Mehrere Millionen vertrauliche Datensätze von Mobilfunkkunden sind in fremde Hände geraten - erneut muss sich Obermann entschuldigen.

Nach dem beispiellosen Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten bei T-Mobile hat Telekom-Chef René Obermann die Kunden um Entschuldigung gebeten. "Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen", sagte er der Bild am Sonntag.

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Telekom: "Wir sind bestohlen worden mit einer extrem kriminellen Energie." (© Foto: dpa)

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"Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall. Auch wenn die gestohlenen Daten keine Kontoverbindungen, Kreditkarten-Nummern oder Verbindungsdaten von Kunden enthalten."

Am Samstag hatte die Telekom einen Spiegel-Bericht bestätigt, wonach ihrer Mobilfunksparte T-Mobile vor gut zwei Jahren Daten zu jedem zweiten Kunden entwendet wurden, insgesamt mehr als 17 Millionen.

Auf dem Datenträger finden sich dem Magazin zufolge nicht nur Daten vieler Prominenter aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine große Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern, für die eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen eine Bedrohung ihrer Sicherheit darstellen würde. Daher sei auch das Kanzleramt informiert worden.

Bundeskriminalamt eingeschaltet

Das Bundesinnenministerium habe das Bundeskriminalamt mit der Erstellung einer Gefährdungsanalyse beauftragt, berichtete der Spiegel.

Täter und Hintermänner seien bislang nicht bekannt. Das Bundeskrimininalamt hat die Gefährdungssituation prominenter Politiker und Wirtschaftsführer als Konsequenz aus dem Datendiebstahl neu bewertet.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte, dass in mehreren Fällen Gefährdungsanalysen in Auftrag gegeben worden seien. Die Ergebnisse lägen auch bereits vor. Zu den Schlussfolgerungen des Bundeskriminalamtes und den betroffenen Personenkreis wollte sie keine Angaben machen.

Die Daten wurden laut Telekom bereits 2006 gestohlen. Der Konzern habe den Vorfall damals bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt. Recherchen im Internet und in Datenbörsen hätten der Telekom keine Anhaltspunkte geliefert, dass die Daten im Schwarzmarkt angeboten worden seien, erklärte die Telekom.

Laut Spiegel war das brisante Material schon kurz nach dem Diebstahl bei dubiosen Händlern und anonymen Anbietern im Internet aufgetaucht. Einige von ihnen kämen aus der Porno-Branche - darunter auch ein Erotikunternehmer aus Mainz, dem die Daten angeboten worden seien. Offensichtlich habe sich das Hamburger Nachrichtenmagazin durch Dritte Zugang zu den Daten verschaffen können, hieß es bei der Telekom weiter.

"Wir gingen bisher davon aus, dass diese Daten im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt wurden", erklärte T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm. "Wir haben weder aus unseren Servicebereichen noch sonst Hinweise, dass diese Daten zum Nachteil unserer Kunden genutzt wurden", beschwichtigte er. Die Telekom habe seit 2006 ihre Sicherheitsmechanismen deutlich verstärkt.

Der Konzern bietet T-Mobile-Kunden an, kostenlos ihre Mobilfunknummern ändern zu lassen. Zudem hat der Konzern eine Hotline unter der Nummer 0800 330 034505 eingerichtet.

Telekom-Image durch Spitzelaffäre angekratzt

Der Skandal wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Telekom, deren Image durch die Spitzelaffäre arg angekratzt ist.

Der Bonner Konzern hatte Ende Mai eingeräumt, dass es 2005 und möglicherweise auch 2006 zu Fällen missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen war. Ziel soll es nach Informationen aus dem Konzernumfeld hauptsächlich gewesen sein, Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten auszuspähen, um die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu unterbinden.

Auch damals musste sich Obermann bereits in aller Öffentlichkeit entschuldigen.

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(AFP/AP/dpa/Reuters/buma/hgn)