Computerhersteller Dell Bieterkampf um alte Kisten

Um den US-Computerhersteller Dell ist ein Bieterwettstreit entbrannt. Firmengründer Michael Dell bekommt es mit mächtigen Gegnern zu tun.

(Foto: AFP)

Für Michael Dell steht viel auf dem Spiel: Der Gründer des einst größten Computerherstellers der Welt will sein Lebenswerk retten. Dafür muss er das Unternehmen von der Börse nehmen. Doch nun könnten zwei berüchtigte Finanzinvestoren seine Pläne durchkreuzen.

Von Varinia Bernau

Es ist ein kühner Plan. Für Michael Dell steht viel auf dem Spiel: Der 48-Jährige, der aus den Basteleien in seiner Studentenbude den größten Computerhersteller der Welt geformt hatte, will sein Lebenswerk retten. Das Unternehmen steckt tief in der Krise. Der Gründer will es von der Börse nehmen und es fernab kurzfristiger Gewinnerwartungen seiner Aktionäre neu ausrichten. Mehr als 24 Milliarden Dollar hat er dafür gesammelt. Es soll der größte, über Schulden finanzierte Firmenkauf seit der Finanzkrise werden.

Der Plan steht auf der Kippe. Michael Dell bekommt es mit mächtigen Gegnern zu tun. Ausgerechnet um ein angeschlagenes Unternehmen, einen Anbieter alter Kisten, die, so scheint es, keiner mehr haben will, tobt ein Bieterkampf.

Die Namen derer, die das Vorhaben des Herrn Dell durchkreuzen wollen, sind an der Wall Street berüchtigt: Stephen Schwarzman, 66, mit seiner Firma Blackstone, einer der größten Finanzinvestoren der Welt, sowie der Milliardär Carl Icahn, 77, einst das Vorbild für Gordon Gekko im Kinofilm "Wall Street". Beide führt übrigens das liberale Medieninstitut Alternet in der Liste der zehn schlimmsten Milliardäre.

Smartphones und Tablets verschlafen

Offiziell will Dell erst in den nächsten Tagen über die Angebote informieren, die bis Samstag, null Uhr, Ortszeit, eingehen sollten. Laut Wall Street Journal haben Blackstone und Icahn dem Verwaltungsrat des Konzerns ihr Interesse signalisiert und um weitere vier Tage für ein konkretes Angebot gebeten hätten. Allerdings sei keiner der beiden an einer kompletten Übernahme interessiert, heißt es. Damit würde der Rückzug von der Börse - das ist der wichtigste Punkt im Plan von Michael Dell - scheitern.

Das Unternehmen aus Texas war einst weltweit die Nummer eins im Computergeschäft. Doch es fand kein Mittel gegen asiatische Billiganbieter. Schlimmer noch: Es verschlief die Entwicklung von Smartphones und Tablets. Dells Stärken liegen ausgerechnet dort, wo die Nachfrage schwächelt. Deshalb will der Gründer sein Unternehmen umbauen. Fernab der Börse hätte er die nötige Ruhe für Investitionen, etwa im lukrativeren Geschäft mit Dienstleistungen oder in einer Partnerschaft mit Microsoft, der Michael Dell mit einem Darlehen beigesprungen ist.

Noch werden mit klassischen Computern weltweit mehr als 300 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt. Dell, der Nummer drei in diesem Geschäft, bringe die PC-Sparte eine Menge Geld ein, so betont etwa der Gartner-Analyst Adrian O'Connell. Aber davon bleibe zu wenig in der Kasse, um das Unternehmen auf lange Sicht am Laufen zu halten oder gar auf Wachstumskurs zu bringen. Das ist der Moment, in dem die Fledderer zuschlagen.

"Money is everything"

Die Interessen derer, die nun gegen den Gründer halten, sind andere. Ihnen geht es ums Geld. "Money is everything", heißt es auf der Internetseite von Blackstone. Die Beteiligungsgesellschaft ist durch riskante Käufe groß geworden. Stephen Schwarzmann, der Mann an der Spitze, gilt als Firmenjäger. Bei der Telekom und der Allianz ist Blackstone bereits eingestiegen, beim Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin und der Hotelgruppe Hilton.

Schwarzmann wandte sich einmal an die Kanzlerin persönlich, um sich zu erkundigen, wie es wohl sein könne, dass einer ihrer Minister Leute wie ihn mit Insekten verglichen. Erst kürzlich kursierten Gerüchte, dass Blackstone bereits beim Softwarekonzern Oracle angeklopft habe, um den Manager Mark Hurd abzuwerben. Der hat einst den Computerhersteller Hewlett-Packard geführt und mit strengem Sparkurs den Aktienkurs hochgetrieben. Die ideale Besetzung also, um auch bei Dell möglichst schnell möglichst viel rauszuschlagen.

Carl Icahn ("Wenn Du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund"), dessen Vermögen das US-Wirtschaftsmagazin Forbes auf mehr als zehn Milliarden Dollar schätzt, gilt als umtriebig. Ihm geht es nicht nur um Aktienpakete, er will auch die wichtigsten Gremien von Firmen erobern. Er hat sich in den vergangenen Wochen bereits mit sechs Prozent bei Dell eingekauft, nennt sich einen "substanziellen Anteilseigner" und wirft Dell vor, sich unter Wert zu verkaufen. Er gehört zu den Aktionären, die, nachdem die Pläne von Dell auf dem Tisch lagen, Widerstand ankündigten.

Entscheidung liegt bei den Anlegern

Der Gründer hat eine Allianz geschlossen und sich mit dem Finanzinvestor Silver Lake und Microsoft verbündet - und bietet den Aktionären 13,65 Dollar pro Anteilsschein. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg wollen die Angreifer mehr zahlen: Blackstone plant ein Angebot von bis zu 14,5 Dollar, Icahn eines über 15 Dollar pro Papier. Der Verwaltungsrat, der andere Angebote einholen wollte, um sich gegen spätere Klagen der Aktionäre abzusichern, kann über eine Empfehlung abstimmen. Die Entscheidung über Dells Zukunft aber liegt bei den Anlegern. Im Juli spätestens sollen sie abstimmen.

Eines immerhin bleibt Michael Dell: Er kann sein Angebot erhöhen. Fraglich ist nur, ob er das dafür notwendige Geld zusammenbekommt. Mit anderen Worten: Wie viel es ihm wert ist, sein Lebenswerk doch noch zu retten.