Ist es nur ein Gerücht, oder steckt mehr dahinter? Die Stuttgarter Landesregierung erwägt offenbar den Einstieg eines Investors bei Daimler: Milliardäre und potente Mittelständler gibt's im "Ländle" ja genug.
Lange Zeit wusste man in Stuttgart, dass der wahre Oberbürgermeister nicht im Rathaus sitzt, sondern in der Konzernzentrale von Daimler. Dort, wo entschieden wird, ob die Stuttgarter bei Mercedes am Band stehen oder auf der Straße.
Autoproduktion bei Daimler in Sindelfingen: Zahlungskräftige Investoren aus dem schwäbischen Herzland wären derzeit wohl gern gesehen. (© Foto: dpa)
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Auch im Vergleich zum Ministerpräsidenten schienen die Vorhaben der Konzernlenker von Edzard Reuter bis Dieter Zetsche für das Land oft entscheidender zu sein als die der Politik. Das Verhältnis könnte sich nun ein wenig ändern.
Mit der weltweiten Wirtschaftskrise gerät der Absatz von Daimler ins Stocken, der Börsenkurs sinkt seit langem. Das einst stolze Unternehmen ist zum Spottpreis zu haben, der Börsenwert liegt derzeit bei schlappen 27 Milliarden Euro.
Nie schien die Gelegenheit günstiger
Daimler-Chef Dieter Zetsche ist seit langem auf der Suche nach einem Großinvestor, der dem Konzern Sicherheit gibt. Fündig wurde er bisher nicht. Seit Jahren macht sich Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) deshalb Sorgen, dass ein ungebetener ausländischer Investor kommen und die Macht in Untertürkheim übernehmen könnte.
Und nie schien die Gelegenheit günstiger, um zu handeln. Die Daimler-Aktien sind preiswert, die Einstellung zu wirtschaftlichen Eingriffen des Staates hat sich dramatisch verändert. Ob er denn ausschließen könne, dass sich das Land Baden-Württemberg direkt oder indirekt an Daimler beteilige, wurde Oettinger diese Woche gefragt.
Normalerweise flüchten sich Politiker an dieser Stelle ins Ungefähre. Oettinger sagte aber: "Nein", er wolle eine Beteiligung nicht ausschließen. "Betonung auf indirekt", fügte er noch hinzu.
Nun wird in Baden-Württemberg natürlich spekuliert, wie ernst das zu nehmen ist? Ob Oettinger es nicht ausschließen wollte, weil man im Leben wenig ausschließen kann? Oder ob da hinter den Kulissen eine Sensation eingefädelt wird?
Oettinger, so viel kann man sagen, hat in der Vergangenheit schon gezeigt, dass er einer Industriepolitik im Landesinteresse nicht abgeneigt ist. Als die französische EdF die Mehrheit am Stromkonzern EnBW übernehmen wollte, organisierte der Regierungschef den Widerstand, letztlich kauften die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke zusätzliche Anteile und verhinderten die französische Übermacht.
Auch bei Daimler würde Oettinger wohl eher die Rolle eines Moderators übernehmen. Nach gegenwärtigem Börsenkurs bräuchte es sieben Milliarden Euro für eine Sperrminorität von 25 Prozent der Aktien.
Für eine direkte Beteiligung über den Landeshaushalt fehlt das Geld. Indirekt könnte es über die Landesbank Baden-Württemberg gehen, das Institut hat aber mit den Folgen der Finanzkrise wohl genug zu tun.
Etwas Geld durchaus übrig
Mehr Chancen hätte eine privatwirtschaftliche Lösung, die der Staat nur organisiert. Es gibt in Baden-Württemberg viele Autozulieferer, die sich in Familien- oder Stiftungsbesitz befinden und durchaus etwas Geld übrig haben, auch wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert.
Ihnen könnte daran gelegen sein, dass einer ihrer Hauptabnehmer nicht an einen ausländischen Investor fällt. Dazu gibt es eine Menge Milliardäre im Land, die auch etwas geben könnten. Ein paar Milliarden kämen schnell zusammen. Den Status eines charmanten Gerüchtes hat diese Variante aber wohl noch nicht verlassen.
"Ich gehe davon aus, dass der Vorstand mit dem Ankauf eigener Aktien und mit einer im nächsten Jahr eintretenden Erholung des Börsenwertes Gefahren vermeiden wird", sagt Oettinger zur aktuellen Situation bei Daimler. Und wenn dies dem Konzern nicht gelingt? "Sollten sich andere Entwicklungen ergeben: Wiedervorlage."
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(SZ vom 06.11.2008/pak)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Ist ja mal wieder typisch für Deutschland: Machste was, isses nix - machste nix, isses auch nix. Irgendjemand wird ja immer etwas zum rummäckeln haben.
Mal in Relation gesetzt: Würde irgendsoein Hedgefond bei dem aktuell doch sehr günstigen Börsenwert zugreifen, hätte dies wohl ungeahnte Folgen nicht nur für die Daimler-Beschäftigten, sondern vielmehr auch auf die Zulieferer, lokale Firmen etc. pp. Ganz zu schweigen von einem Imageverlust für´s "Ländle", wenn der Vorzeigeautobauer von irgendeiner Heuschrecke kontrolliert werden würde.
Dieses Vorhaben also nur auf die Machtbesessenheit unserer Politiker zu schieben, ist also wohl ein bisschen arg engstirnig. Viele Leute werden es Herr Oettinger danken, wenn die Beteiligung eines Hedgefonds abgewehrt wird. Und zwar nicht (nur) die Manager, sondern viele Leute wie Sie und ich... Darüber schon einmal nachgedacht????
Ja, Ja so ist er der Kapitalismuss, jetzt wo es eng wird werden die Nutznieser und Prodagonisten zu Hosenscheisern. Speziell im Schwabenland wo ja die Konservervativen
eine Schicksalsgemeinschaft mit Mercedes u. Porsche zu sein Glauben. Hier wird eben
mal kurz die sogenannte freie Marktwirtschaft etwas modifiziert, aber nur nur wenn es den
großen Unternehmemen nutzt, ach wie verlogen ist diese ganze Politikerkaste eigentlich?
Doch denkt daran, wenn der eigentliche Souverän,der Wähler mal erwcht, dann kann
sich auch hier mal was ändern, was dann Ihr Mächtigen ? Denk daran es ist alles nur geliehen, auch die Macht.
Zitat: "Die Stuttgarter Landesregierung erwägt offenbar den Einstieg eines Investors bei Daimler"
Eine völlig neue Form der Beteiligung oder nur die übliche Unkenntnis der beteiligten SZ-Redakteure ?
Daimler ist ein börsennotierter Konzern und der Besitz von Aktien verbrieft einen Anteil an dieser Firma. Beim Anhäufen von Aktien gibt es auch Meldepflichten. Das mußte Porsche bei VW schmerzlich erfahren.
Die leere Kasse bei Daimler hat aber weniger Zschtsche als vielmehr der immer noch hochgelobte Reuter und sein Ziehsohn Schrempp zu verantworten. Durch ihre sinnlosen Abenteuer wurden Milliarden vernichtet, die jetzt fehlen!