Von Caspar Busse

Der ehemalige Wirtschaftsminister Guttenberg hat sich in Davos mit wichtigen Vorstandsvorsitzenden getroffen - und seinem Amtsnachfolger Brüderle die Show gestohlen. Das sorgt für Unmut.

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ist zweifellos ein guter Schifahrer. Kein Wunder, dass er an diesem Sonntag in Davos auch auf der Piste erfolgreich war. Beim traditionellen Schirennen am Weissfluhjoch hoch über Davos-Dorf, bei dem vor allem deutsche Manager ihre Kräfte messen, belegte der 38-Jährige den zweiten Platz, nur noch geschlagen vom Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs.

Guttenberg in Davos

Verteidigungsminister Guttenberg in Davos: Skifahren und wichtige Leute treffen. (© Foto: AFP)

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Selbst bei Guttenbergs Sicherheitsleuten heißt es bewundernd: "Da hat man Mühe, hinterherzukommen." Da sind die Bodyguards nicht allein. Auch mancher Kabinettskollege hat offenbar Probleme bei der Verfolgung des smarten CSU-Verteidigungsministers.

Beim Weltwirtschaftsforum preschte Guttenberg vor und traf sich am Samstag mit führenden deutschen Wirtschaftsvertretern. Und das sorgt nun beim Amtsnachfolger Rainer Brüderle (FDP) für große Verstimmung. Er lade schließlich auch keine Generäle zum Essen ein, wird Brüderle in der Bild am Sonntag zitiert.

Guttenberg kontert das mit Gelassenheit. "Niemand hat Herrn Brüderle gehindert, auch an dem Treffen teilzunehmen", sagte er am Sonntagmorgen. Der Wirtschaftsminister wäre willkommen gewesen. Es bestehe gar kein Grund, nun "die beleidigte Leberwurst" zu spielen.

In der Tat war es ein hochkarätiges Frühstück, das am Samstagmorgen im Davoser Hotel Belvedere im Raum "Lounge East" stattgefunden hatte. "Es waren alle da, nur Herr Ackermann fehlte", berichtete ein Teilnehmer der SZ. Der Chef der Deutschen Bank musste selbst als Teilnehmer auf einer Podiumsveranstaltung sitzen.

Ansonsten war alles da, was Rang und Namen hatte, insgesamt etwa 30 Teilnehmer, eine ganze Reihe von Vorstandsvorsitzenden, etwa Martin Blessing (Commerzbank), Jürgen Grossmann (RWE), Nikolaus von Bomhard (Munich Re), Eckhard Cordes (Metro) und Jürgen Hambrecht (BASF). Knapp zwei Stunden wurde getagt. Es sei vor allem um "sicherheitspolitische Aspekte" gegangen, so Guttenberg - etwa um die Sicherheit wichtiger Ressourcen wie Öl und Gas, um den Schutz von Handelswegen und natürlich auch um Afghanistan.

Trotzdem sieht das Wirtschaftsministerium das Vorgehen Guttenbergs mit Skepsis; die Wirtschaft sei die Kompetenz des Brüderle-Ressorts. Aus dem Berliner Kabinett waren als hochrangige Vertreter nur Guttenberg und Brüderle in Davos anwesend. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte seine Reise kurzfristig abgesagt, der Hubschrauber hätte wegen schlechten Wetters nicht landen können, hieß es. Brüderle nahm an zwei offiziellen Veranstaltungen teil.

"Ansonsten hat man nicht viel vom Wirtschaftsminister gesehen", kritisierte ein Konzernchef in Davos. In einer aktuellen Emnid-Umfrage wird in der Bevölkerung die Arbeit Brüderles von 38 Prozent als schlecht eingeschätzt. Guttenberg dagegen hat 65 Prozent Zustimmung erhalten.

Guttenberg hatte das Treffen von langer Hand geplant. Bereits vor zwei bis drei Wochen wurden die Einladungen verschickt. Offenbar setzt Guttenberg mit dem Treffen auch eine Tradition fort. Ein Konzernchef, der auch dabei war, sagte: "Früher hat die Bundeskanzlerin solche Treffen veranstaltet, wenn sie in Davos war." Guttenberg, bis zur Bundestagswahl selbst Wirtschaftsminister, wies auch Vorwürfe zurück, er könne nicht von seiner alten Betätigung lassen: "Ich habe mich nicht in der politischen Nostalgie der acht Monate des letzten Jahres gesuhlt."

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(SZ vom 01.02.2010/sonn)