Die Conti-Schlacht: Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler braucht bessere Berater - sonst wird sie in Hannover eine Bauchlandung erleben.
Jetzt will sie Continental offenbar mit Gewalt einnehmen. Maria-Elisabeth Schaeffler, die einst angesehene Familienunternehmerin aus Franken, zeigt sich wild entschlossen, bei dem Autozulieferer, den sie vor einem Jahr kaufte, die Herrin im Hause zu spielen. In Hannover soll es laufen wie daheim im Familienbetrieb von Herzogenaurach, wo alles so gemacht wird, wie es die Chefin befiehlt. Wie gefährlich dieser Kollisionskurs ist, zeigte sich in der Conti-Aufsichtsratssitzung vom vergangenen Donnerstag. Da wollte sie mal eben den unbotmäßigen Vorstandschef Karl-Thomas Neumann feuern. Sie und ihre Verbündeten im Aufsichtsrat holten sich dabei eine blutige Nase. Die Arbeitnehmer stellten sich hinter den Conti-Chef, die Attacke von Schaeffler auf Neumann musste vertagt werden.
Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler ist im großen Stil bei Conti eingestiegen - doch ihre Strategie ging nicht auf. (© Foto: dpa)
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Die Übernahme von Continental durch den fränkischen Kugellager-Hersteller Schaeffler zieht sich schon ein Jahr hin, und wenn Frau Schaeffler ihre Strategie nicht ändert, wird sie in Hannover eine Bauchlandung erleiden. Die Unternehmerin wird nicht nur bei Continental viel Porzellan zerschlagen und dem Unternehmen großen Schaden zufügen. Sie wird sich die Gegnerschaft der Gewerkschaften und der Politiker zuziehen. Mit ihrem Vorgehen riskiert sie, zum Zentrum eines großen politischen Streits zu werden. In einem Land, in dem die Interessen der Aktionäre derzeit nicht hoch im Kurs stehen, weil sie als ein Grund für die Finanzkrise gelten, kann sie mit dieser Methode nur scheitern. Vor allem sollte Frau Schaeffler bedenken, dass ihr Konzern möglicherweise Staatsgeld zum Überleben braucht. Wenn sie um solche Hilfen nachsucht, muss sie sich überlegen, ob sie als weitsichtige Unternehmerin mit sozialer Kompetenz auftritt oder ob sie auf das Hauruck-Verfahren setzt.
In Deutschland wurde schon lange kein Chef eines großen Konzerns mehr gegen die Interessen der Gewerkschaften durchgedrückt. Wer das versucht, wird sich die Gegnerschaft der Belegschaft zuziehen und den Preis dafür zahlen müssen. Im Kernland der Mitbestimmung wird kein Eigentümer gegen die Gewerkschaften eine langfristig gedeihliche Zusammenarbeit hinbekommen. Dass es anders geht, beweisen viele Konzerne, die keineswegs vor den Gewerkschaften in die Knie gehen. Die wenigsten deutschen Unternehmenschefs lieben die Mitbestimmung. Aber sie können mit ihr umgehen. Sie binden die Arbeitnehmervertreter in ihre Entscheidungen ein.
Die Schaeffler-Seite hat in der Schlacht Fehler gemacht. Sie hat sich finanziell übernommen, sie hat die Continental-Belegschaft brüskiert und bisher keine Strategie für den Gesamtkonzern entworfen. Auch die Conti-Seite war ungeschickt. Die Hannoveraner haben sich trotzig eingebunkert in der Hoffnung, als das überlegene Unternehmen am Ende die Führung des Gesamtkonzerns zu haben. Dabei haben sie allerdings übersehen, dass Schaeffler die Mehrheit an Continental hält. Gegen den Eigentümer zu arbeiten ist sinnlos.
Nach einem Jahr des Streits muss sich Schaeffler dazu durchringen, die Norddeutschen als Partner ins Boot zu holen und sie nicht weiter zu verprellen. Wer mit dem Streit angefangen hat und wer recht hat, ist irrelevant.Es geht um einen Unternehmensverbund mit mehr als 200.000 Arbeitnehmern. Die haben es verdient, durch Schaeffler professioneller geführt zu werden als bisher.
Dazu gehört, dass sich Frau Schaeffler bessere Berater holt. Ein Aufsichtsratsvorsitzender wie Rolf Koerfer, der in einer wichtigen Sitzung des Continental-Kontrollgremiums die Fassung verliert, der es versäumt, die Abberufung des ungeliebten Vorstandschefs in dem Gremium so vorzubereiten, dass die Entscheidung geräuschlos fallen kann, ist für den Posten nicht geeignet. Geschrei im Aufsichtsrat eines Konzerns, der noch vor kurzem im Dax verzeichnet war, steht für Provinzposse, nicht für verantwortungsbewusste Führung eines Weltunternehmens. Bevor Continental einen neuen Vorstandsvorsitzenden braucht, sollte Frau Schaeffler erst einmal den Aufsichtsratschef austauschen.
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Vorstandschef Neumann verweigert sich nun schon seit Monaten einer Kooperation mit dem Mehrheitsaktionär Schaeffler. Wenn er jetzt auch noch die Gläubigerbanken und Arbeitnehmer für seine Ziele funktionalisiert, ist einfach der Zeitpunkt gekommen, zu dem der Aufsichtsrat die Notbremse ziehen muss.
Das ist letztlich ein notwendiger Schritt im Interesse aller Stakeholder von Conti und Schaeffler. Insbesondere die Mitarbeiter werden von der Vereinigung von zwei der größten Zulieferbetriebe des Landes durch die Nutzung einer Vielzahl von Synergien profitieren. Dies zu torpedieren ist fahrlässig und lässt dem Aufsichtsrat keine Wahl als die Entlassung Neumanns.
Die Kritik der Fahrzeughersteller war zu erwarten, müssen sie doch in Zukunft mit einem mächtigeren Zulieferer ihre Geschäfte abwickeln.
Wenn ich mir das Spiel in der ersten Halbzeit Schaeffler vs. Conti ansehe:
- Schulden: Stets wohl 0:0 da haben beide gleich viel
- Operatives Ergebnis: 1:0 für Schaeffler - trotz Krise schwarze Zahlen
- Schulden: möcht ich nochmal nachbessern: Die stammen bei Schaeffler aus dem Zukauf von Conti - schon klar, war ein Fehler. Nur zieht Conti nicht nur sich selber runter, sondern nimmt Schaeffler damit gleich mit.
Bei den damit verbundenen 200.000 Arbeitsplätzen ist das für die Politik schon dramatisch und da verstehe ich wenn Nord wie Süd bei einem guten Fortführungskonzept auch mit Staatshilfe zu rechnen ist.
Auf jeden Fall ist es höchste Autobahn, dass sich dei Beteiligten auf ein Konzept einigen. Ansonsten haben wir zigtausende Arbeitssuchende mehr in Bälde.
Es hat mit Stimmungsmache wenig zu tun, wenn auf so katastrophale Fehler hingewiesen wird. Mein Mitleid hält sich bei der gesamten Häme ziemlich stark in Grenzen.
Ein Angestellter, der sich solche Patzer leistet, wie die Schaefflertruppe würde mit Sicherheit - sofern er seinen Job überhaupt behalten dürfte - lange darauf warten, beruflich aufzusteigen. Die Schaefflers hingegen glauben allen Ernstes, dadurch auch noch erfolgreich zu werden.
Die Tatsache, dass Herr Seehofer diesen Dilettantenstadel (Erläuterung in meinem Kommentar zum Artikel "Die Situation ist völlig verfahren") auch noch mit Staatshilfen unterstützen möchte, spricht Bände. Viel schlimmer kann man sich den Wählern gar nicht anbiedern, wie es z. Zt. der bayerische Ministerpräsident tut. Es stellt sich die Frage, ob er sich bei Erfüllung seiner ganzen Versprechen finanziell nicht ebenso "verheben" würde, wie die Schaefflers oder Wiedeking.
der gesamte Artikel geht nicht darauf ein welche Auswirkung diese Auseinandersetzung zwischen Schaeffler und Conti aud deren Kunden hat.
Kunden haben es nicht gerne wenn sie von Lieferanten abhängig sind, welche jeweils 10 Milliarden Schulden haben und sich gegenseitig bekämpfen, anstatt sich darum zu kümmern das die Finanzsitutuation ausreichend ist um die nächsten Jahre ein verlässlicher Partner für entwicklung und Produktion von Zulieferteilen zu sein.
Die Kunden in der Automobliindustrie sind AUDI, BMW, CITROEN, DAIMLER, FORD, GM, LAND-ROVER, OPEL, PEUGEUOT, RENAULT, VW, uvm.
Also sollten Schaeffler und Conti schnellsten zu einer Lösung kommen...
ich find den artikel eigentlich ganz gut. beide seiten hätten fehler gemacht, neumann sich gegen den mehrheitseigentümer aufgelehnt...
auch stimmt, dass schaeffler jetzt am zug ist und den karren aus dem dreck fahren sollte.
allein der titel schiebt die versäumnisse allesamt frau schaeffler hin !...
Paging