Kino: Aufschwung durch 3-D-Filme Mehr Dimensionen, mehr Zuschauer

Ein schweres Jahr für die Kinobranche: Es gab keine erfolgreichen deutschen Filme und zu wenig Besucher. Der Lichtblick sind jetzt 3-D-Filme - und Til Schweiger.

Von Kristina Läsker

Alte und neue Welt liegen oft nahe beieinander. Im Cinemaxx am Hamburger Dammtor sind es wenige Zentimeter. Auf einer breiten Scheibe liegt eine Filmrolle im Projektionsraum. Es ist der Kinofilm The King's speech. Auf 4,5 Kilometern Filmband wartet der mit vier Oscars prämierte Streifen auf die nächste Runde durch den Projektor.

3D-Filme helfen den Kinobetreibern, die Flaute zu überwinden.

(Foto: REUTERS)

Ganz altmodisch, ganz analog. Wie die dreißiger Jahre, in denen der Film über den stotternden britischen König George VI. spielt. Neben der Filmrolle steht ein schwarzer Kasten, eine Festplatte mit Beamer. In Bites und Bytes verpixelt ruht hier Gnomeo und Julia. Es ist ein dreidimensionaler Animationsfilm über einen Zwergenaufstand. Ein Film mit 3D-Effekten. Ein Shakespeare in neuer Technik.

So wie im Vorführraum von Kino 1 des Cinemaxx am Dammtor sieht es in 1000 der 4700 deutschen Kinosäle aus. Knapp jeder fünfte Saal hat schon auf digitale Vorführung umgestellt und zeigt analoge und digitale Filme im Wechsel. Für die Branche ist das teuer: Pro Saal kostet der Umbau etwa 70.000 Euro.

Doch für die Betreiber ist die digitale Welt eine riesige Chance, dem Besucherschwund zu trotzen - und höhere Gewinne einzuspielen. Wie etwa für die Cinemaxx AG. Jahrelang schwächelte der Gewinn von Deutschlands zweitgrößter Kinokette. Im vergangenen Jahr aber folgte das beste Ergebnis der Geschichte. So machte die Kette einen Gewinn vor Steuern von 17,6 Millionen Euro, zweieinhalb Mal so viel wie im Vorjahr, teilte sie am Donnerstag mit. "Wir haben kräftig am Boom der 3D-Filme verdient", sagte ein Sprecher.

Das ist ein kleines Wunder, denn Cinemaxx hat - wie die gesamte Branche - heftig unter der Flucht der Zuschauer gelitten. Die Zahl der Gäste sank laut Filmförderanstalt (FFA) zuletzt um 20 auf 127 Millionen: Im Sommer während der Fußball-Weltmeisterschaft schauten die Leute lieber dem Ball hinterher, vier Wochen lang blieben die Lichtspielhäuser leer.

Außerdem fehlte es an Kassenknüllern aus Deutschland. Die Zahl der Zuschauer einheimischer Filme halbierte sich zuletzt auf 21Millionen - eine bittere Zeit für die Kinobetreiber. Die Güte eines Kinojahres steht und fällt mit der Qualität deutscher Produktionen.

Mehr Einnahmen bei weniger Besuchern dank 3D

Mitten im bundesweiten Drama bescherte die dritte Dimension den Betreibern 2010 einen Lichtblick. Die 3D-Streifen Avatar und Alice im Wunderland ließen bei den großen Ketten Cinestar, UCI und Cinemaxx die Kassen klingeln. Der Grund: Die Tickets für 3D-Filme sind weit teurer. Als Folge kostet eine Karte im Schnitt inzwischen 7,27 Euro. Ein gewaltiger Preissprung, getrieben durch 3D. Vor fünf Jahren waren Tickets noch ein Viertel billiger.

Davon profitiert die Cinemaxx AG mit ihren 300 Sälen. Deren Umsatz kletterte von 207 auf 221 Millionen Euro, trotz Besucherschwund. So legten die Erlöse pro Kopf kräftig zu. Doch die Schmerzgrenze bei den Ticketpreisen scheint erreicht zu sein: Zumindest das Cinemaxx verspricht für dieses Jahr stabile Preise. "Wenn man viel Geld für eine Kinokarte zahlt, möchte man das Gefühl haben, ich habe es gern da gelassen", sagte ein Sprecher.

Wieder mehr deutsche Filme

Eine Ansicht, die bundesweit gelten dürfte: "Ich erwarte stabile Ticketpreise für das laufende Jahr", so Andreas Kramer vom Branchenverband HDF. Außerdem dürfen Besucher auf geringere Preise für Popcorn und Cola hoffen, fügte der Cinemaxx-Sprecher an. Der Europäische Gerichtshof hat kürzlich entschieden, dass die meisten Speisen und Getränke im Kino nur noch mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent belastet werden dürfen und nicht wie bisher mit 19 Prozent. "Wir werden über Preissenkungen entscheiden, wenn der Bundesfinanzhof das Urteil bestätigt", sagte der Cinemaxx-Sprecher.

So überwiegt der Optimismus, dass es für Besucher und Betreiber ein glänzendes Kinojahr wird. Zumindest laufen wieder mehr deutsche Filme. So hat die Komödie Kokowääh von Till Schweiger mit 3,2 Millionen Zuschauern schon jetzt einen doppelt so hohen Zuspruch wie der deutsche Top-Streifen Friendship! mit Matthias Schweighöfer im ganzen letzten Jahr. Zudem gibt es bis Jahresende mehr Filme auf Deutsch, etwa einen weiteren Wicki-Film von Bully Herbig und den dritten Teil von Schweigers Kein-ohrhasen.