Von Uwe Ritzer

Die fränkische Fabrikantin Maria-Elisabeth Schaeffler wird zu den hundert reichsten Menschen der Welt gezählt - jetzt will sie Conti kaufen.

Wenn Betriebsräte und Gewerkschafter bei Schaeffler der Unternehmensspitze bisweilen rüde Methoden vorwerfen, dann nehmen sie eine Person ausdrücklich von jeder Kritik aus: Maria-Elisabeth Schaeffler.

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Es scheint, als schwebe die Eigentümerin des gleichnamigen Familienunternehmens unantastbar über dem profanen Tagesgeschäft. Das überlässt die 1941 in Prag geborene und in Wien aufgewachsene Unternehmerin dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Jürgen Geißinger.

Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Einerseits die in ihren Formulierungen vorsichtige und von einem Hauch der Unnahbarkeit umwehte Eigentümerin. Eine sozial und kulturell engagierte Frau. Andererseits der forsche in der Wortwahl wenig zimperliche und selbstsichere Manager. Doch die Gegensätze scheinen sich gut zu ergänzen. Sonst wäre aus einer Werkstatt für Holzleiterwagen in der fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach nie ein Weltkonzern geworden.

Firmengründer Georg Schaeffler hatte die fast drei Jahrzehnte jüngere Medizinstudentin Maria-Elisabeth im Jahr 1963 geheiratet. Nach seinem Tod 1996 traten die Witwe und ihr Sohn Georg als Alleingesellschafter das Erbe an. Forbes zählt beide mit einem Privatvermögen von 5,4 Milliarden Euro zu den 100 reichsten Menschen der Welt.

Schnelles Wachstum

Wie viel Einfluss die Mutter und der Sohn, der als Wirtschaftsanwalt im amerikanischen Dallas arbeitet, auf ihre Firma nehmen, weiß kein Außenstehender. Für den Expansionskurs steht vor allem der seit 1998 amtierende Manager Geißinger.

Herzogenaurach, die Heimat des Unternehmens, ist wegen der dort ansässigen Sportartikel-Konzerne Adidas und Puma bekannt geworden. Doch das mit Abstand größte Unternehmen am Ort ist Schaeffler. Die Firma wächst stark und schnell.

Etwa 66.000 Beschäftigte, etwa 30.000 von ihnen in Deutschland, produzieren Wälzlager, vornehmlich für die drei Marken INA, FAG und LuK. Ohne diese unscheinbaren Präzisionsteile könnte kein Auto fahren, würden viele Maschinen nicht laufen. 2007 erwirtschaftete die in 50 Ländern präsente Schaeffler-Gruppe 8,9 Milliarden Euro Umsatz.

Etwa 60 Prozent brachte das Zuliefergeschäft mit der Autoindustrie. Der Rest verteilt sich auf Industrie, sowie Luft- und Raumfahrt. Zahlen nennt das Unternehmen - wenn überhaupt - nur widerwillig. Dass Schaeffler aber sehr profitabel arbeitet, ist unstrittig. Die IG Metall schätzt, dass 13 bis 15 Prozent des Umsatzes als Gewinn übrigbleiben.

"Die Kriegskasse für eine Übernahme oder einen groß angelegten Einstieg bei Continental wäre jedenfalls mit Sicherheit sehr gut gefüllt", sagt einer, der das Unternehmen gut kennt. Und Continental wäre nicht das erste börsennotierte Unternehmen, das Schaeffler übernehmen würde. In einem erbitterten Übernahmekampf sicherte man sich 2001 FAG Kugelfischer, gegen den Widerstand von Management, IG Metall und Teilen der Öffentlichkeit.

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(SZ vom 15.07.2008/hgn)