Die Durststrecke bei Daimler reißt tiefe Löcher in die Kassen vieler Städte. Besonders im schwäbischen Sindelfingen ist das Wehklagen groß - die Verwaltung greift zu drastischen Maßnahmen.
Wenn Daimler hustet, dann hat die Region Stuttgart eine Grippe - so heißt es in Schwaben. Nun hustet Daimler ziemlich gewaltig und daher wäre es deutlich untertrieben, die finanzielle Situation der nahe an Stuttgart gelegenen Stadt Sindelfingen mit einer Grippe zu vergleichen. Der Gesundheitszustand, sprich die Haushaltslage, ist beängstigend. Denn Gewerbesteuerrückzahlungen an Daimler in Höhe von fast 37 Millionen Euro bringen den Stadtkämmerer ziemlich in die Bredouille.
Produktion der Mercedes-C-Klasse in Sindelfingen: Hohe Gewerbesteuerrückzahlungen bringen die Stadt in Not. (© Foto: dpa)
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Nun sei der Haushaltsentwurf "ein Werk für den Papierkorb", teilte die Stadt mit. Der Haushalt sei nicht genehmigungsfähig - und, noch schlimmer: Mit sofortiger Wirkung gelte eine Haushalts- und Stellenbesetzungssperre.
In Sindelfingen ist die größte Auto-Produktionsanlage von Mercedes-Benz angesiedelt. Rund 36.000 Menschen arbeiten hier für Daimler - nur in letzter Zeit sind sie nicht mehr ausgelastet. Schon das Geschäftsergebnis für 2008 zeigt: Der Konzern hat im vergangenen Jahr einen Einbruch beim Nettogewinn um zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro verzeichnet. Aus steuerlicher Sicht sei am Produktionsstandort Sindelfingen im vergangenen Jahr kein Gewinn angefallen, erläuterte die Stadtverwaltung. Die geleisteten Vorauszahlungen auf die Gewerbesteuer könnten daher zurückgefordert werden.
Gewerbesteuereinnahmen auf "historischem Tiefstand"
Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind nach Angaben der Stadtverwaltung damit auf einen "historischen Tiefstand" gefallen. Im laufenden Haushalt ergebe sich nun erstmals "ein negativer Planansatz". Für 2009 sind demnach schon Rückzahlungen aus zuviel gezahlter Gewerbesteuer in Höhe von elf Millionen Euro absehbar, die den Haushalt belasten. Die Kommune hatte ursprünglich für 2008 mit Einnahmen aus Gewerbesteuer in Höhe von 44 Millionen Euro geplant, wegen des Abschwungs zuletzt jedoch schon Rückzahlungen in Höhe von insgesamt elf Millionen Euro einkalkuliert.
Tatsächlich fallen die Rückzahlungen nun mehr als dreimal so hoch aus. In Spitzenzeiten dagegen hatte das Gewerbesteueraufkommen der rund 60.000-Einwohner-Gemeinde fast 140 Millionen Euro erreicht. 2008 hatte der gesamte Stadthaushalt ein Volumen von 187 Millionen Euro.
Außer Sindelfingen sind nach Daimler-Angaben auch die übrigen 13 deutschen Daimler-Produktionsstandorte wie Stuttgart, Rastatt, Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Bremen von Gewerbesteuerrückzahlungen betroffen. Zur Höhe der Erstattungen für das abgelaufene Jahr wollte sich Daimler nicht äußern. Es sei bereits absehbar, "dass wir auch für 2009 keine Gewerbesteuern zahlen werden", sagte eine Sprecherin.
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(sueddeutsche.de/Reuters/tob/mel)
Jugenddialekt Kiezdeutsch
Es geht nicht um die Körperschaftssteuer, sondern um die Gewerbesteuer. Und das ist eine besondere Baustelle. Manche Steuerberater nennen sie Blackbox mit eingebautem Zufallsgenerator, obwohl sie eine goldene Nase daran verdienen.
Nun einige Details zu diesem Thema. Da die Gewerbesteuer nicht dem Bund sondern der jeweiligigen Gemeinde zusteht, gibt es eine sogenannte Zerlegungserklärung zur Gewerbesteuererklärung. Mit Hilfe dieser Zerlegungserkklärung wird nach einem mehrere hundert Seiten starken Regelwerk bestehend aus Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und Gerichtsurteilen der der Gewerbeertrag ermittelt, welcher juristisch nichts mit dem zu versteuernden Gewinn zu tun hat.
Und wenn diese mühselige Berechnung ergibt das an einem bestimmten Standort kein Gewerbeertrag angefallen ist, schaut die Gemeinde in die Röhre.
Ein Unternehmen kann aber durchaus Umsatzsteuer einnehmen und Zahlen und das dann verrechnen. Daher muß das Unternehmen zuviel eingenommene Umsatzsteuer abführen (oder was zurückkriegen). IMO ist diesbezüglich aber nur vom Netto-Umsatz die Rede. Ansonsten dürftest Du mit "Netto" = "nach Steuern" Recht haben.
netto = gewinn(größe) nach steuern. durch das abziehen von betriebsausgaben kommt man zu den einkünften resp. zur bemessungsgrundlage.
ein unternehmen zahlt keine umsatzsteuer - das machen die konsumenten!
die einheitsbilanz ist sicherlich wünschenswert. letztlich muss man mittlerweile zwischen hgb-bilanz, ifrs-bilanz, steuerbilanz und konzernabschluss unterscheiden. mit allen abschlüssen sind somit auch unterschiedliche gewinnausweise verbunden, was übrigens viele journalisten nicht kennen - und auch die analysten!
mfg,
j.
netto: ohne Umsatzsteuer und nach Abzug aller absetzbaren Ausgaben
vor Steuern: davon gehen dann noch die Steuern ab
Das entspricht sozusagen dem "zu versteuernden Einkommen" eines Arbeitnehmers auf dem Steuerbescheid.
Vielleicht sollte man die Steuern eher an der Ausschüttungsbilanz festmachen. Oder aber einfach verlangen, daß beide identisch sind.
"netto vor steuern"!? das müssen sie mal erläutern ...
man muss darüber hinaus zwischen einer ausschüttungsbilanz (hauptversammlung) und einer steuerbilanz (die nicht veröffentlicht wird) unterscheiden.
freundlichst,
j.
Paging