Debatte um deutschen Investmentbanker Wir sind Vatikanbank-Chef

Seit Mai 2012 ist der Chefsessel der Vatikanbank verwaist - bis jetzt.

(Foto: dpa)

Die von Skandalen erschütterte Vatikanbank hatte neun Monate keinen Chef. Jetzt soll die Nominierung eines Deutschen endlich für Ruhe sorgen. Doch sofort muss sich der Vatikan die Frage gefallen lassen, ob Ernst Freiherr von Freyberg etwas mit dem Bau von Kriegsschiffen zu tun hat.

Von Ulrike Sauer

Es ist eine der letzten Entscheidungen von Papst Benedikt XVI: die Ernennung eines neuen Chefs der Vatikanbank IOR, und der kommt - aus Deutschland. Ernst Freiherr von Freyberg, 54, wird nach 267 Tagen Vakanz Nachfolger des geschassten IOR-Chef Ettore Gotti Tedeschi. Seit Mai 2012 war der Posten bei der Skandal-Bank verwaist. Neun Monate hatte es gedauert, nun, ausgerechnet in den bewegten und konfusen Stunden nach dem Abschied des Papstes, ist der richtige Mann für das heikle Amt gefunden.

IOR steht zwar für Istituto per le Opere di Religione (IOR) - auf Deutsch etwa "Institut für die religiösen Werke". Doch die Bank ist seit vielen Jahren in Affären verwickelt. Um die vom Papst gewünschte Öffnung und Reformierung des abgeschotteten Finanzinstituts toben seit langem Grabenkämpfe. Gotti Tedeschi war am 24. Mai 2012, auf dem Höhepunkt der Vatileaks-Affäre, fristlos entlassen worden. Wenige Stunden nach seiner Absetzung kam der Kammerdiener des Papstes hinter Gitter.

Die Begründung für den Rauswurf des Bankers: Er habe "entscheidende Aufgaben seines Amtes nicht ausgeführt". Gegen ihn wird in Italien seit 2010 wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. Wegen Geldwäscheverdachts froren italienische Ermittler zwischenzeitlich sogar Gelder des Geldinstituts ein, die sich auf Konten italienischer Banken befanden. Im Vatikan machte man sich im vergangenen Sommer auf die Suche nach einem Nachfolger. Die Personalberatung Spencer & Stuart aus Frankfurt wurde eingeschaltet. Einige der 40 Kandidaten lud man zum Vorstellungsgespräch nach Rom, andere winkten gleich dankend ab.

Holperige Nominierung

Jetzt fiel die Wahl auf den Investmentbanker Freyberg. Zur holperigen Nominierung sagte Vatikansprecher Federico Lombardi: "Meinungsverschiedenheiten gehören zum Leben. Das heißt aber nicht, dass es Schlachten oder Verschwörungen gibt." Doch Ruhe kehrte im Vatikan auch am Freitag nicht ein, als endlich der Name des neuen IOR-Chefs bekannt gegeben wird.

Der studierte Jurist Freyberg wird als erfahrener Wirtschaftsanwalt und Mitgründer der Finanzberatungsfirma DC Advisory in Frankfurt mit 150 Mitarbeitern vorgestellt. Der praktizierende Katholik aus altem deutschem Adel gehört dem Malteserorden an. Er sitzt im Vorstand der Malteser Deutschland, der die sozialunternehmerischen Aktivitäten des Ordens bündelt. Freyberg organisiert auch Pilgerreisen nach Lourdes.

Freyberg ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Werft bei Blohm + Voss Shipyards, die Anfang 2012 von Thyssen-Krupp an den Finanzinvestor Star Capital verkauft wurde. Kurz danach übernahm Freyberg das Mandat. Diese Tätigkeit sorgte in Rom bereits für Unruhe. Ob das Unternehmen vielleicht auch Kriegsschiffe herstelle?, wurde Vatikan-Sprecher Lombardi gefragt. Ob das nicht im Widerspruch zur Enzyklika "Pacem in terris" stünde? "Ich weiß nicht, ob die auch Kriegsschiffe herstellen, aber gewiss ist die Person kompetent", antwortet er. Dabei ist die Firma mit derzeit noch rund 1200 Mitarbeitern nur im zivilen Schiffbau tätig, produziert unter anderem Yachten. Der militärische Schiffbau ist bei Thyssen-Krupp verblieben.