Von Michael Kuntz

Um die Autokrise zu überwinden, muss Daimler ein Kunststück vollbringen: Pfiffige Autos produzieren - und gleichzeitig die Kosten senken.

Grundsätzlich gilt, was Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag in der Carl Benz Arena so formuliert: "Das beste Mittel gegen schlechte Zeiten sind gute Produkte - und die haben wir." Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Zetsche sitzt in Stuttgart bei der Bilanzvorlage auf der Bühne neben einem taubenblauen Elektro-Smart mit grünen Scheiben. Der ist zwar eines von den sicherlich guten Produkten, die Zetsche meint, doch die Sache besitzt einen Haken: Daimler hat zwar den Elektro-Smart, aber die Kunden können ihn nicht kaufen. Noch nicht. Erst im Jahr 2010 soll das möglich sein.

"Das beste Mittel gegen schlechte Zeiten sind gute Produkte", sagt Daimler-Chef Zetsche. Doch flippige Kleinwagen fehlen im Konzernsortiment weitgehend. (© Foto: AP)

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Dabei wäre der flippige elektrifizierte Kleinwagen gerade jetzt eine gute Antwort auf die Absatzkrise, in der die Automobilindustrie seit einiger Zeit steckt. Sie begann in Deutschland Anfang 2007 mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. Sie verschärfte sich durch die Immobilienkrise in den USA, wo etwa BMW normalerweise jedes vierte seiner Autos absetzt.

Weltweit vernetzt

Bis in den Sommer hinein konnten Hersteller wie Porsche und BMW Autos, die sie eigentlich in den USA verkaufen wollten, immer noch in den Mittleren Osten oder nach China umleiten und dort an den Mann bringen. Doch im September wuchs sich die nordamerikanische Immobilien- zur globalen Finanzkrise aus, und seitdem geht nur noch wenig. Selbst den Reichen in den aufstrebenden Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China fehlt das Geld für ein neues Auto. Kaum eine Industrie ist weltweit so vernetzt wie die Hersteller von Kraftfahrzeugen. Was bislang als Vorteil galt, geriet nun zum Nachteil - besonders für die deutschen Konzerne, die sich auf luxuriöse, schnelle und teure Wagen spezialisiert haben.

Denn die Abwrackprämien für alte Autos in mehreren Staaten nutzen eher den Herstellern kleiner Autos. Wer sparen muss, kauft einen Fiat Panda aus Polen, einen Dacia Logan aus Rumänien, den VW Fox aus Mexiko oder den Polo aus Spanien. Produkte aus der Auto-Fanmeile Deutschland bleiben außen vor.

Flaute überall

Trotzdem ist die Strategie von Daimler, BMW, Audi und Porsche langfristig nicht schlecht. Denn gesichtslose Massenautos lassen sich überall herstellen, sie sind austauschbar geworden. Aber wer ein Stück von sich in einem eigens für ihn produzierten Maßauto wiederfindet, der lässt sich das etwas kosten. Anders ausgedrückt: Der Markt für sogenannte Premiumautomobile wird nach Einschätzung von Experten doppelt so schnell wachsen wie der für Alltagsmodelle. Grundsätzlich sind die Perspektiven selbst für sie gut. In den Schwellenländern steigen die Menschen vom Motorrad um auf kleine Autos wie den Tata Nano in Indien. Diese Entwicklung ist ins Stocken geraten, langfristig aber stimmt es: Die Chinesen werden deutlich weniger Fahrrad fahren.

Denn gesichtslose Massenautos lassen sich überall herstellen, sie sind austauschbar geworden. Aber wer ein Stück von sich in einem eigens für ihn produzierten Maßauto wiederfindet, der lässt sich das etwas kosten. Anders ausgedrückt: Der Markt für sogenannte Premiumautomobile wird nach Einschätzung von Experten doppelt so schnell wachsen wie der für Alltagsmodelle. Grundsätzlich sind die Perspektiven selbst für sie gut. In den Schwellenländern steigen die Menschen vom Motorrad um auf kleine Autos wie den Tata Nano in Indien. Diese Entwicklung ist ins Stocken geraten, langfristig aber stimmt es: Die Chinesen werden deutlich weniger Fahrrad fahren.

Mit attraktiven Autos versuchen alle Manager, den Absturz ihrer Unternehmen abzumildern. Daneben treten sie auf die Kostenbremse: Die Neuregelung der Kurzarbeit seit Dezember hilft dabei - und zwar allen Beteiligten. Die Firma muss wertvolle Arbeitnehmer nicht entlassen, die Bundesagentur für Arbeit zahlt, und zwar nicht wenig: Bei drei Monaten Kurzarbeit für 85.000 Mitarbeiter mit durchschnittlich 70.000 Euro Einkommen beträgt die Entlastung 1,5 Milliarden Euro. Der Nachteil: Kurzarbeit verhindert zwar Arbeitslosigkeit, sie sorgt aber nicht für Beschäftigung.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum die Politik den Autofirmen mit viel Geld aus der Patsche hilft.

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