Einen kleinen Eindruck von dieser zeitweise wild bewegten Sozialgeschichte vermittelt derzeit eine Ausstellung mit dem Titel "Kohle", die im früheren Bergwerk Reden bei Neunkirchen zu sehen ist. Reden wurde von der Landesregierung und der neugegründeten Gesellschaft Industriekultur Saar zum Zukunftsort deklariert. Die denkmalgeschützten Bauten sind mit dem Landesdenkmalamt, dem Institut für Landeskunde und dem Zentrum für Biodokumentation belegt worden, ein Gewerbepark für Umwelt-Unternehmen ist geplant. Im umliegenden Werksgelände haben Bagger und Planierraupen die Landschaft gründlich umgewühlt.

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Bis Ende 2008 errichtet hier ein Privatinvestor einen Gondwana-Urzeit-Park, der mit gigantischen Imaginationen die dinosaurier-affinen Besuchermassen ins Prähi-storium locken soll. Einen Vorgeschmack davon gibt bei der Kohle-Ausstellung ein rekonstruierter Sumpfwald aus der Zeit vor rund 300 Millionen Jahren, als im Saarland bei tropischen Temperaturen jene Bäume wuchsen, aus denen später die Kohle entstand. Bewegliche Libellen und Echsen wurden von derselben kanadischen Firma geliefert, die schon den Hollywood-Film "Jurassic Park" ausstattete.

Die Zeit nach dem Bergbau hat also im Saarland schon längst begonnen. Wie Reden ist auch das frühere Bergwerk Göttelborn ein Zukunftsort. Auch hier formen Bagger und Raupenschlepper die Erde neu, ihr Röhren und das Stakkato von Presslufthämmern liegt in der Luft. Zu sehen sind Gebäude verschiedenster Epochen, auch aus neuester Zeit. Firmen der Fluid- und Nanotechnologie lassen sich gerade darin nieder, und auf einem langgestreckten Hügel entsteht eines der größten Solarkraftwerke Deutschlands. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hat hier einen Studienort. Sie nennt sich auch University of Applied Sciences.

Natürlich, wer kreativ erscheinen will, wirft heutzutage mit englischen Brocken um sich, und wenn es danach geht, dann hat das Saarland sein Montan-Zeitalter schon weit hinter sich gelassen. Eine goldgeränderte Broschüre der Landesregierung gipfelt in dem Slogan: "Empower Deutschland - Geniales Saarland." Das Motto leitet eine Allianz all jener, die der Innovation verpflichtet sind und die zum Teil schon in elf Arbeitsgruppen über Strategien und Netzwerken gebrütet haben und jetzt bis 2015 das Saarland "zu einer deutschen und europäischen Modellregion" machen sollen, wie Ministerpräsident Müller hofft.

Tausende Arbeitsplätze nach Neugründungen

Tatsächlich ist ein Wandel im Gange, der auch von Außenstehenden wie der Bertelsmann-Stiftung anerkannt wird und das Wirtschaftwachstum kräftig stimuliert. Das Saarland ist Autoland geworden, die Wagenbauer und ihre Zulieferer beschäftigen 23000 Menschen, mehr als vier Mal so viel wie der Bergbau und mehr als doppelt so viel wie die sanierte Stahlindustrie, die wieder bestens floriert. Informations- und Kommunikationstechnologie, Mechatronik und Automatisierung, Nano- und Biotechnologie, Health Care und Logistik sind die neuen Branchen, die hier multiperspektivisch gefördert werden, alles im engsten Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Mehr als 200 Firmen sind in den vergangenen zehn Jahren aus der Saar-Universität heraus gegründet worden, sie bieten 2000 Arbeitsplätze. Saarbrücken ist ein Cluster der IT-Branche geworden, mit dem Deutschen Zentrum für künstliche Intelligenz und zwei Max-Planck-Instituten für Informatik und Software-Entwicklung. Weltweit anerkannte Koryphäen wie die mit Ehrendoktorhüten überhäuften Professoren August-Wilhelm Scheer und Wolfgang Wahlster haben in Saarbrücken ihren Sitz. Und nach der Zahl der Beschäftigten hat die Informatik-Branche mit 5884 gerade den Bergbau überholt.

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