Von Stefan Weber und Hans-Willy Bein

Im Zusammenhang mit den Fehlspekulationen von Aktienhändlern der WestLB sind viele Fragen an Thomas Fischer, den Chef der Landesbank, gestellt worden - und der gibt keine Antwort.

Wer es nicht gut meint mit Thomas Fischer, empfindet in diesen Tagen leisen Spott über den Werbeauftritt seines Arbeitgebers WestLB.

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Die preist sich als "Bank der neuen Antworten'' - eine Selbstbeschreibung, bei der vielen Beobachtern der Auftritt von Fischer im Finanzausschuss des Landtages von Nordrhein-Westfalen in der vergangenen Woche in Erinnerung kommt.

Dort hatten die Abgeordneten im Zusammenhang mit den Fehlspekulationen von Aktienhändlern der WestLB viele Fragen an den Chef der Landesbank gestellt - ohne dass dieser eine Antwort gegeben hätte.

Fischer liebt den inszenierten Auftritt

Wenn das Gremium an diesem Freitag erneut zusammenkommt, wird sich Fischer nicht noch einmal befragen lassen. Wegen der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht könne er nicht in vollem Umfang Auskunft geben, hat er der Ausschuss-Vorsitzenden Anke Brunn in einem Brief mitgeteilt.

So schmallippig gibt sich der promovierte Volkswirt sonst selten. Fischer, der im Oktober 60 wird, liebt den inszenierten Auftritt. Dann zupft er die gestärkten Manschetten zurecht, prüft den korrekten Sitz seiner im konservativen Bankgewerbe meist als zu grell empfundenen Krawatte und beweist mit wohlgesetzten Worten, dass er nicht nur mit Äußerlichkeiten aufzufallen versteht.

Fischer ist ein brillanter Redner, der an tiefsinnigen Zitaten - gerne auch in englischer oder französischer Sprache - nicht spart und es versteht, ein Publikum für sich einzunehmen.

Die Blendwirkung solcher Auftritte lasse natürlich mit der Zeit nach. Der WestLB-Chef sei zwar ein kluger Kopf, aber zuvorderst ein eitler Selbstdarsteller, behaupten Kritiker.

Als Indiz dafür wird gern erzählt, wie Fischer sich über die seiner Meinung nach falsche Beschreibung seiner Schuhfarbe so aufregte, dass er einen Prozess anstrengte.

Zweite Baustelle: RWE

Solche Sticheleien konnte der WestLB-Chef lange Zeit an sich abprallen lassen. Denn bei vielen Anekdoten, die über ihn kursierten, war immer auch eine Portion Missgunst im Spiel.

Schließlich hat der Banker, der früher aktiver Boxer war, eine stolze Karriere absolviert. Als ihm bei der Landesbank Baden-Württemberg der rasche Wechsel auf den Chefposten verwehrt wurde, wechselte er 1999 in den Vorstand der Deutschen Bank.

Dort hatte er einst seine Bankkarriere begonnen. Nach nur drei Jahren verließ er die Frankfurter Bank zum zweiten Mal: im Streit über die Führungsstruktur und aus Enttäuschung, dass der Aufsichtsrat nicht ihn, sondern Josef Ackermann auf den Chefsessel berufen hatte.

Als dann 2003 in Düsseldorf ein Bankier gesucht wurde, der die nach Einschätzung vieler Aufsichtsräte "klinisch tote'' WestLB wiederbeleben könnte, war Fischer die Idealbesetzung - aufgrund seiner Erfahrungen und Kontakte sowohl im privaten als auch öffentlich-rechtlichen Bankgewerbe.

Bei der WestLB baute er bald nach Amtsantritt ein Risikomanagement auf. Zu dessen Qualität haben nach den jüngsten Fehlspekulationen insbesondere die Eigentümer viele Fragen.

Die WestLB ist Opfer

Vor allem diese: Warum der Vorstand die drohenden Verluste nicht früher bemerkt hat, wollten die Aufsichtsräte in einer außerordentlichen Sitzung am Mittwoch wissen. Fischer will sie bald öffentlich beantworten. "Die WestLB ist weder Täter noch verschweigt sie etwas - sie ist Opfer und klärt auf", sagt er schon jetzt.

Eine andere Großbaustelle hat Fischer allerdings noch als Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Energiekonzern RWE. Dort will er Vorstandschef Harry Roels durch den Stahlindustriellen Jürgen Großmann ersetzen.

Als Fischer im Februar zum Erstaunen der Energie- und Stahlbranche plötzlich den politisch gut vernetzten Großmann aus dem Hut zauberte, wurden ihm im RWE-Turm Macherqualitäten attestiert.

Vorschnell, wie sich in den letzten Wochen zeigte. Roels will seinen Vertrag bis Ende Januar 2008 erfüllen. Fischer und mit ihm der gesamte RWE-Konzern fürchten aber ein Machtvakuum. Großmann soll also früher kommen. Den neuen Mann konnte Fischer hierfür gewinnen, den "alten" bislang aber nicht loswerden.

Roels ließ sich auf der RWE-Hauptversammlung in der vergangenen Woche von den Aktionären sogar feiern und verkündete stolz, er werde seinen Vertrag erfüllen.

Fischer stimmte in das Loblied ein und versicherte, Verträge würden bei RWE eingehalten. "Punktum''. Allein damit dürfte der Abschied von Roels einige Millionen Euro teurer geworden sein.

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(SZ vom 26.04.2007)