Von Ulrich Schäfer

Wer durch das dicke Teilnehmer-Buch des Weltwirtschaftsforums in Davos blättert, erhält Einblick in eine Männerwelt. Frauen sind nur wenige dabei.

Es beginnt bei A mit Ahmed Abaddi, Generalsekretär der Mohammedanischen Liga der Gelehrten aus Marokko, und Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank - und sie endet mit Klaus Zumwinkel, Chef der Deutschen Post, sowie Ariel Zylbersztejn, Geschäftsführer der mexikanischen Kinogesellschaft Cinepop. Nur vereinzelt finden sich zwischen den Gästen in Davos Frauen, die meisten in der Rubrik "Spouses", also begleitende Ehefrauen, einige wenige auch als offizielle Teilnehmer: etwa Vuslat Dogan Sabanci, Vorstandsvorsitzende des türkischen Hurriyet-Verlags, Olga Dergunova, Vorstandsmitglied der russischen Staatsbank VTB, oder EU-Kommissarin Viviane Reding.

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Beim Weltwirtschaftsforum scheinen die Herren die Hosen an zu haben - eine der wenigen Frauen in Davos: Emma Thompson. (© Foto: Reuters)

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Unterm Strich sind gerade einmal 360 der 2700 Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums Frauen, ein Drittel mehr als noch vor sieben Jahren, "aber immer noch zu wenig", befindet Saadia Zahidi, die das Programm für weibliche Führungskräfte organisiert. Allerdings, räumt Zahidi ein, spiegele die Teilnehmerliste letztlich die Machtverhältnisse wider, die in den Unternehmen und in der Politik gelten: Lediglich zwölf der 500 größten Unternehmen der Welt, die das amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune in jedem Jahr auflistet, haben eine Frau als Vorstandsvorsitzende. Nur elf Prozent der Staatschefs oder Ministerpräsidenten sind weiblich, und nur 15 Prozent aller Parlamentsabgeordneten und Angestellter in Ministerien sind Frauen.

Gleichwohl müht sich das Weltwirtschaftsforum seit längerer Zeit, die Zahl der weiblichen Teilnehmer zu erhöhen. So tagt bereits seit Jahren eine Gruppe der "Women Leaders", in der sich die mächtigsten Frauen der Wirtschaftswelt treffen - angeführt von Catherine Kimney, die im Vorstand der New Yorker Börse vertreten ist. Damit die Frauen nicht unter sich bleiben, gibt es in diesem Jahr in Davos ein neues Projekt, an dem je zur Hälfte Männer und Frauen teilnehmen: die "Parity Group", die paritätisch besetzte Gruppe. Zwei Tage werden männliche und weibliche Spitzenkräfte darüber diskutieren, wie Frauen mehr Macht erlangen können.

Bis 2020 sollen es gleich viele Frauen wie Männer sein

Die Mitglieder der Runde sollen sich, so Zahidi, eine Welt vorstellen, in der im Jahr 2020 Männer und Frauen völlig gleichberechtigt sind. Anschließend soll jeder der Teilnehmer erklären, was er getan hat, um diesen Zustand zu erreichen.

Als Leitlinie dient ein bislang weitgehend unbeachteter Bericht, den das Weltwirtschaftsforum im vergangenen Herbst zum zweiten Mal veröffentlich hat: Gender Gap 2007 - hier geht es um Unterschiede zwischen den Geschlechtern in verschiedenen Ländern. Das Papier beschreibt, wie sehr Frauen in 128 Staaten im Hintertreffen liegen. Verfasst haben den Report mehrere Wissenschaftler, darunter auch Lauda Tyson, eine renommierte Professorin der University of California in Berkeley.

Die Experten untersuchten unter anderem, wie groß die Lücke zwischen Männern und Frauen im Erwerbsleben ist: Wie sehr unterscheiden sich die Löhne? Wie viele Frauen haben herausgehobene Stellen oder arbeiten in technischen Berufen? Die Wissenschaftler prüften zudem, wie sehr sich die Ausbildung unterscheidet: Wie viele Mädchen gehen überhaupt zur Schule, können lesen - und wie viele schaffen es bis zur Universität? Als drittes Kriterium nahmen sie die Gesundheit: Wie unterscheidet sich die Lebenserwartung von Männern und Frauen? Der vierte Maßstab schließlich war die Frage, wie sehr Frauen in der Politik engagiert sind.

Schweden liegt vorn

Wenn man all dies berücksichtigt, liegt Schweden ganz vorne im Bemühen, die Lücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Es folgen drei weitere nordische Länder: Norwegen, Finnland und Island. Auf Rang fünf liegt Neuseeland, auf Rang sieben die Philippinen - dann folgt Deutschland noch vor Dänemark, Irland, Spanien, Großbritannien und Italien.

Hierzulande gibt es bei der Ausbildung zwischen Männern und Frauen zwar praktisch keine Unterschiede mehr, wohl aber im Arbeitsleben: Deutschland schneidet hier zwar besser ab als die meisten anderen Länder - gleichwohl verdienen Frauen im Durchschnitt nur zwei Drittel dessen, was Männer bekommen. Ihre Präsenz in Führungspositionen ist gar nur halb so ausgeprägt wie bei Männern. In einem Bereich kommt allerdings kein Land an Deutschland heran: Nirgendwo sonst auf der Welt suchen sich so viele Frauen einen technischen Job.

Deutschland liegt damit weit vor vielen anderen westlichen Nationen: Die Vereinigten Staaten haben es lediglich auf Rang 31 geschafft, die Schweiz auf Rang 40 und Luxemburg sogar nur auf Rang 58. Ganz am Ende der Liste stehen vor allem Staaten aus Afrika, Asien und der arabischen Welt: Marokko, Benin, Saudi-Arabien, Pakistan, Tschad und als Nummer 128 Jemen.

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(SZ vom 25.01.2008/ang)