Im letzten Jahr liefen der Telekom 1,5 Millionen Kunden davon. Telekom-Boss Obermann fürchtet, dass dieser Trend anhält und will nun kräftig gegensteuern.

Der Vorstandschef der Deutschen Telekom, René Obermann, erwartet einen weiteren Rückgang der Kundenzahlen im Festnetzgeschäft.

Bei der Deutschen Telekom dürfte sich 2007 einiges ändern. (© Foto: dpa)

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"Es ist (...) nicht realistisch anzunehmen, dass die Anschlussverluste im Festnetz kurzfristig zu stoppen sind", schreibt Obermann in seinem Neujahrs-Brief an die Mitarbeiter. Die Regulierung sei so ausgerichtet, dass weitere Marktanteile an Wettbewerber abgegeben werden sollten.

Der Kundenabfluss könnte sich nach Angaben von Obermann verstärken. "Dieser Trend kann sich kurzfristig sogar verschärfen, wenn Dienste-Anbieter auf alternative Infrastrukturen ausweichen."

Obermanns Vorgänger, Kai-Uwe Ricke, hatte noch von einer Trendumkehr beim Verlust von Telefonanschlüssen gesprochen. Er hatte dies mit der Einführung von Bündeltarifen (Internet, Telefonie und Medieninhalten) begründet.

Die Festnetzsparte T-Com verlor in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 1,5 Millionen Telefonanschlüsse an die Konkurrenz. Nach der Telekom öffneten andere Unternehmen wie Arcor ihre Netze für Dritte.

Harte Einschnitte geplant

Obermann kündigte in seinem Neujahresgruß harte Einschnitte an. Im Vergleich zu anderen Firmen und Branchen biete der Konzern immer noch "komfortable Rahmenbedingungen und eine gute Bezahlung".

Dies werde nicht so bleiben können, weil die Kosten dringend sinken müssten. Dabei mahnte der neue Konzernchef eine deutliche Steigerung der Produktivität ein.

"Der Markt akzeptiert die hohen Kosten nicht mehr", betonte Obermann. Und so müssten die Beschäftigten von einigen Gewohnheiten Abschied nehmen.

Scharfe Kritik der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft ver.di kritisierte die Äußerungen von Obermann. "Die Telekom ist kein Sanierungsfall, daher sehen wir keinen Ansatz, die Konditionen zu kürzen", sagte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder.

Die Mitarbeiter würden dadurch nicht motiviert. "Einschnitte sind kein guter Vorsatz für das neue Jahr. Obermann verbreitet die alten Ansichten seines Vorgängers."

Der Vorstandschef bekräftigte hingegen das Ziel, möglichst vielen Menschen bei der Telekom langfristig eine Beschäftigungsperspektive zu sichern.

Hoffnung Breitband-Internet

In dem Brief kündigte Obermann an, den Fokus künftig stärker auf das Breitbandgeschäft zu legen. Die größten Anstrengungen werde das Unternehmen auf die Gewinnung von Breitbandanschlüssen und damit verbundenen Diensten richten.

Dies gilt sowohl für das Festnetzgeschäft wie auch für den Mobilfunkbereich. Obermann will die beiden Sparten T-Com und T-Mobile enger miteinander verzahnen, um den Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt besser abfedern zu können.

Den Marktanteil im Breitbandgeschäft will Obermann wieder ausbauen: "Allein im DSL-Retail-Geschäft - also bei unseren direkten Endkundenverträgen - hat sich unser Marktanteil in nur zwei Jahren fast halbiert." Dieser Trend müsse gestoppt werden.

"Den Erfolg im im Festnetzgeschäft messen wir daran, ob und wie schnell wir diesen negativen Trend umkehren können oder nicht", schreibt Obermann. Mit einem verbesserten Service will die Gesellschaft nun gegensteuern.

Bald nur mehr eine Telekom-Marke?

Obermann plant zudem eine Vereinfachung des Markenauftritts. "Es kann nicht sein, dass wir einen wahren Dschungel von T-Marken haben, deren Zusammenspiel aus Sicht der Kunden nicht ersichtlich ist."

Die Werbegelder würden "ineffizient" verwendet, schreibt der Manager. Er deutet damit an, dass die einzelnen Marken T-Mobile, T-Online, T-Com und T-Systems unter dem Konzernnamen Deutsche Telekom zusammengefasst werden könnten.

Die Aktie der Deutschen Telekom notierte zuletzt 0,62 Prozent fester und setzte damit ihren Erholungskurs fort. Seit dem Amtsantritt von Obermann Mitte November hat die T-Aktie deutlich zugelegt.

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(dpa)