Von den Gurten über die Klimaanlagen bis zu den Motoren: Die Krise zwingt Daimler und BMW angeblich zu einer engen Zusammenarbeit. Nur die Ingenieure beider Hersteller sollen noch Widerstand leisten.

Ist doch ohnehin alles dasselbe, werden sich einige schlaue Köpfe bei zwei führenden deutschen Autoherstellern gedacht haben. Ergebnis: Daimler und BMW wollen ihre Bemühungen um eine engere Kooperation verstärken. Die ersten Verträge zwischen den beiden Erzrivalen seien bereits unterschriftsreif, berichtet zumindest die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Bild vergrößern

Alles einerlei: BMW und Daimler planen offenbar eine enge Kooperation. Im Bild: Rückleuchte eines Prototyps des BMW Gran Turismo. (© Foto: Reuters)

Anzeige

Die Frage der Gurtrolle

Jede Art der Kooperation, die der Kunde nicht bemerke und die somit der Akzeptanz der Marke nicht schade, sei denkbar, zitiert das Blatt ranghohe Manager.

Geprüft werde demnach eine Zusammenarbeit auf vielen Gebieten: Der Einkauf könne zusammengelegt werden, da der Kunde sich nicht daran störe, wenn Gurtrollen, Fensterheber oder Klimaanlagen vom selben Zulieferer stammen. Auch die Finanzsparten, für die BMW wie Daimler gerade die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe prüfen, könnten sich verbünden. Sogar bei den Motoren wollen die Firmen zusammenarbeiten, schreibt das Blatt.

Bisher seien die Verhandlungen, die sich seit Monaten hinziehen, von den Eitelkeiten der Techniker auf beiden Seiten gebremst worden, berichtete die FAS weiter. Diesen Widerstand wollten die Vorstände unter dem Eindruck der Krise brechen. So sei bei BMW eine klare Direktive von oben ergangen, die "technikverliebten Nörgler" in die Schranken zu weisen.

"Mit jedem Tag, den die Krise länger dauert, verliert die Zylinder-Fraktion an Rückhalt", wird ein Manager zitiert. Daimler und BMW leiden massiv unter der Finanzkrise. Die Nachfrage ist eingebrochen, beide Unternehmen mussten ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren.

Sparprogramm bei Daimler

Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung aus Unternehmenskreisen plant Daimler zudem ein neues Sparprogramm. Der Autokonzern reagiere damit auf einen massiven Einbruch der Nachfrage und eine deutliche Verschlechterung der Ertragslage, schreibt das Blatt.

Ein Sprecher des Daimler-Konzerns sagte am Samstag: "Wir kommentieren das nicht." Der Sprecher verwies auf die Pressekonferenz am Dienstag in Stuttgart.

Finanzanalysten rechnen mit roten Zahlen im vierten Quartal 2008, heißt es weiter. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung gibt es Überlegungen, die Kurzarbeit bis zum Ende des Jahres zu verlängern und zusätzliche Zwangspausen einzulegen, um die Durststrecke damit zu überbrücken. Bislang ist Kurzarbeit bis Ende März vereinbart, wobei es in den einzelnen Werken recht unterschiedliche Regelungen gibt.

Im Pkw-Bereich soll nach Angaben von Insidern das Tempo bei dem bereits laufenden Effizienzprogramm mit dem Titel "Go for Ten" verschärft werden, schreibt die Zeitung. Dazu würden 35 Arbeitspakete definiert, die dem Vernehmen nach ein jährliches Einsparvolumen von 1,6 Milliarden Euro bringen sollen.

Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass bei der Bilanzpressekonferenz am kommenden Dienstag kein massiver Personalabbau verkündet wird. Weil Entlassungen nach dem Beschäftigungspakt bis Ende 2011 ausgeschlossen sind, müsste Daimler für Abfindungen und Frühpensionierungen viel Geld ausgeben.

Um aber dennoch die Personalkosten zu senken, wird erwogen, die für Mai vorgesehene Lohnerhöhung auf Dezember zu verschieben. Die Arbeitnehmervertreter sollen dies abgelehnt haben, heißt es in dem Bericht. Deutliche Einbußen drohen dem Vernehmen nach bei der Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter. Es soll Pläne geben, sie nicht entsprechend dem Geschäftserfolg des vergangenen Jahres, sondern auf einer reduzierten Basis zu ermitteln. Zudem werde erwogen, sie ganz oder teilweise einzufrieren und erst nächstes oder übernächstes Jahr auszuzahlen. Ähnliches gelte für das Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa/AFP/ddp-bay/jkr)