Prozent der in Mexiko gebauten Autos gehen deshalb laut dem mexikanischen Automobil-Branchenverband Amia in die Vereinigten Staaten.

Knapp zwei Wochen vor Trumps offizieller Amtseinführung ist noch ungewiss, wie er seine Versprechen konkret einlösen will. Will er Unternehmen wirklich dazu zwingen, die Produktion aus Mexiko abzuziehen - etwa mit Strafzöllen auf Importe? Oder bleibt von seinen Wahlkampfversprechen am Ende wenig übrig?

Die amerikanischen Autokonzerne, die Trump im Wahlkampf wiederholt angegriffen hatte, bekommen derzeit zu spüren, dass Trump es durchaus ernst meint mit seinen Drohungen: Erst am vergangenen Dienstag attackierte der künftige Präsident via Twitter den größten US-Autokonzern General Motors (GM). "Produziert in den USA!", schrieb Trump und drohte andernfalls mit hohen Einfuhrzöllen für in Mexiko gebaute Fahrzeuge. Es dauerte nur wenige Stunden, bis eine Reaktion folgte. Allerdings kam diese nicht von GM, sondern vom Rivalen Ford: Das Unternehmen gab bekannt, seine Pläne für einen 1,6 Milliarden Dollar teuren Standort in Mexiko zu begraben und stattdessen Geld in den USA zu investieren. Ein Erfolg für Trump und ein Machtbeweis, noch vor seinem Amtsantritt.

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Und nicht nur Ford versucht schon frühzeitig, sich mit dem kommenden Präsidenten gut zu stellen. Auch der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler setzt auf Anbiederung, statt auf Konfrontation. Pünktlich zum Start der wichtigsten US-Automesse in Detroit teilte das Unternehmen am Sonntag mit, 2000 neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Eine Milliarde Dollar will Fiat Chrysler in zwei bestehende Werke in Michigan und Ohio investieren.

GM dagegen will dem Druck nicht nachgeben und an der Produktion von Kleinwagen in Mexiko festhalten. Die Branche treffe ihre Standortentscheidungen mit einem Vorlauf von zwei bis vier Jahren, sagte Vorstandschefin Mary Barra am Sonntagabend. Und die Limousinen der von Trump angesprochenen Marke würden ohnehin in Ohio hergestellt.

Auch für VW und BMW kann Trumps Politik Folgen haben

Die deutschen Autohersteller sind von Trumps Tweets bislang verschont geblieben. Doch sowohl VW, als auch Audi und BMW haben in den vergangenen Jahren Milliarden in neue Werke in Mexiko investiert. Volkswagen kam bereits vor mehr als 50 Jahren ins Land. Bis 2003 lief im mexikanischen Bundesstaat Puebla der Käfer vom Band, heute werden dort Teile der Produktion von Jetta und Golf 7 gebaut. Am Standort Mexiko will der Konzern unbedingt festhalten. Das Land sei ein großer Markt, sagte VW-Markenvorstand Herbert Diess am Sonntag. Noch in diesem Jahr soll die Produktion in Mexiko um die Langversion des Geländewagens Tiguan erweitert werden.

Die VW-Tochter Audi hat erst im vergangenen Jahr ihr erstes eigenes Werk in Puebla eröffnet. 150 000 Fahrzeuge des Modells Q5 sollen dort jedes Jahr vom Band laufen, etwa ein Drittel davon ist für den nordamerikanischen Markt bestimmt. Audi-Chef Rupert Stadler macht sich dennoch keine Sorgen um das Mexiko-Geschäft seines Unternehmens: "Trump ist im Erstberuf Unternehmer. Er weiß sicherlich einzuschätzen, was auf dem Spiel steht", sagte er kürzlich dem Handelsblatt.

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Der bayerische Hersteller BMW hätte dagegen noch die Möglichkeit, geplante Investitionen in Mexiko zu kappen. Der Bau eines neuen Werks in San Luis Potosí hat gerade erst begonnen, ab 2019 sollen dort 150 000 Fahrzeuge vom Band laufen. "Uns bleibt also noch Zeit, um uns auf mögliche Entwicklungen einzustellen", sagte BMW-Chef Harald Krüger in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. Ohnehin hoffe BMW, den designierten Präsidenten Trump mit dem Bekenntnis des Konzerns zum Standort USA zu besänftigen. "Was mir Vertrauen gibt, ist allein schon die Tatsache, dass wir in Spartanburg im US-Staat South Carolina unser weltweit größtes Werk betreiben", sagte Krüger. BMW baut dort die Geländewagen X 3, X 4, X5 und X 6. Diese machen inzwischen ein Fünftel der verkauften BMWs aus.

Autoexperte sieht Risiken für deutsche Hersteller

Die großen deutschen Autokonzerne geben sich nach außen also entspannt. Doch sie stehen vor ähnlichen Problemen wie ihre amerikanischen Konkurrenten: Wenn Trump seine Handelsversprechen wahr macht, könnten ihre Mexiko-Standorte wesentlich unattraktiver werden. "Zu Gelassenheit gibt es sicher keinen Anlass", sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. Zwar sei noch ungewiss, welche seiner Versprechen Trump wirklich wahrmache. "Aber was wir wissen, hört sich nicht gut an."

Bereits im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, das Handelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko neu verhandeln zu wollen. Notfalls wolle er Einfuhrzölle von 35 Prozent durchsetzen, kündigte er an. "Wenn Nafta neu verhandelt wird, wäre das eine dramatische Veränderung", sagt Bratzel.

Für die Autoindustrie hat die Wahl von Donald Trump also vor allem Risiken mit sich gebracht. Fraglich ist, wie lange die demonstrative Gelassenheit der deutschen Autohersteller noch anhalten wird. Denn was, wenn Trump sich in seinem nächsten Tweet nicht GM, sondern einen der deutschen Hersteller vornimmt? "Dann müssen die auf jeden Fall reagieren", sagt Autoexperte Bratzel. "Bei der US-Regierung im schlechten Licht zu stehen, kann man sich nicht leisten."

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