Zitterpartie Opel-Zukunft: Hinter den Rettungsbemühungen für den angezählten Autohersteller wird ein anderer Aspekt der Großen Krise sichtbar - der Verteilungskampf um Marktanteile von morgen.
Ginge es ausschließlich nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, wäre schon in der Nacht zu Donnerstag alles zu Ende gewesen: Die Bundesregierung hätte nicht die erneute Verlängerung des Rettungsrennens um Opel verkündet und damit die Hoffnung der 26.000 Opelaner am Leben gehalten, sondern das sichere Ende des traditionsreichen deutschen GM-Filialisten.
Immer noch keine Entscheidung: GM will 300 Millionen Euro mehr vom Staat - doch der Bund will nicht mehr Geld geben. Die Minister Guttenberg und Steinbrück mit Hessens Ministerpräsidenten Koch, umringt von Journalisten. (© Foto: ddp)
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Denn Bedarf an den Fahrzeugen aus Rüsselsheim, Bochum und von sonst wo her hat eine Welt mit automobilen Überkapazitäten von knapp 30 Prozent nicht. Deutlich gemacht hat das - nach jahrzehntelangem Missmanagement bei General Motors - auch die Abwrackprämie: Bei den Neukäufen liegt Opel zwar mit 10,4 Prozent nicht übel, aber unter den verschrotteten Autos tragen 19,4 Prozent den Blitz im Logo. Das Schwinden der Marktanteile hat sich mithin beschleunigt. Nach dem Auslaufen der Prämie wird dann die Scheinblüte der Umsätze im Eiltempo verwelken, und Opel wird noch stärker unter Druck geraten, wenn all die Tatas und Cherrys aus Indien und China mit ihren 1000-Euro-Autos den Markt erobern werden. Die Leidensphase des Autobauers würde also auch mit einer Rettung nur fortgesetzt.
Zu verteidigen wäre die Staatsaktion, zu der das halbe Kabinett Senf und Segen geben müsste, allenfalls unter einem Aspekt: Eine der deutschen Kernindustrien auf Teufel komm raus international so stark wie möglich erscheinen zu lassen. Denn die Große Krise, die immer stärker aus der Abstraktion der Finanzwelt in die Wirklichkeit der Menschen metastasiert, ist auch das Schlachtfeld um die besten Startpositionen für die Aufteilung der Weltmärkte im dritten Jahrtausend: Wer beherrscht den Automobilmarkt der Zukunft? Wessen Banken werden die Kapitalmärkte dominieren? Bleiben die Hidden Leaders Weltmarktführer? Wer kontrolliert morgen Maschinenbau, Chemie und all die anderen globalisierten Branchen?
Deutschland und Europa hätten gute Chancen, aus dieser Krise im Wortsinne Kapital zu schlagen - theoretisch. Doch die EU leidet unter den Integrationswehen ihrer rasanten Expansion nach Osten und präsentiert sich zerstritten wie eh und je. Eine gemeinsame Verfassung liegt ebenso in weiter Ferne wie eine gemeinsame Außen- oder gar Wirtschafts- und Sozialpolitik. Italien kämpft für Fiat, Frankreich für Peugeot und Renault, England fürchtet um den Finanzplatz London und wehrt sich deshalb gegen europäische Kontrollpläne. Auch das wissen und spüren die Menschen, weshalb sie Anfang Juni wohl nur verhalten an der Wahl des gemeinsamen Parlaments teilnehmen werden.
In der ökonomischen Champions League von morgen und übermorgen dürften vor allem fünf Teams eine gewichtige Rolle spielen: Europa, USA, China, Indien und der Block der Rohstoffbesitzer. Wer beim Kampf um die globale Meisterschaft die Nase vorn haben wird, ist zwar noch nicht ausgemacht. Dass es der alte Kontinent mit seinen kulturellen, historischen und politisch-ökonomischen Differenzen sein wird, ist alles andere als sicher. Gut im Rennen liegen derzeit die Chinesen, die für Opel und andere deutsche Krisenunternehmen mitbieten: Mit rund zweitausend Milliarden Dollar Währungsreserven, gewaltigem Anti-Krisen-Einsatz und immer noch hohen Wachstumsraten ist China bestens gerüstet, jederzeit aufkommende Schwächen der Wettbewerber zu nutzen. Und auch Obama-Land ist noch lange nicht abgeschlagen.
Die Amerikaner sind noch immer Weltmeister in einer Disziplin, auf die es in einer Krise ganz besonders ankommt: Sich selbst neu zu erfinden.
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(sueddeutsche.de/mel/cmat)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Stimmt so nicht. Das finanz- und industriewirtschaftliche Desaster läßt sich nicht im Interesse der Menschen bereinigen, indem man dem freien Spiel der Marktkräfte und Spekulanten einfach freien Lauf lässt.
1. Banken waren der Anfang, nicht Opel. Bürgschaften wirkten kaum stabilisierend, das Risiko, damit findigen Spekulanten, aber nicht der breiten Masse der Geschädigten in die Tasche zu spielen, ist groß.
2. Die kurzatmige, marktverzerrende Abwrackprämie war der 2. Schritt. Die KFZ-Wirtschaft fällt nach dem Strohfeuer in ein umso größeres Loch. Was bleibt? Wohl die Umverlagerung von Steuergeldern von denen, die sich noch nie einen Neu- oder Zweitwagen leisten konnten und denen, die gerade kein neues Auto brauchen, in die Taschen der Zweit- und Neuwagenfahrer, gut situierter Schnäppchenjäger, die die Stütze überwiegend nicht nötig hatten. Nebeneffekt: kurzfristige Stabilisierung spezifischer Arbeitsplätze, dem gegenüber unwirtschaftliche Sonderschichten mit nachfolgender Unterbeschäftigung und Preisverfall bei anderen Kollegen und Abwrackern.
3. Stütze für Opel ist erst der dritte Streich. Auf Deutschland bezogen ist Opel neben Ford Köln der einheimische Hersteller mit der besten Kosten-/Nutzenrelation bei praktischen Fahrzeugen. Fällt Opel weg, wird die Nische nur geringfügig VW zugute kommen bei gleichzeitig sinkender Kaufkraft. Es werden fast nur ausländische Kompaktwagenhersteller profitieren. Global gesehen nicht ungerecht und ok. Für die europäischen Mitarbeiter von Opel und seinen Zulieferern ist es aber fatal. Die Bundesregierung ist nicht die Weltregierung. Sie ist primär ihren eigenen Bürgern im Sinne sozialer Marktwirtschaft verpflichtet. Insofern machen Bürgschaften für Opel Sinn. Arcandor, Schaeffler und Porsche sind ganz anders gelagerte Fälle, zu denen hier nichts gesagt werden muss.
Opel abwracken würde angesichts der bekannten Kurzsichtigkeit der Autobranche wohl bedeuten, dass BMW (nächster Kandidat), VW und Daimler sich auf der damit verbundenen Entspannung der Binnenkonkurrenz erst mal ausruhen, um dann selbst Stütze zu beantragen, statt sich innovativ zu konsolidieren. Erfahrung und Innovationspotential von Opel sollte nicht fahrlässig schlechtgeredet und aufgegeben werden. Konkurrenz fördert Innovation, geschickte Kooperation mit Partnern in Schwellenländern fördert die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer deutschen Schlüsselbranche. Verscherbeln der Opel-Anlagen und Patente nach China bewirkt das Gegenteil.
sie wird noch durch zu billigen Transport künstlich am Leben erhalten, Granit aus China statt aus dem bayerischen Wald, normal bei Obi, ist das nicht irrsinnig? Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Wer glaubt, die bedingungslose Globalisierung sei alternativlos, der hat sich schon aufgegeben. Billigprodukte sind die Droge, der Preis ist die hemmungslose Exportabhängigkeit und der Verlust ganzer Industriezweige. Daß der Westen einen großen Teil seiner Warenproduktion nach Fernost verlagert hat, ist eine ökologische Katastrophe. Die Erdatmophäre wird instabil. Wer immer nur auf den Preis schaut, übersieht die Abgründe. Gestern wurde ich von einem Zokker von Wall Street angerufen, ich sollte 60 000$ auf Yahoo setzen, da es möglicherweise bald von Microsoft übernommen wird. Wollen wir in Zukunft so unser Geld verdienen? Im Casino?
Probleme haben weit vor der Finanz- und Wirtschaftskrise angefangen, diese hat maximal verschärfend gewirkt (in Deutschland wg. Abwrackprämie bislang noch ncihtmal das). Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler und Mitberwerber die Zeche dafür zahlen, dass ein onzern strategische Fehlentscheidungen trifft.
Wäre Opel ein supertolles Unternehmen, das unverschuldet durch die Wirtschaftskrise in Liquiditätsprobleme geraten ist und krufristige Überbrückungshilfen benötigt, wäre die Sachlage eine ganz andere. Sokann man rational allerdings wirklich nur sagen, dass eine Insolvenz volkswirtschaftlich das beste für alle ist.
Das gesparte Geld könnte man dann lieber in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Opel-Arbeitnehmer investieren.
;-) Das geht doch nicht, man muß an allen Denkmälern festhalten. Koste was es wolle.
Wann und bei welchem Hersteller wollen wir aufhören, mit dem Hut rumzugehen?
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