Ein Kommentar von Paul Katzenberger

Einst ein deutscher Vorzeigekonzern, nun ein Krisenfall: Die Absatzkrise der Autobranche verhagelt Daimler die Bilanz. Den schwäbischen Sparern schmelzen die Milliarden weg.

Deutschland war einmal stolz auf Daimler. Was gut ist für Daimler, ist gut für die Republik, hieß es - und so nahm sich der Stuttgarter Konzern beispielsweise vor 20 Jahren die Neuordnung der nationalen Luftfahrtindustrie vor.

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Autos für die Halde: Daimler bekommt für seine Limousinen inzwischen nicht mehr genügend Cash. (© Foto: dpa)

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Dann wollte der Traditionsautobauer in einer Welt AG global zeigen, dass der Stern strahlt und glänzt. Inzwischen glänzen im einst stolzen Daimler-Konzern vielleicht noch die Felgen, ganz sicher aber nicht mehr die Geschäftszahlen. Das Kerngeschäft mit Mercedes rutschte im Schlussquartal 2008 sogar in die roten Zahlen.

Dass der Gesamtgewinn um 60 Prozent eingebrochen ist, können auch hartgesottene Fans des Konzerns schwer verstehen. Verhagelt wurde das Daimler-Ergebnis vor allem durch das letzte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres. Der Einbruch an der Absatzfront ist so scharf, dass die eigenen Prognosen verfehlt wurden: Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ein Betriebsgewinn von 7,7 Milliarden Euro angepeilt - nun wurden es kümmerliche 2,7 Milliarden. Selbst die größten Pessimisten hatten mit mehr als vier Milliarden gerechnet.

Dabei beginnt die Wirtschaftskrise gerade erst, sich richtig auszuwirken. Da hat Daimler auf weitere Unfälle mit eigenen Prognosen keine Lust mehr - und verzichtet für 2009 auf einen konkreten Ausblick. Es ist eine Vollbremsung bei Nebel.

Die jetzt publizierten verheerenden Zahlen kommen zwar großteils durch eine einmalige Milliardenabschreibung auf den eigenen verbliebenen 20-Prozent-Anteil am insolvenzbedrohten US-Autokonzern Chrysler zustande - doch damit ist Daimler bei weitem noch nicht alle Risiken los.

Der Daimler-Vorstand weiß das nur zu genau. Der Konzern sucht Hoffnung - und gab in der vergangenen Woche bekannt, dass der einst vom Hof gejagte Star-Manager Wolfgang Bernhard zurückkehren werde. Zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz sickerte durch, dass die Zusammenarbeit mit BMW in großem Stil ausgebaut werden soll.

Vorstandschef Dieter Zetsche ("Dr. Z.") präsentiert sich ganz als anpackender Manager. Das Pkw-Effizienzprogramm "Go for Ten" wird verschärft, die Boni für die Beschäftigten und die Dividenden für die Aktionäre werden massiv gekürzt; das zusätzliche Einsparvolumen könnte sich auf 1,6 Milliarden Euro summieren. Dr. Z. selbst sieht ein Sparpotenzial von mehreren Milliarden Euro für 2009.

Stolze Zahlen. Und doch: Bei einer gravierenden Verschärfung der Krise könnten sie längst nicht ausreichend sein - dazu hat Daimler inzwischen viel zu viele Risikostellen. Leasingflotte, die Werke und das Händlernetz könnten sich als notorische Kostgänger erweisen.

Mit Argusaugen schauen die Beobachter daher auf die Nettoliquidität des einstigen Vorzeigekonzerns. Zum Ende des dritten Quartals war Daimler mit 6,7 Milliarden Euro noch recht solide - nur drei Monate später ist die Barschaft auf nur noch 3,1 Milliarden Euro geschrumpft.

Ohne Moos nichts los: Auch den sparsamen Schwaben fehlt es in der Wirtschaftskrise an Milliarden. Dr. Z. muss die Pannen-Warndreiecke aufstellen - wenn er seinen Job noch lange hat.

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(sueddeutsche.de/mel/jja)