Dalya Husamuldeen Rezepte von früher

Der Name passt: The Chickpea Sisters heißt das Catering-Unternehmen, das die Irakerin und andere Einwanderinnen in London betreiben. Besonders häufig landen Kichererbsen in ihren Töpfen.

Von Björn Finke, London

Der Name passt: The Chickpea Sisters, also die Kichererbsen-Schwestern. Schwestern, weil es eine Gruppe von acht bis 15 Frauen ist, die in London gemeinsam kochen. Und da die Köchinnen aus arabischen und afrikanischen Staaten kommen, landen eben oft Kichererbsen im Topf. Was sie schmoren, brutzeln und backen, essen Gäste auf Feiern und Veranstaltungen, von Hochzeiten über Geburtstage bis hin zu Tagungen. Eine kleine Catering-Firma - betrieben von Geflohenen und Einwanderinnen, die es in den Südwesten der britischen Hauptstadt verschlagen hat.

Dalya Husamuldeen ist eine der Kichererbsen-Schwestern. Die junge Frau kam vor sieben Jahren aus dem Irak, jetzt rückt sie regelmäßig zum Kocheinsatz aus. "Manchmal arbeite ich zweimal die Woche", sagt sie. "Die Geschäfte laufen gut, wir verdienen ordentlich." Eine der Sisters hat die Rolle der Chefin und Organisatorin übernommen. Mit ihr besprechen Kunden, was sie wollen; sie überlegt, wie viele Köchinnen nötig sind, und trommelt ihre Mitstreiterinnen zusammen. Die kochen dann an Ort und Stelle, oder das Essen wird in großen Warmhalte-Wannen geliefert, samt Besteck und Tellern. Die Einnahmen teilen sich die Frauen, von denen keine vorher als Profi-Köchin tätig war: ein willkommener Zuverdienst.

Als sich die Unternehmerinnen zum ersten Mal trafen, ging es jedoch nicht um Kunden und Aufträge. Es ging darum, in der fremden Stadt Kontakte zu anderen Frauen zu knüpfen. Eine Londoner Stiftung mit dem etwas sperrigen Namen Community Action for Refugees and Asylum Seekers (Caras) setzt sich für Flüchtlinge und Asylbewerber ein - und richtet Kochtreffs für Frauen aus. Die bereiten gemeinsam Gerichte zu, tauschen Rezepte aus, reden, essen. Aus einer solchen Kochrunde entwickelte sich der Catering-Betrieb.

Mithilfe der Stiftung besuchten die Frauen Kurse in Lebensmittel-Hygiene und schrieben einen Geschäftsplan. Anfangs kümmerte sich eine Mitarbeiterin von Caras um die Organisation, aber seit einigen Wochen regeln die Kichererbsen-Schwestern ihre Angelegenheiten allein. Dalya Husamuldeen sagt, in der Kochgruppe sei es zu Beginn nur um den Spaß und die Gespräche gegangen. "Es ist manchmal schwer, als Einwanderer in London andere Leute kennenzulernen", klagt sie. "Die Treffen waren eine große Hilfe." Doch nach einem Jahr hätten sich die Frauen gefragt, was als Nächstes kommt, was sie aus dieser Runde machen könnten. Die Antwort war der Catering-Service.

Für Flüchtlinge ist es schwierig, in ihren früheren Berufen Geld zu verdienen. Qualifikationen werden in Großbritannien oft nicht anerkannt, die Sprache ist fremd, die Regeln auf dem Arbeitsmarkt sind es ebenfalls. Mit Freundinnen zu kochen und dafür einige Pfund zu bekommen, ist deshalb keine so schlechte Beschäftigung.

Die Kichererbsen-Schwestern haben ihre Rezepte zusammengetragen; Interessenten können daraus auswählen. Die Gerichte stammen aus dem arabischen Raum und Afrika. Favoriten bei den Kunden seien Falafel, Couscous und Gemüse-Eintöpfe, sagt Husamuldeen. Falafel, also Kichererbsenbällchen, seien auch eins ihrer Lieblingsessen. "Wir müssen aber unser Angebot erweitern", sagt sie. "Es gibt immer noch viele Gerichte, die wir nicht ausprobiert haben." Ordern die Abnehmer vor allem Speisen aus einem Land, etwa Marokko, werden in erster Linie Frauen aus diesem Staat zum Kochen eingeteilt.

Eine der erfahrensten Köchinnen in der Gruppe ist Zahia Kara, die aus Algerien stammt. Sie genießt die Aufgabe - auch wenn es harte Arbeit ist, für Hunderte Menschen zu kochen. "Ab und an stocken unsere Kunden sehr kurzfristig ihre Bestellungen auf", sagt sie. Dann stehe sie auch mal nachts in der Küche und bereite Speisen vor.

Die Schwestern machen sich schon Gedanken über neue Geschäfte: Läuft es weiterhin so gut, könnten sie ihr Essen vielleicht mit einem eigenen Stand auf einem der Londoner Märkte anbieten. Oder in einem kleinen Restaurant. Das aber sind bisher nur Ideen. Konkret plant die Gruppe, etwas zurückzuholen, das verloren gegangen ist: Die Frauen kochen ständig für Kunden, jedoch gar nicht mehr füreinander, so wie am Anfang. Das wollen sie nun wieder beginnen. Es dreht sich eben nicht bloß ums Geld.