Führungskrise Dax-Konzern Kluge-Abgang stürzt Metro in ein Machtvakuum

Überraschender Rückzug: Metro-Chef Eckhard Cordes ist ohnehin auf dem Absprung - und jetzt geht auch der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Kluge. Wer hat bei dem Dax-Konzern nun das Sagen?

Von Stefan Weber und Karl-Heinz Büschemann

Eben sah er noch aus wie ein Sieger, jetzt geht auch er: Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge, 58, der auch Boss des Metro-Großaktionärs Haniel ist, erklärte am Montag seinen überraschenden Rückzug. Vor wenigen Tagen erst hatte Konzernchef Eckhard Cordes, 60, angekündigt, er werde seinen Vertrag nicht verlängern. Der größte deutschen Handelskonzern Metro steht damit vor einem Machtvakuum.

Kluge will das Mandat im November niederlegen. "Nach den Auseinandersetzungen um die Führung der Metro ist jetzt Zeit für einen echten Neuanfang", erklärte Kluge. Mit seinem Rückzug wolle er dafür sorgen, dass die Sacharbeit an der Spitze des Konzerns wieder in den Mittelpunkt rückt. "Die öffentliche Diskussion hat die Atmosphäre beeinträchtigt. Ich bin davon überzeugt, dass persönliche Befindlichkeiten hinter die Interessen des Unternehmens zurücktreten müssen und möchte mit diesem Schritt neuen Freiraum schaffen", so Kluge. Als Vertreter der Familie Handel, die 34 Prozent hält, soll Franz Markus Haniel in den Aufsichtsrat einziehen, verlautete aus dem Umfeld der Unternehmen.

Der Abgang von Kluge, der erst seit Mai 2010 Aufsichtsratsvorsitzender der Metro ist, bildet den Höhepunkt in einer monatelangen Auseinandersetzung zwischen Teilen des Aufsichtsrats auf einen Seite und Metro-Lenker Eckhard Cordes auf der anderen Seite. Der hatte am Sonntag vergangener Woche nach langen Kontroversen erklärt, er stehe für eine Verlängerung seines Ende Oktober 2012 auslaufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung. In den Wochen zuvor war immer wieder wechselweise mal über einen baldigen Rücktritt Cordes und dann wieder über eine bevorstehende Vertragsverlängerung spekuliert worden. Cordes hatte seinen Rücktritt mit der fehlenden Rückendeckung im Aufsichtsrat begründet.

Zwar hatten die beiden Großaktionäre, neben den Haniels ist dies die Familie Schmidt-Ruthenbeck, sich nach Wochen des Schweigens zu Cordes bekannt. Aber bei einer Probeabstimmung im Personalausschuss der Kontrolleure, dem auch Kluge angehört, hatte es keine Mehrheit für eine Vertragsverlängerung von Cordes gegeben. Vor allem der Haniel-Chef gilt seit langem als Gegner von Cordes. Der Streit begann bereits vor einem Jahr, als Kluge öffentlich erkennen ließ, kein Vertrauen zu Cordes zu haben.

Der Vertrag von Cordes läuft zwar noch gut ein Jahr. Beobachter rechnen aber damit, dass der Ex-Daimler-Manager früher aus dem Amt scheiden wird. Dies vor allem deshalb, weil eine Abstimmung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat schwer möglich schien, so lange Cordes und Kluge an der Spitze der beiden Gremien stehen. Es drohte Stillstand. Und das in einer Zeit, in der bei Metro wichtige Entscheidungen anstehen. Die Verhandlungen über den Verkauf der Töchter Kaufhof und Real laufen. Zudem tobt ein Streit mit dem Altgesellschafter der Eltronikkette Media-Saturn, an der Metro mit 75 Prozent beteiligt ist.

Sind auch seine Tage bei Haniel erzählt?

Kluge kam am 1. Januar 2010 als Vorstandsvorsitzender zu dem traditionsreichen Handelshaus Haniel. Der studierte Physiker war zuvor im Dienst der Unternehmensberatung McKinsey, dessen Deutschland-Chef der eloquente Kluge sieben Jahre lang war. Kluge ist nebenbei Honorarprofessor für Maschinenbau an der Universität Darmstadt.

Die Berufung von Kluge als Chef des Familienunternehmens kam überraschend und es war zu spüren, dass sich der frühere Berater bei dem über 250 Jahre alten Traditionsunternehmen nur mühsam in seine Rolle fand. Kluge musste einerseits die Interessen von über 600 Mitgliedern der Haniel-Familie wahren, andererseits die Beteiligungen managen. Nun muss er seine erste große Niederlage einstecken. Manche fragen sich schon, ob Kluges Tage auch bei Haniel gezählt sind.