Daimler-Chef Zetsche schwört die Aktionäre mit einer Blut-, Schweiß- und Tränenrede auf harte Zeiten ein. Erstmals spricht er öffentlich das hässliche E-Wort aus - E wie Entlassungen.
Noch vor dem obligatorischen Totengedenken gibt es den ersten Zwischenruf bei der Daimler-Hauptversammlung im Berliner Congress Centrum. "Das stimmt doch gar nicht", tönt es aus der Tiefe des Saales mit mehr als 6000 Aktionären, als Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff auf die Notwendigkeit der Sicherheitskontrollen an den Eingängen hinweist.
Dieter Zetsche stellt sich in Berlin den Daimler-Aktionären. (© Foto: ddp)
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Der aus früheren Hauptversammlungen bereits bekannte Zwischenrufer im hellbraunen Sommeranzug hat zwar mit der Berliner Rimini-Theatergruppe nichts zu tun, die sich eingeschleust hatte, um die Aktionärsversammlung als Machtinszenierung zu entlarven. Doch wegen der angekündigten Umgestaltung der Versammlung in ein Bühnenspektakel macht Bischoff vorab eines deutlich: "Sie befinden sich hier auf der Eigentümerversammlung eines der bedeutendsten industriellen Unternehmen unseres Landes. Das ist hier weder ein Schauspiel noch ein Theaterstück."
Auf der Bühne mit dem dunkelblauen Hintergrund stehen in Hellblau eine Limousine und ein Sportcoupe der neuen E-Klasse. Das ist die wirtschaftlich wichtigste Baureihe bei Mercedes, deren neues Modell in diesem Jahr dafür sorgen muss, dass der Aktienkurs von Daimler nicht noch einmal um fast 60 Prozent abrutscht, so wie im vorigen Jahr.
Stiller Protest
Für Sicherheit und optische Reinheit wird umfassend gesorgt. Ein Wächter mit Knopf im Ohr bittet im Foyer einen Jungaktionär, doch sein T-Shirt auszuziehen, das dieser darauf hin artig mit seiner Jacke zudeckt. Auf dem Shirt: Dieter Zetsches Konterfei unter der Frage: "Kennen Sie Deutschlands größten Waffenhändler?" Eine Anspielung auf die 22 Prozent Anteile, die Daimler immer noch am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hält.
Zetsche indessen verliert kein Wort über Waffen, dafür umso mehr über Autos. Eine Art kleiner Blut-, Schweiß- und Tränenrede hat er für die Aktionäre parat, mit Einsprengseln von Hoffnungsschimmern. Und erstmals nimmt Zetsche das hässliche E-Wort in den Mund: Zum einen käme Daimler ohne einen substanziellen Lohnverzichtsbeitrag der Belegschaft nicht heil durch dieses Krisenjahr 2009, zum anderen aber stellte er in Aussicht, "dass wir im äußersten Fall auch Entlassungen nicht ausschließen können, wenn die Krisendynamik anhält". Das Daimler-Mananagement werde nicht zulassen, dass ein Unternehmen gefährdet wird, "dessen Marken und Produkte weltweit als Aushängeschild der deutschen Industrie gelten", sagt Zetsche.
Im Wettlauf um die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe werde Daimler trotz der Krise Gas geben. "Eiserne Kostendisziplin ist in der Automobilindustrie heute zwar eine notwendige Bedingung zum Überleben der Gegenwart", sagt Zetsche. "Wer aber zulässt, dass der Rotstift an die Stelle strategischer Planung tritt, gefährdet seine Zukunft."
Daimler wolle bei "grüner" Technologie und alternativen Antriebstechniken an der Spitze der Bewegung vom Öl- zum Nach-Öl-Zeitalter fahren und dem Motto folgen, das Bundespräsident Horst Köhler kürzlich so formulierte: Es reiche nicht mehr, dass Deutschland die besten Autos der Welt baue, es müssten auch die besten Autos der Zukunft der Welt sein.
Verluste schon eingeplant
Vorerst stellt sich der Stuttgarter Autokonzern jedoch auf weitere herbe Einbrüche in diesem Jahr ein, das erste Quartal, so Zetsche, werde wohl "deutlich negativ" ausfallen - also mit einem Verlust. Die Talsohle der weltweiten Automobilkrise werde wohl nicht vor der Jahresmitte durchschritten sein, wenn überhaupt.
Aber der Daimler-Chef räumt auch eigene Versäumnisse ein, nicht rechtzeitig auf den heftigen Einbruch der Autokonjunktur reagiert zu haben: "Ich gebe zu, im Nachhinein würden wir uns wünschen, wir hätten Mitte letzten Jahres sogar noch früher gebremst", sagt er selbstkritisch. Das heißt, Daimler hat zu viele Autos auf Halde produziert. In der Verwaltung sollen die Kosten im laufenden Jahr noch einmal um 500 Millionen Euro gedrückt werden. So habe das Unternehmen auch bei Dienstreisen und Beraterkosten den Sparkurs "nochmals drastisch verschärft", sagt Zetsche.
Auch die Aktionäre sollen sich mit einer von 2,00 Euro auf 0,60 Euro gekappten Dividende zufriedengeben.
Den Posten des Strategievorstands wird der Konzern nach dem Wechsel von Rüdiger Grube auf den Chefsessel der Deutschen Bahn einsparen. Die Aufgaben werden künftig auf Zetsche, Finanzvorstand Bodo Uebber und den neuen Personalvorstand Wilfried Porth verteilt. Um die Bilanz zu entlasten, soll außerdem die Zahl der auf Halde produzierten Fahrzeuge nach und nach zurückgefahren werden.
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(SZ vom 9.4.2009/mel)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Wer in der Ingolstädter Gegend unterwegs ist, sieht auf dem freien Feld massenweise neue Audi-Fahrzeuge rumstehen. Zetsche will nun - im Rahmen der Wirtschaftskrise - die zuvor von Daimler produzierten Halden an Neufahrzeugen abbauen.
Deswegen meine Frage an die Kundigen unter uns:
Wir wirkt es sich bilanziell bzw. in der Gewinn- und Verlustrechung aus, wenn man auf Halde produziert? Ist es möglich, auf diesem Wege die Gewinne - zumindest auf dem Papier - gezielt zu erhöhen (und so besser dazustehen und höhere Boni zu erhalten)? Liegt man sehr weit daneben, wenn man davon ausgeht, dass die "Krise in der Wirtschaft" durch solche Phänomene der Bilanzbereinigung in günstiger "Stunde", die beispielsweise die Nachfrage bei Automobilzulieferern unmittelbar betrifft, weiter verschärft wird bzw. dieser Effekt maßgeblich dazu beiträgt?
Danke.
Kindergartenöffnungszeiten: Verstehe ich ihren letzten Kommentar richtig, dass es ihnen nicht gelingt, den Sicherheitsgurt während der Fahrt anzulegen? Vielleicht einfach an die StVO halten und ihn vor Fahrtbeginn anlegen?
Und was lernen wir daraus? Wie nix, setzen 5!!!
Die gleiche Frage stellen wir jetzt mal Audi, also, was lernen wir ..........
Liebe Frau Deckstein, lieber Herr Kunz,
das Theaterprojekt Rimini Protokoll, das auf der HV von Daimler war, hat sich nicht "eingeschleust", sondern die Besucher haben alle Aktien gekauft, sind also ebenso Anteilseigner wie jeder andere Besucher. Ausßerdem wollten die Theaterleute niemanden "entlaven" wie sie schreiben. Es ging allein um Beobachtung, Inszenierung, um Rituale, Hierarchien, Unten und Oben, die Zwischenrufer, die Ordnung, die Dramaturgie einer solchen, vermeintlich basisdemokratischen Veranstaltung. Und auch wenn Herr Bischoff sagt, das sei keine Theaterveranstaltung, dann war es doch genau das. Angefangen mit der Deko, den gutangezogenen Hostessen, dem beeindruckenden Bühnenbild und den Monologen. Die Messe wurde gestört durch Zwischenrufer, aber selbst die sind den Organisatoren zu 99% seit Jahren bekannt. Am Ende ging es den meisten Besuchern ums Essen - 80% waren nach dem Mittagessen, als VOR der eigentlichen Abstimmung weg. Aber hingehen tun die im Schnitt Ü50 Jährigen offenbar nicht um sich zu informiern oder gar abzustimmen, sondern einfach mal dabei zu sein. Genau wie die "Theaterleute" im ICC. Meinungsbildung und -äußerungen (abgesehen von den üblichen Verdächtigen, den Krakeelern und institutionellen Anlegern) gab es kaum.
Vor wenigen Jahren erst sprach der Topmanager Schrempg von einer "Hochzeit im Himmel"... Damit meinte er die Fusion mit dem US Autobauer Chrysler. Warum ein deutscher Luxus Hersteller einen US Pickup Massenhersteller kaufen soll und damit Geld verdienen will verstanden schon damals recht wenige Zeitgenossen.
Nun ja es wurden Milliarden Euro in die USA transferiert, ganze hundertschaften deutscher Manager waren immer wieder in den USA im Einsatz - und zu guter letzt wurde gemeldet Dr Zetsche hat Chrysler saniert.
Schremp sprach von einem "Masterpiece" allerdings meinte er damit, das er seinen Rücktritt bis zum Schluss geheim gehalten hat. Nach diesem Masterpiece stieg der Aktien Kurs erstmals gewaltig an.
Tja und nun nach der erfolgreichen Sanierung in den USA steht Dr Z hier und beschreibt die Zukunft... Da kann doch eigentlich nichts schief laufen???
Paging