Einst ein deutscher Vorzeigekonzern, nun ein Krisenfall: Die Absatzkrise der Autobranche verhagelt Daimler die Bilanz. Den schwäbischen Sparern schmelzen die Milliarden weg.
Deutschland war einmal stolz auf Daimler. Was gut ist für Daimler, ist gut für die Republik, hieß es - und so nahm sich der Stuttgarter Konzern beispielsweise vor 20 Jahren die Neuordnung der nationalen Luftfahrtindustrie vor.
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Autos für die Halde: Daimler bekommt für seine Limousinen inzwischen nicht mehr genügend Cash. (© Foto: dpa)
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Dann wollte der Traditionsautobauer in einer Welt AG global zeigen, dass der Stern strahlt und glänzt. Inzwischen glänzen im einst stolzen Daimler-Konzern vielleicht noch die Felgen, ganz sicher aber nicht mehr die Geschäftszahlen. Das Kerngeschäft mit Mercedes rutschte im Schlussquartal 2008 sogar in die roten Zahlen.
Dass der Gesamtgewinn um 60 Prozent eingebrochen ist, können auch hartgesottene Fans des Konzerns schwer verstehen. Verhagelt wurde das Daimler-Ergebnis vor allem durch das letzte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres. Der Einbruch an der Absatzfront ist so scharf, dass die eigenen Prognosen verfehlt wurden: Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ein Betriebsgewinn von 7,7 Milliarden Euro angepeilt - nun wurden es kümmerliche 2,7 Milliarden. Selbst die größten Pessimisten hatten mit mehr als vier Milliarden gerechnet.
Dabei beginnt die Wirtschaftskrise gerade erst, sich richtig auszuwirken. Da hat Daimler auf weitere Unfälle mit eigenen Prognosen keine Lust mehr - und verzichtet für 2009 auf einen konkreten Ausblick. Es ist eine Vollbremsung bei Nebel.
Die jetzt publizierten verheerenden Zahlen kommen zwar großteils durch eine einmalige Milliardenabschreibung auf den eigenen verbliebenen 20-Prozent-Anteil am insolvenzbedrohten US-Autokonzern Chrysler zustande - doch damit ist Daimler bei weitem noch nicht alle Risiken los.
Der Daimler-Vorstand weiß das nur zu genau. Der Konzern sucht Hoffnung - und gab in der vergangenen Woche bekannt, dass der einst vom Hof gejagte Star-Manager Wolfgang Bernhard zurückkehren werde. Zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz sickerte durch, dass die Zusammenarbeit mit BMW in großem Stil ausgebaut werden soll.
Vorstandschef Dieter Zetsche ("Dr. Z.") präsentiert sich ganz als anpackender Manager. Das Pkw-Effizienzprogramm "Go for Ten" wird verschärft, die Boni für die Beschäftigten und die Dividenden für die Aktionäre werden massiv gekürzt; das zusätzliche Einsparvolumen könnte sich auf 1,6 Milliarden Euro summieren. Dr. Z. selbst sieht ein Sparpotenzial von mehreren Milliarden Euro für 2009.
Stolze Zahlen. Und doch: Bei einer gravierenden Verschärfung der Krise könnten sie längst nicht ausreichend sein - dazu hat Daimler inzwischen viel zu viele Risikostellen. Leasingflotte, die Werke und das Händlernetz könnten sich als notorische Kostgänger erweisen.
Mit Argusaugen schauen die Beobachter daher auf die Nettoliquidität des einstigen Vorzeigekonzerns. Zum Ende des dritten Quartals war Daimler mit 6,7 Milliarden Euro noch recht solide - nur drei Monate später ist die Barschaft auf nur noch 3,1 Milliarden Euro geschrumpft.
Ohne Moos nichts los: Auch den sparsamen Schwaben fehlt es in der Wirtschaftskrise an Milliarden. Dr. Z. muss die Pannen-Warndreiecke aufstellen - wenn er seinen Job noch lange hat.
(sueddeutsche.de/mel/jja)
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Die Modellpolitik von MB ist in der Tat ein bisschen seltsam: In der SUV-Kategorie die ja hier in den USA eines der wichtigsten Segmente ist, bietet MB gleich 5 verschiedene Klassen an: GLK, GL, G, M und R. BMW kommt da mit 2.5 Klassen aus: X3, X5 und X6. Dazu kommt noch dass der GLK mindestens 3 Jahre zu spaet kommt, genau wie der GL. Und die R-Klasse war ein Flop mit Ansage.
Dazu noch die verwirrende Coupe-Politik: CLK, CL, CLS, SLK etc. Da ist BMW wiederum viel besser aufgestellt: 1er, 3er, und 6er.
Das zusammen mit den ueblen Qualitaetsproblemen vor allem bei der M und E-Klasse in der Vergangenheit sind keine guten Voraussetznungen fuer 2009 ff.
Falls es MB nicht gelingt mit der neuen C-Klasse und der naechsten E-Klasse zu punkten sieht es schlecht aus.
Ohne jetzt in der Vergangenheit herumrühren zu wollen - sie war beileibe kein Ruhmesblatt für den Konzern - war man doch etwas zu überheblich und hat diverse Forderungen und Zusagen ( CO 2 Ausstoß) nicht ernst genommen und hat sich zu sehr auf seine Lobby-Arbeit verlassen. Zu hämischem Grinsen und Schadenfreude gibt es indes keinen Anlass! Das entschuldigt natürlich nicht allein die Absatzkrise, dass wäre zu simpel, aber man hat wertvolle Zeit vertrödelt. So gesehen hat man sehr viele Baustellen; manche davon sehr klein und unscheinbar. Alle zusammen legen aber offen, was dringend zu passieren hat. Um gestärkt aus der Krise herauszukommen, scheint Z. erkannt zu haben, dass Innovationen angesagt sind. Andererseits kann er nicht darauf hoffen, dass Cerberus so ohne weiteres die restlichen Chrysler-Anteile übernehmen wird, steht dieses obendrein kurz vor der Pleite.
Zitat: "dazu hat Daimler inzwischen viel zu viele Risikostellen. Leasingflotte, die Werke und das Händlernetz könnten sich als notorische Kostgänger erweisen."
Aha. Da haben wir wieder das platte Analystengeschwurbel -- von der SZ hätte ich mehr erwartet. Aber gut, dann erkläre ich es noch mal: In den Werken ("Kostgänger") werden Autos gebaut, die verkaufen die Händler (auch "Kostgänger" genannt). Autos bauen ist etwas produktives, Menschen schaffen Werte. Von Bestand, zum Anfassen. Auf den produzierten Gütern basiert unser gesamter Wohlstand!
Aber am besten stampfen wir das alles ein, gehen zurück in die Höhlen und freuen uns, dass man Geld bei der Bank anlegen kann. Man kann zwar nichts mehr dafür kaufen, aber wir füttern wenigstens keine "Kostgänger" mehr durch...
Klar ist das immer noch ein Gewinn, wenn auch nicht mehr so hoch.
Allerdings muss man berücksichtigen, daß Daimler ein schlechtes 4. Quartal hat, ca. 25% weniger Autos verkauft, die ersten 3 Quartale waren dagegen gut.
Der Januar auch mit ca. 20% Einbußen sehr schlecht,
Das heißt aber auch, wenn im Jahre 2009 20 % weniger Autos verkauft werden, bedeutet daß Entlassungen bei Daimler, in der Zulieferindustrie, in der chemischen Industrie, bei Stahlherstellern.
Also so toll ist der Ausblick nun doch nicht, auch wenn man für 2008 noch einen Gewinn erwirtschaftet hat.
Es ist ja auch erst 14 Jahre her, dass sich die deutsche Automobilindustrie durch Selbstverpflichtungserklärung dazu durch gerungen hatte, ihre Neuwagen mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 140 g/km bauen zu wollen. Auch stagnieren die Realeinkommen der Mittelschicht erst seit knappen 10 Jahren, währenddessen vor allem die deutschen Autos immer premiumer und teurer geworden sind.
Ja. Es braucht schon so seine 5 Jahre, bis ein Fahrzeug neu entwickelt ist. Es konnte nun wirklich kein einziger verantwortlicher deutscher Autobauervorstand ahnen, dass die Zeit so schnell verfliegt. Und dass die Liebe der Mittelschichtendeutschen zum immer kostspieligeren Mittelschichtenstatussymbol schwinden könnte, sowas war vor allem unter Einkommensaspekten überhaupt nicht vorherzusehen. Und schon gar nicht von unseren lobbymächtigen Autobauereliten, diesen Nieten.
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