Dax-Vorstände: Vergütungen Das Versagen der Aufseher

Wieso verdient der eine Dax-Konzernboss zehn Millionen Euro. Und der andere zwei? Die Schwierigkeit des Jobs allein begründet solche Unterschiede nicht. Wohl aber fehlt es manchen Unternehmen an wirksamer Kontrolle.

Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Die Managergehälter sind im vergangenen Jahr um 21 Prozent gestiegen. Im Schnitt verdienten Konzernchefs 4,5 Millionen Euro. Schön für sie. Sie werden sagen, sie hätten auf die Steigerung Anspruch, weil die Gewinne nach der Finanzkrise noch stärker zugenommen hätten. Mancher, der mit weniger auskommen muss, reibt sich die Augen und fragt sich, wieso Lokführer für viel geringere Zuwächse auf die Straße gehen müssen.

Dieser Vergleich ist unfair, lässt sich einwenden. Konzernchefs hätten ganz andere Risiken zu bewältigen, sie müssten komplexere Aufgaben lösen und sie hätten Verantwortung für bis zu 400 000 Mitarbeiter. Das trifft zu. Unternehmenschefs müssen beim Geld anders behandelt werden als Normalverbraucher.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Wieso verdient der eine Dax-Konzernboss zehn Millionen Euro, während der andere sich mit zwei Millionen begnügen muss? Weil das Unternehmen, das er führt, größer ist, wäre eine Antwort. Aber warum verdient der Chef von Daimler das Doppelte wie der von BMW? Beide Unternehmen sind ähnlich groß. Und ist die Deutsche Bank doppelt so schwierig zu führen wie die Allianz? Wohl nicht.

Die Chefgehälter sind in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt erheblich gestiegen. Ein Grund ist, dass die Bezüge, die früher geheim blieben, inzwischen veröffentlicht werden müssen. Diese Vorschrift sollte die Bezüge senken, faktisch nutzte sie mancher Manager zur Erhöhung.

Daraus den Schluss zu ziehen, die Veröffentlichung müsse wieder gestoppt werden, wäre aber falsch. Es fehlt in manchen Unternehmen an der Kontrolle der Bezüge durch die Aufsichtsräte. Wo die versagen, darf sich niemand über unverhältnismäßige Gehälter wundern.