CSI 300 Diese Grafik zeigt den Absturz von Chinas Börse

Eine Tafel in Hangzhou zeigt Aktienkurse

(Foto: dpa)

Die Finanzhändler in Shanghai hatten Montag und Donnerstag überraschend früh Feierabend.

Von Bastian Brinkmann

Der Jahresauftakt an der chinesischen Börse war mies. Am Montag und am Donnerstag fielen die Werte so stark, dass die Aufsicht den Aktienhandel jeweils stoppte. Die Kursverluste schocken Händler weltweit, der Milliardär George Soros warnt bereits vor einer neuen globalen Finanzkrise, die sich in China zusammenbraue - und die Welt erneut in schwere Probleme stürzen könnte.

Die Leitbörse des Landes ist der CSI 300. Er bildet die Kurse von dreihundert chinesischen Firmen ab, die in den Finanzstädten Shanghai und Shenzhen gelistet sind.

Der Chart zeigt, was in den vergangenen vier Tagen in China passiert ist. Für jeden Tag ist die Mittagspause zu sehen, die chinesische wie andere asiatische Händler genießen - anderthalb Stunden stehen die Kurse still, der Chart ist waagerecht. In Frankfurt, London und New York gibt es keine Mittagspausen an der Börse.

Am Montag galt zum ersten Mal die Regel, dass die Börsenaufsicht den Handel aussetzt, wenn die Kurse fallen. Und zwar für 15 Minuten bei minus fünf Prozent und für den Rest des Tages bei minus sieben Prozent. Nach der Mittagspause wurde der Handel für eine Viertelstunde unterbrochen, doch der Absturz ging ungebremst weiter. Die Aufsicht schritt ein, die Händler hatten früher Feierabend.

Dann intervenierte Peking in die Finanzmärkte. Die Zentralbank stellte umgerechnet mehrere Milliarden Euro zur Verfügung, um die Händler zu beruhigen. Zudem verschärfte die Börsenaufsicht die Regeln für Großinvestoren. Das kündigte sie Dienstagfrüh an. Viele Händler hatten Angst, dass Großanleger am Freitag massiv Aktien verkaufen würden. Dann läuft eine Frist aus, die Peking im Sommer ausgerufen hatte. Damals war in China bereits eine Börsenblase geplatzt. Das Verkaufsverbot sollte die Kurse beruhigen. Nun wird es nicht direkt verlängert, aber es gelten Auflagen. So müssen beispielsweise Verkäufe vorher angemeldet werden.

Das reichte am Dienstag und am Mittwoch aus, um die Kurse zu stützen. Die Verluste vom Montag holte der CSI 300 nicht auf, der Handel am Dienstag war unruhig - aber eine Panik blieb aus.

Das änderte sich am Donnerstagmorgen. Zuvor hatte die Zentralbank bekannt gegeben, den Yuan abzuwerten. Schwächt China seine Währung, hilft das den heimischen Firmen, mehr zu exportieren. Es stärkt also die Wirtschaft. Doch der Schritt zeigt auch, dass Peking befürchtet, dass es den Unternehmen schlecht geht - sonst wäre der Schritt eventuell nicht nötig gewesen. Dieses Eingeständnis löste den massiven Kursrutsch am Donnerstagmorgen aus. Der Arbeitstag der Händler begann um 9:30 Uhr und endete um 9:59 Uhr - und mittendrin war der Handel schon für 15 Minuten ausgesetzt. Feierabend nach 14 Minuten. Freitag geht es weiter.

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