Cube Tech Fair Fliegenlarven und künstliche Intelligenz

Apple-Mitgründer Steve Wozniak verriet den Start-ups auf der Cube Tech Fair in Berlin Tipps und Tricks für junge Unternehmen.

(Foto: ZUMA Press/imago)

Die Messe Cube Tech Fair in Berlin bringt Start-ups erfolgreich mit Konzernen wie Bayer und Volkswagen zusammen.

Von Helmut Martin-Jung, Berlin

Eine hübsch designte, grüne Wand, deren Moosbewuchs Luftschadstoffe um Dimensionen effektiver filtert als Bäume. Oder eine Kombination aus Hardware und Software, mit der Innenräume automatisch kartiert und mit Navigationshinweisen versehen werden können, Motto: Wo geht's hier zur Mona Lisa? Oder doch das: eine mit künstlicher Intelligenz aufgepeppte Auswertung von Bildern aus Röntgenapparaten und Tomografen, die genauer und um ein Vielfaches schneller funktioniert, als wenn sich ein Radiologe die Sache ansieht. Die Jury beim Start-up-Wettbewerb der Cube Tech Fair in Berlin hatte es nicht leicht, unter den drei Finalisten denjenigen zu küren, der die eine Million Euro Preisgeld kassieren würde.

Schon unter den 250 Start-ups, die es auf die Messe geschafft hatten, war die Auswahl schwer. Für die Sponsoren, den Chemiekonzern Bayer, das IT-Unternehmen Dell-EMC und den Autohersteller Volkswagen, hat sich die Investition daher gelohnt. Und das Konzept von Veranstalter Torsten Oelke ging auf. Ziel der Cube Tech Fair im Berliner City Cube am Messegelände war es, Start-ups in den Vordergrund zu stellen und sie mit Vertretern großer Firmen in Kontakt zu bringen. "Für uns war das ein super Format", sagt Jennifer Geffers, Leiterin des Ideation Hubs bei VW, einer Art interner Ideenschmiede.

Start-ups, sagt Geffers, könnten Impulse liefern, sie müssten aber einen Mehrwert in die Unternehmen hinein haben. Bei VW sei es mittlerweile häufig so, dass die Fachbereiche beim Ideation Hub Scouting nachfragen. Ob es also nicht ein Start-up gebe, das bei einer bestimmten Aufgabe weiterhelfen könne. "Die Fachbereiche sind in den Pitches mit dabei", berichtet Geffers, und könnten so ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen miteinbringen. "Dann wird es auch angenommen." Zumindest eine konkrete Kooperation mit einem Start-up wurde sogar auch angestoßen: Das Start-up Predict.io könnte dem VW-Konzern dabei helfen, Dienstleistungen anzubieten. Dabei werden Daten des Fahrers ausgewertet und ihm dann Vorschläge gemacht, wie beispielsweise Blumen für einen Geburtstag zu kaufen.

Eine Firma wie Bayer interessiert sich da eher für andere Dinge, die ganz andere Probleme bereiten. Der Konzern richtete auf der Messe den Wettbewerb Grants 4 Tech aus, übersetzt: Fördergeld für Technik. Bayer könnte zum Beispiel Roboter brauchen, die Proben aus Fässern mit Rohstoffen entnehmen, um zu prüfen, ob auch drin ist, was draufsteht, und ob die Qualität stimmt. Wie in der Messehalle zu sehen war, ist das für Maschinen alles andere als einfach. Hunderte Teams hatten sich beworben, aber nur eine Handvoll kam in die Endausscheidung, und auch da gelang es schließlich nur dem italienischen Team aus Bologna, alle Aufgaben zu erfüllen: Fass aufmachen, Kabelbinder des Beutels im Innern aufschneiden, Probe entnehmen und dann Beutel und Fass wieder zu verschließen. Die 40 000 Euro Preisgeld, die es dafür gab, werden auch hier hochwillkommen sein.

In Europa fehlt es an Geldgebern, die auch mal ein Risiko eingehen

Klappt oder klappt nicht - beim Roboterwettbewerb ist das leicht zu entscheiden. Doch wenn sich ein Start-up mit Hunderten anderen auf der Bühne behaupten soll, dann muss die Präsentation schon sehr gut sein - vor allem, weil nach drei Minuten (!) unerbittlich die Glocke schlägt. Und das heißt: Aus, vorbei, eine Verlängerung gibt es nicht. Dabei zeigt sich dann, dass manche Gründer ihre Stärken definitiv woanders haben als darin, ihre Ideen zu präsentieren. Der eine merkt nicht, dass die Bilder, die er zeigen will, zwar auf dem Monitor vor ihm erscheinen, nicht aber auf der großen Leinwand auf der Bühne. Keiner sieht also etwas, nur er. Andere stottern derart hilflos herum, dass man kaum versteht, worum es eigentlich überhaupt geht.

Erstaunlich ist aber die Bandbreite an Gründungen, die sich hier vorstellen. Von kaltem Plasma, mit dem Wunden geheilt werden können, die sich nicht schließen wollen, bis zu einem Mini-Cannabis-Zuchtapparat für zu Hause, der automatisch alle Parameter einstellt, Proteingewinnung aus Fliegenlarven, die auf Fleischabfällen wachsen - an Ideen mangelt es nicht.

Woran es manchmal mangelt, gerade in Europa, sind Geldgeber, die auch bereit sind, mal ein Risiko einzugehen. Während im Silicon Valley das Geld locker sitzt und auch viel Kapital für ziemlich aussichtslose Ideen vergeudet wird, fehlt es auf dem alten Kontinent oft an Geld auch für aussichtsreiche und durchdachte Ideen.

Dabei ist darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neuer Star. Diesen Status haben Robin Wright und Steve Wozniak längst erreicht. Wright, bekannt als First Lady in der TV-Serie "House of Cards", las den Tech-Unternehmen bei ihrem Auftritt die Leviten, weil diese Rohstoffe aus Konfliktregionen verwendeten. Und Wozniak, der Apple-Mitgründer, plauderte von früher, gab den Start-up-Gründern in einer Fragerunde Tipps und kürte schließlich als Ein-Mann-Jury unter den drei Finalisten den Sieger des Millionen-preises: Es wurden nicht die grüne Wand und auch nicht die Innenraum-Navigierer, sondern das Bildauswertungs-Start-up aus - ausgerechnet - San Francisco.